Die Rechnung der SBB geht auf

Das Bundesamt für Statistik liefert ausführliche Zahlen zur Pendlerstatistik der Stadt Wil. Die Daten geben Aufschluss darüber, wie viele Personen vom bevorstehenden Fahrplanwechsel betroffen sind.

Gianni Amstutz
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Pendler kommen während des Feierabendverkehrs am Bahnhof Wil an. (Bild: Gianni Amstutz)

Pendler kommen während des Feierabendverkehrs am Bahnhof Wil an. (Bild: Gianni Amstutz)

Unmut, Verständnislosigkeit, Enttäuschung: So lässt sich das Befinden der Pendler aus der Region in Bezug auf den bevorstehenden Fahrplanwechsel am 9. Dezember zusammenfassen. Allgemein ist das Thema Verkehr in Wil ein heisses Eisen. Neben den verschlechterten Bedingungen für ÖV-Nutzer aus dem Toggenburg und dem Thurgau beschäftigen in der Stadt auch der Stau bei den Autobahnzugängen sowie eine Umfahrung zur Zentrumsentlastung seit Jahren sowohl Bevölkerung als auch Politik. Dies dürfte nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass Wil als Pendlerstadt bezeichnet werden kann.

Rund 8350 Personen pendeln laut Zahlen des Bundesamts für Statistik nach Wil, 6930 Pendler fahren von Wil weg. Es fahren also beinahe 1500 Menschen mehr mit Autos, Bus, Bahn oder Velo nach Wil zur Arbeit, als Wil zu diesem Zweck verlassen. Dies bedeutet, dass die Arbeitsplatzfunktion der Stadt Wil gegenüber der Wohnfunktion im Vordergrund steht, allerdings in deutlich kleinerem Umfang, als dies für St. Gallen der Fall ist.

Zupendler aus der Nachbarschaft

Die Pendler aus Wil zieht es vor allem in die grossen Städte: nach St. Gallen (826), Zürich (633) und Winterthur (464). Anders sieht es in der Gegenrichtung aus. Die meisten Pendler stammen nicht aus den grossen Zentren, wo ebenfalls ein grosses Angebot an Arbeitsplätzen besteht, sondern aus den kleineren, umliegenden Gemeinden. Spitzenreiter ist die Gemeinde Sirnach. 545 Personen fahren von dort aus täglich nach Wil zur Arbeit. Die weiteren Gemeinden mit einer überdurchschnittlich hohen Arbeitsmobilität in Richtung Wil sind Kirchberg (495), Uzwil (424) und Zuzwil (381).

Der Anteil jener Personen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, beträgt in Wil nur 28 Prozent. Der Grossteil der Pendler setzt also nach wie vor auf das Auto. Damit liegt Wil ungefähr im nationalen Durchschnitt. Schweizweit nutzen 52 Prozent das Auto als Transportmittel für den Arbeitsweg.

Unabhängig ob ÖV-Nutzer oder Autofahrer, eines ist allen Zu- und Wegpendlern Wils gemeinsam: Für sie endet oder beginnt ihr Arbeitsweg in Wil. Das heisst, sie sind vom bevorstehenden Fahrplanwechsel am 9. Dezember kaum betroffen. Doch Wil hat im öffentlichen Verkehr mit über 20000 Ein- und Aussteigern pro Tag am Bahnhof gerade als Knotenpunkt in Richtung Zürich und St. Gallen eine wichtige Bedeutung. Betroffen von der Schwächung dieses Knotens sind Zugreisende aus dem Toggenburg und des Thurgaus, die in Richtung St. Gallen unterwegs sind. Sie müssen in Wil Wartezeiten von 20 Minuten in Kauf nehmen. «Das ist eine Katastrophe», sagte der Betroffene Silvan Krähemann aus Bettwiesen kürzlich gegenüber dieser Zeitung.

Die Krux mit den verfügbaren Daten

Die Pendlermatrix des Bundesamtes für Statistik zeigt ansatzweise auf, wie viele Pendler wie Silvan Krähenmann ebenfalls von schlechteren Anschlüssen nach Uzwil, Flawil, Gossau und St. Gallen betroffen sein werden. Ansatzweise deshalb, weil nur für die Gesamtzahl der Pendler Zahlen existieren. Darunter fällt auch der motorisierte Individualverkehr sowie der Langsamverkehr. Ein weiterer Knackpunkt: Die Zahlen wurden auf Gemeindeebene erhoben. Am Beispiel der Gemeinde Kirchberg, zu der auch Bazenheid gehört, lässt sich die Problematik dieses Umstands erkennen. Während Kirchberger per Bus nach Wil reisen, nehmen Bazenheider den Zug. Erstere sind also weit weniger stark vom Fahrplanwechsel betroffen.

Geht man davon aus, dass rund ein Viertel aller Pendler den Schienen- oder Busverkehr nutzt, ergibt das etwas mehr als 400 Personen, die via Wil entweder nach Uzwil, Flawil, Gossau oder St. Gallen reisen. Eine nicht unerhebliche Anzahl. Im Vergleich zu den 1000 Pendlern, die täglich alleine zwischen St. Gallen und Zürich hin- und herpendeln, ist die Menge jedoch zu klein. Denn diese profitieren von schnelleren Verbindungen. Dem Ziel der SBB, möglichst viele Menschen möglichst schnell ans Ziel zu befördern, wird durch den Fahrplanwechsel also entsprochen. Für die Betroffenen ist dies nur ein schwacher Trost.