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«Die Qualität der Filme in diesem Jahr war eher bescheiden» – Wie das Cinewil trotzdem der Kinokrise trotzt

Die Kinos in der Schweiz stecken in der Krise. Doch nicht alle: Dem «Cinewil» gehe es trotz weniger Besucher gut, erklärt Geschäftsführerin Felicitias Zehnder im Interview. Gleichzeitig beklagt sie die Qualität der Filme.
Tobias Bruggmann

Leere Kinosäle, kaum Gäste: Das ist der aktuelle Trend in der Schweizer Kinoszene. Die Besucherzahlen sind eingebrochen, minus 20 Prozent im ersten Halbjahr 2018. Als Folge musste unter anderem auch das Kino «Rex» in St. Gallen schliessen. Auch im «Cinewil» sind die Besucherzahlen zurückgegangen. Dennoch sieht Geschäftsführerin Felicitias Zehnder optimistisch der Zukunft entgegen.


Felicitas Zehnder, kleinere Kinos kämpfen um das Überleben. Wie hat das «Cinewil» den Sommer überstanden?

Auch wir haben seit Jahresbeginn 23 Prozent weniger Besucher im Vergleich zum letzten Jahr. Insgesamt geht es uns aber nicht schlecht. Die Besucherrückgänge haben verschiedene Gründe: Einer davon ist das schöne Wetter. Dazu ist die Zielgruppe der 14 bis 20-Jährigen stark geschrumpft und die Qualität der Filme in diesem Jahr war eher bescheiden.

Woran merken Sie das?

Es gab nicht viele wirklich neue Filme; die meisten waren nur Fortsetzungen von bekannten Filmen. Die Filmemacher wagen sich nicht an neue Ideen, weil der finanzielle Verlust bei einem Flop zu gross wäre.

Warum läuft es bei Ihnen denn trotz des Besucherrückgangs gut?

Im Vergleich zu kleineren Kinos haben wir mehrere Säle. Das heisst, wir können viele verschiedene Filme zeigen, insbesondere auch Kulturfilme. Das Festhalten am Kulturfilmangebot zahlt sich langsam aus. Dazu verbuchten wir beim Sunset-Filmfestival einen neuen Besucherrekord. Unsere Bar und unser neues Café sind ebenfalls wichtig für die Attraktivität des Kinos.

Am «Tag des Kinos», wo jeder Eintritt fünf Franken kostete, war das ganze Haus voll. Ist das Kino zu teuer?

Wenn man sieht, welche Beträge die jungen Leute in ihrer Freizeit ausgeben, dann glaube ich, das Geld schon vorhanden ist. Das Freizeitverhalten hat sich aber verändert. Früher war man am Wochenende zu Hause und ging am Abend noch ins Kino. Heute hat man mehr Möglichkeiten.

Wie erreichen Sie das junge Publikum?

Wir machen jetzt interne Workshops mit den Mitarbeitern und versuchen auf Social Media aktiver zu sein. Zusätzlich überlegen wir uns spezielle Angebote für Jugendliche.

Spüren Sie die Konkurrenz von Kinos aus dem angrenzenden Ausland, zum Beispiel Konstanz?

Ja. Oft sind das Leute, die dort einkaufen waren und dann noch ins Kino gehen. Das Einzugsgebiet unserer Besucher ist meistens bis zum nächsten Kino.

Wie erleben Sie die Kinokultur heutzutage?

Bei Filmen mit jungen Zuschauern ist es unruhiger im Saal. Sie brauchen viel mehr Kontrolle im Kino, weil sie im Vergleich zu meiner Generation anders erzogen wurden. Viele Leute haben das Gefühl, sie müssten immerzu auf das Handy schauen und den Film kommentieren. Bei Kulturfilmen haben wir diesbezüglich keine Probleme.

Nach 20 Jahren bauen sie jetzt das «Cinewil» komplett um. Was wird gemacht?

Es gibt neu einen grossen Glaskubus, der aus dem Gebäude heraustragen wird. Im Kubus wird es eine neue «Kafi-Bar» geben. Auch das Foyer und das Café werden umgebaut. Zusätzlich gibt es eine neue Event-Lounge für Gamer, Vorträge oder Geburtstage.

Was passiert mit den Kinosälen?

Die Säle sind auf dem neusten Stand, an diesen ändern wir nichts.

Warum bauen Sie um?

Der Kunde möchte heutzutage nicht mehr nur den Film schauen, sondern oft auch noch etwas essen oder trinken und eine gute Zeit verbringen. Gerade weil die Zahl der Kinobesucher rückläufig ist, brauchen wir etwas, um sie anzulocken.

Wie lange dauert der Umbau?

Wir beginnen im März und hoffen, dass der Bau bis im Oktober 2019 abgeschlossen ist und wir mit dem neuen Bond-Film eröffnen können. Das Kino bleibt aber während des Umbaus geöffnet.

Was kostet der Umbau?

Das kann ich nicht sagen. Wir bezahlen jedoch alles selber und erhalten keine Gelder von der Stadt oder dem Bund.

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