Die Piratenpartei hisst auch in Wil die Flagge

WIL. Die Wiler Gruppe der Piratenpartei tritt an den nächsten kantonalen Wahlen an und sucht noch Kandidatinnen und Kandidaten. Die Piraten treten nicht an, um sich in die Reihe der traditionellen Parteien zu stellen, sondern um diesen das Fürchten zu lehren.

Christoph Oklé
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Die Wiler Piraten sind erst eine kleine Gruppe. Jürg Grau, Rony Spitzli und Patrik Hafner treten zu den kantonalen Wahlen an (von links). (Bild: cho.)

Die Wiler Piraten sind erst eine kleine Gruppe. Jürg Grau, Rony Spitzli und Patrik Hafner treten zu den kantonalen Wahlen an (von links). (Bild: cho.)

Wer sich unter den Mitgliedern der jüngsten Erscheinung in der Schweizer Parteienlandschaft, der Piratenpartei, verwegene Gestalten vorstellt, ist vermutlich einem Vorurteil erlegen. Mit der Namenswahl für ihre Bewegung nach deutschem Vorbild haben es sich die «Piraten» allerdings selber zuzuschreiben, dass sie in der Öffentlichkeit zunächst einmal als Möchtegern-Outlaws wahrgenommen werden.

Name als Provokation

Die Piraten selber aber sehen in diesem Umstand vor allem die Chance, sich für diese Namenswahl rechtfertigen zu müssen, die Zielsetzungen dahinter erklären zu können – Schicksal als Chance. So jedenfalls tönte es am ersten Stamm der Piraten des Wahlkreises Wil in der Lounge des «Swan21». Keine Totenkopf-Flagge flattert über dem Gefährt sondern – nicht minder bedrohlich – der Begriff Provokation. Denn die Piraten sind nicht angetreten, sich in die Reihe der traditionellen Parteien zu stellen, sondern diese das Fürchten zu lehren. Noch handelt es sich eher um ein bescheidenes Ruderboot denn um eine stolze Fregatte. Die Besatzung besteht aus Informatikern und Unternehmern.

Dass kräftiges Rudern angesagt ist, ist sich die noch kleine Wiler Gruppe bewusst, denn sie hat erst einen guten Monat nach der Gründung der Piratenpartei St. Gallen und beider Appenzell beschlossen, mit einer eigenen Liste an den kommenden kantonalen Wahlen anzutreten. Die zur Verfügung stehenden achtzehn Listenplätze dürften sie aber wohl kaum füllen können, denn erst drei Namen stehen darauf – macht kumuliert sechs Zeilen. Deshalb setzen sie auf das Engagement von im Wahlkreis wohnenden Piraten, die erst Mitglieder in der Schweizer oder der St. Galler Partei sind. Ob die knappe Zeit aber dafür ausreicht? Am 9. Januar ist die Frist für das Einreichen der Listen bei der Staatskanzlei verstrichen.

Freiheit und Sicherheit

Doch wo steht diese neue Bewegung in der Parteienlandschaft? Eher daneben als darin, kommt man zum Schluss, wenn man die Anliegen der Versammelten zur Kenntnis nimmt. «Wir stehen dort, wo die andern nicht sind», ist der Tenor, denn politisiert werde von den meisten anderen so, «als wären wir noch im vergangenen Jahrhundert». Die neuen Herausforderungen, denen sich die «digitale Generation» gegenübersieht – als Chancen oder Gefahren –, würden kaum thematisiert. Schematisch schubladisieren lassen sich die politischen Freibeuter aber (noch) nicht.

Vorderhand umfassen deren Ziele die Förderung des freien Zugangs zu Wissen und Kultur, die Stärkung der Bürgerrechte und der Privatsphäre, einen transparenten Staat und die Bekämpfung von Medienverboten und Zensur. Einer ihrer Vertreter, der Zuzwiler Unternehmer Jürg Grau, formuliert die Herausforderung, der sich seine Partei stellen will: «Die Gesellschaft hat die Aufgabe, dem Menschen einen Lebensraum zu bieten, der grösstmögliche Sicherheit bietet, verbunden mit grösstmöglicher persönlicher Freiheit.» Und um diese wahrnehmen zu können, werde sich die Piratenpartei im Kanton St. Gallen auch speziell für die Einführung des Schulfachs «Medienkompetenz» einsetzen.