Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die Pippi Langstrumpf der Philosophie: Judith Bach präsentiert ihr Programm in Wil

Als Teil des Duos Luna-tic ist Judith Bach seit Jahren eine Grösse auf den hiesigen Kleinkunstbühnen. Nun zeigte die Berlinerin am Samstagabend erstmals ihr Solo-Programm in Wil.
Christof Lampart
Die Berlinerin Judith Bach bot als Claire in ihrem Solo-Programm beste Unterhaltung. (Bild: Christof Lampart)

Die Berlinerin Judith Bach bot als Claire in ihrem Solo-Programm beste Unterhaltung. (Bild: Christof Lampart)

Claire ist «alleene», jedoch nicht einsam. Claire ist nicht süss, aber man hat sie einfach zum Knuddeln gern. Denn so grossmütig und frei von der Leber weg agierend, wie sich die Berliner Göre mit Herz auf der Wiler Bühne am Gleis am Samstagabend mit ihrem Soloprogramm «Aus lauter Lebenslust» gab, so unkompliziert findet auch das Publikum sofort den Draht zum grossen Mädchen. Claire wirkt in seiner Flapsigkeit mal wie eine gealterte Pippi Langstrumpf, dann sofort wieder um Jahrzehnte weiser daherkommt, wenn sie sich mit philosophischen Fragestellungen ans Publikum wendet. «Wohin geht die Musik, wenn man sie gehört hat?», fragt sie in den Zuschauerraum hinein – just, nachdem sie ein paar Takte eines alten Berliner Liedes am Piano gespielt hat. Oder noch etwas tiefsinniger: «Wie wählt man, was man wählt?»

Claires Fragen zeigen dem Publikum, dass ihm da jemand auf der Bühne gegenübersteht, der ungeniert Fragen stellt. Das tut Claire nie penetrant oder gar böswillig, aber beharrlich und mit Berliner Schnauze. Dass sie dabei versagen, sich der Lächerlichkeit preisgeben könnte, kommt «Klärchen» mitnichten in den Sinn, denn sie meint es ja mit allen «nur jut». Und so begibt sich die Protagonistin ungeniert auf einen Selbstfindungstrip – und nimmt das Publikum ganz selbstverständlich gleich mit.

Dem Stück ist unschwer anzumerken, dass ihm Judith Bach vieles aus ihrer eigenen Biografie zugrunde legt, wobei nicht klar wird, was wirklich so passiert ist und was nicht. Die von ihr geschilderten Erlebnisse mit ihrer dementen Grossmutter «Fritz» sind in Sachen Warmherzigkeit eine grosse Nummer, die man, will man sie anderen schildern, zumindest in Teilen wirklich erlebt haben muss, damit sie so authentisch wirken wie bei Claire.

Darüber hinaus ist die Vollblut-Mimin auch einfach dann witzig, wenn sie am Klavier sitzt und zwischen Mozart und Berliner Schlager hin- und herwechselt und stets ihre eigenen Lebensweisheiten – oder eben jene von Oma Fritz – zum Besten gibt. Kurzum: Die «Kleene mit de dicken Beene» muss man einfach einmal live erlebt haben. Denn am Ende des Abends fühlt man sich einfach besser – selbst wenn es einem vorher schon ganz hervorragend ging.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.