Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die Pflöcke sind eingeschlagen: Soviel Raum nimmt der Zuzwiler Dorfbach nach der Sanierung ein

Die Visualisierung steht. Punktgenau sind nun die Ausbaupläne für den Zuzwiler Dorfbach vom Papier aufs Gelände übertragen. Während anderthalb Tagen war dafür ein Team des Planungsbüros Brühwiler AG in Weieren und Zuzwil unterwegs.
Andrea Häusler
Der blaue Punkt (rechts im Vordergrund) markiert die Bachführung nach dem geplanten Ausbau. (Bilder: Andrea Häusler)

Der blaue Punkt (rechts im Vordergrund) markiert die Bachführung nach dem geplanten Ausbau. (Bilder: Andrea Häusler)


Noch kämpft die Morgensonne gegen den Nebel, der hartnäckig im Blattwerk des Uferbewuchses hängt. In der Tiefe gurgelt der Dorfbach. Schwer zu glauben, dass das idyllische Wässerchen innert Stunden zu einem reissenden Fluss anschwellen kann. Doch das Jahr 2015 hat es bewiesen: Zuzwil ist knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt.

Die Gemeinde ist gewarnt, die Bevölkerung gleich gesinnt – zumindest in der Frage nach der Notwendigkeit von Massnahmen. Darüber, wie diese aussehen sollen, herrscht hingegen ein erbitterter (Abstimmungs-)Kampf. Ein Ausbau des Gerinnes über die ganze Bachlänge oder eine teilweise unter­irdische Wasserführung: Am 20. Oktober entscheidet das Volk.

Der Gemeinderat favorisiert den Gerinneausbau gegenüber der Stollenvariante – auch aus Kostengründen. So oder so: Das Wasserbauprojekt weckt Skepsis, schürt Ängste vor negativen Veränderungen. Ob sie berechtigt sind, soll die Visualisierung des neuen Bachverlaufs im Gelände aufzeigen.

Dafür ist Corinne Bosshard, Mitarbeitende des projektverantwortlichen Ingenieurbüros Brühwiler AG, am Mittwoch mit GPS-Gerät, Situationsplan, Hammer und Pflöcken unterwegs. Ihr Weg über zweieinhalb Bachkilometer ist geebnet. «Wir haben bei allen Eigentümern die Bewilligung zum Betreten der Grundstücke eingeholt», sagt sie. Bloss Vereinzelte hätten den Zutritt verweigert. «Einige» von rund 130 direkten Bachanstössern, wie Gemeindepräsident Roland Hardegger später sagt.

Abstrakte Zahlen in Bilder verwandelt

Abstrakte Zahlen in Bilder verwandelt Er weiss um die Risiken der Markierung für das Abstimmungsergebnis, gewichtet den Wert einer transparenten, verständlichen Information der Bevölkerung aber höher. Denn die Eingriffe, die Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser bieten sollen, sind doch erheblich: «Der Bach wird sich verändern», macht Hardegger klar, wobei Gewässer über die Zeit aus so Veränderungen unterworfen seien. Herrscht Niederwasser, wie jetzt, werde der Wasserspiegel nach dem Ausbau – je nach Ort – 20 bis 120 Zentimeter, punktuell maximal 170 Zentimeter tiefer liegen. Und die Bachbreite? «Diese wird ein bis viereinhalb Meter grösser sein.»

Corinne Bosshard misst die Markierungspunkte mit GPS aus.

Corinne Bosshard misst die Markierungspunkte mit GPS aus.

Immer wieder positioniert Corinne Bosshard das GPS-Gerät, gleicht die Daten mit dem analogen Plan ab. Und immer wieder schlägt Lukas Wäspe, der Lernende, die Vermessungspflöcke ein und besprayt sie mit blauer Farbe. Manchenorts stehen sie tatsächlich in unmittelbarer Wassernähe, andernorts hingegen meterweit vom Ufer entfernt. Südlich Weierens, bevor der Dorfbach die Strasse unterquert, markiert Bosshard den Punkt mitten auf einem eingekiesten Vorplatz. Der Holzpflock wird durch einen Vermessungsnagel ersetzt. Blau leuchtet die Kunststoffkappe. Jener Hausteil soll abgebrochen werden, sagt Corinna Bosshard und weist auf einen Gebäudetrakt unmittelbar am Wasser. Gut so, denn bliebe er bestehen, führte der Bach nach dem Ausbau quer durch den Keller.

Privatbesitz bis zur Bachmitte

In den Bäumen sind die Vögel erwacht, Wind weht durch die Sträucher. Stimmte die Bevölkerung einem der beiden Wasserbauprojekte zu, würde gerodet, was heute wuchernd gedeiht: ein Verlust. Roland Hardegger relativiert auf Nachfrage. Bereits heute werde das Gehölz gemäss einem Bewirtschaftungsplan regelmässig zurückgeschnitten. Rodungen seien unvermeidbar, die Auflagen des kantonalen Amtes für Natur, Jagd und Fischerei zur Revitalisierung der Ufer jedoch derart streng, dass gar eine Aufwertung gegenüber dem Ist-Zustand zu erwarten sei.

Langsam verschiebt sich das Markierungsteam über Wiesen und quer durch Gärten in Richtung Norden. Trotz Sommerwetter sind kaum Menschen unterwegs. Ein Mann, der seinen Hund spazieren führt, hält wortlos inne. Velofahrer radeln vorbei. Auch sie schert das Tun am Bachrand nicht. Etwas unterhalb der Tüfenwiesstrasse säumen Einfamilienhäuser das Ufer. Vor fünf Jahren, erinnert sich ein Anwohner, sei das Wasser zwischen den Liegenschaften durch in die Tiefgarage geflossen. Ihm ist klar, dass etwas getan werden muss. Wenngleich er um sein Bachbord bangt. Schliesslich sei es sein Land, die Grenze liege in der Bachmitte, sagt er.

Roland Hardegger bestätigt dies für die Gebiete ausserhalb des Dorfkerns. Gleichzeitig macht er klar, dass die Ufer als «Grünzone Freihaltung» ausgeschieden seien. Diese Rückhalteräume würden von Hausbesitzern zwar genutzt, doch seien sie dafür nicht gedacht. Landerwerbe durch die Gemeinde hingegen seien in Einzelfällen innerhalb des Zentrums nötig.

Mitten auf dem Vorplatz wird hier der Vermessungsnagel gesetzt: Der Bach wird hier - nach einem Liegenschaftsabbruch - anders geführt.

Mitten auf dem Vorplatz wird hier der Vermessungsnagel gesetzt: Der Bach wird hier - nach einem Liegenschaftsabbruch - anders geführt.

«Wir werden nicht fertig», sagt Corinne Bosshard. Nicht nur der Zeit, sondern auch der Akkulaufzeit des GPS- Geräts wegen. Am Donnerstag gehts weiter: gleiche Arbeit, gleiche Erfahrungen. «Wir sind nur wenige Male angesprochen und nie behindert worden», sagt sie rückblickend. «Die Feedbacks waren ausschliesslich positiv.» Hinweis Die öffentlichen Begehungen finden am Samstag, 21. und 28. September statt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.