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Die Pflanzen im Herzen

Blumenwiesen, Rasenflächen, Hecken und Gräber pflegt die Stadtgärtnerei Wil. Mit im Team ist Joanna Zingg, kreative Gärtnerin und Floristin. Sie setzt auf Biodiversität – nicht erst, seit sie zum Trend geworden ist.
Daniela Huijser
Joanna Zingg hat in den 300 Quadratmeter grossen Treibhäusern Tausende junger Pflanzen angezogen, die nun ins Freie gebracht werden oder bereits wurden. (Bilder: Adriana Ortiz Cardozo)

Joanna Zingg hat in den 300 Quadratmeter grossen Treibhäusern Tausende junger Pflanzen angezogen, die nun ins Freie gebracht werden oder bereits wurden. (Bilder: Adriana Ortiz Cardozo)

Endlich ist es so weit. Das Warten auf schönes Wetter und gute Bodenverhältnisse dauerte dieses Jahr besonders lang. Denn nur, wenn alles stimmt, können die Gräber neu bepflanzt werden.
Joanna Zingg hat in den 300 Quadratmeter grossen Treibhäusern Tausende junger Pflanzen angezogen, die in den kommenden Wochen ins Freie gebracht werden.

Die Zierpflanzengärtnerin gehört zum Team der Wiler Stadtgärtnerei und ist mitverantwortlich, dass die rund 900 Gräber auf den Friedhöfen Wil, Rickenbach, Bronschhofen und Dreibrunnen zweimal jährlich neu bepflanzt werden. Und sie ist mitverantwortlich dafür, dass alle benötigten Pflanzen bereits im Winter angesät beziehungsweise gesteckt werden. Insgesamt sind es um die 175 000 Blumen- und Grünpflanzen, die in der Stadtgärtnerei aus Samen, Stecklingen und Jungpflanzen pro Jahr kultiviert werden.

Traumberuf gefunden

Die 26-Jährige mit dem wachen Blick und der blonden Lockenpracht liebt ihren Beruf. «Ich bin gerne draussen und arbeite gerne mit Pflanzen», sagt sie. Als es um die Berufswahl ging, war für die Bauerntochter aus Oberuzwil schon beim ersten Schnuppern klar, dass sie Gärtnerin werden will.

«Zu sehen, wie etwas wächst und gedeiht, ist megaeindrücklich.»

Nach ihrer ersten Lehre arbeitete Joanna Zingg zwar auch auf ihrem Beruf, ging aber während ihrer Tätigkeiten in der grünen Branche öfters alleine oder mit ihrem Freund auf Reisen. Doch dann stieg sie nochmals voll ein und machte eine zweijährige Zusatzlehre zur Floristin.

«Unsere Gräber sind besonders schön», sagt Joanna Zingg.

«Unsere Gräber sind besonders schön», sagt Joanna Zingg.

Strauss für die Bundesrätin

In der Stadt Wil hat die Pflanzenbegeisterte nun Gelegenheit, beide Berufe zu kombinieren. Denn ja, auch die Stadt braucht eine Floristin. «Ich arrangiere Blumensträusse und Gestecke fürs Rathaus, die Tourist Info, die Empfangsbereiche der Schulen, aber auch fürs Trauzimmer.» Dabei habe sie freie Hand in der Gestaltung und könne alles verwenden, was gerade im Glashaus wächst.

Einen Höhepunkt ihrer floralen Kreativität erlebte Joanna Zingg im Herbst vergangenen Jahres: «Ich durfte den Blumenstrauss binden, der Bundesrätin Karin Keller-Sutter beim grossen Empfang in Wil überreicht wurde. Dazu konnte ich selber die Blumen einkaufen und meine Ideen umsetzen. Das war mega läss», schwärmt sie noch heute. Auch im gärtnerischen Bereich ist ihre Kreativität gefragt. Hier produziert sie jene Pflanzen, die ihr Chef Peter Britt nach seinen Plänen bestellt. Dieser ist gemeinsam mit Andreas Meier, Leiter der Stadtgärtnerei, verantwortlich für die Bepflanzung im öffentlichen Raum und der Gräber. «Es steht mir und meinem Team dann aber frei, wie wir die Pflanzen auf der Grabfläche arrangieren. Und wenn ich so mit anderen Friedhöfen vergleiche, dann finde ich, dass unsere Gräber besonders schön sind», sagt Joanna Zingg.

Zu ihrem Team gehören eine Praktikantin und drei Lernende, eine Verantwortung, welche die Zierpflanzengärtnerin besonders schätzt. «Ich gebe mein Wissen gerne weiter.» Offen und kontaktfreudig ist sie auch während der Arbeit, sofern es die Zeit erlaubt. Gerade auf dem Friedhof werde sie immer wieder von Leuten angesprochen, die ein Grab besuchen. «Es sind manchmal schwere Geschichten, die mir erzählt werden. Aber ich habe das Gefühl, dass es den Menschen guttut, wenn sie mit jemandem reden können.»

Grünes Paradies

Wenn ihr Arbeitstag in Wil zu Ende ist, widmet sich Joanna Zingg ihren eigenen Pflanzen: Zu Hause in Oberuzwil pflegt sie einen grossen Gemüsegarten nach der Lehre der Permakultur. Die Anbauweise ist zwar gerade stark im Trend, doch Joanna arbeitet aus Überzeugung so, dass in ihrem Garten ein natürlicher Kreislauf besteht. Dass sie auf Biodiversität achtet, ist für sie selbstverständlich. Gelegentlich lässt sie für die Raupen einen Fenchel aufstängeln und für die Insekten zieht sie Blumen an.

Ihr persönlicher Liebling ist die Akelei, die sich nun im Frühling auch rund um die Räume der Stadtgärtnerei mit ihren schmucken, eleganten Blüten die Blicke auf sich zieht. «Mir gefallen naturnahe Bepflanzungen. Und ich finde es cool, dass nun in vielen Städten Paletten mit Gemüse und Blumen bepflanzt und an den Strassen aufgestellt werden.» Dass immer mehr Menschen auch dank der Biodiversitätskampagne von SRF diese Art der Natur wahrnehmen, findet die naturverbundene Frau toll. «Immer nur Thujahecken und Rasen ist doch langweilig. Blumenwiesen sind megaschön und ganz einfach zu pflegen», sagt sie klar ihre Meinung. Klar ist auch ihre Meinung zur Oberen Bahnhofstrasse in Wil. «Diese Fussgängerstrasse gefällt mir gar nicht, das ist eine Steinwüste.» Umso mehr geniesst es Joanna Zingg, wenn sie auf dem Friedhof in Wil arbeiten kann, denn dort steht gerade die grosse Blumenwiese in voller Blüte. Ein Anblick, bei dem ihr Herz vor Freude höherschlägt.

Die Stadtgärtnerei in Zahlen

In der Stadt Wil werden 42000 m2 Rasenflächen, 62000 m2 Blumenwiesen, 12000 m2 Pflanzflächen und 5000 m2 Grabfelder unter­halten. Zudem pflegt die Stadtgärtnerei 2000 Meter Hecken und 2100 Bäume. (dhu)

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