Die Ortsplanung gibt viel zu reden

Die Busswiler möchten das bauliche Wachstum ihres Dorfes bremsen. In Wiezikon hingegen will eine Gruppe ein solches forcieren. In der Gemeinde Sirnach prallen die Meinungen zur Zonenplanrevision aufeinander.

Silvan Meile
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SIRNACH. Auf der Gemeindeverwaltung in Sirnach scheinen sich die schriftlichen Reaktionen zur Zonenplanrevision zu stapeln. Aus allen Teilen der Gemeinde seien etliche Stellungnahmen im Gemeindehaus eingetroffen, sagt Sirnachs Gemeindeammann Kurt Baumann auf Anfrage. Noch sei man auf der Gemeindekanzlei daran, alle eingetroffenen Schreiben zu erfassen. «Die Bevölkerung setzt sich mit der Ortsplanung auseinander», stellt Gemeindeammann Kurt Baumann fest. Die Eingabefrist ist nun abgelaufen.

Mit Reaktionen habe er gerechnet. Die rege Teilnahme der Einwohner an der öffentlichen Vernehmlassung freue ihn, sagt der Gemeindeammann. Doch das könnte auch den Terminplan der Zonenplanrevision beeinflussen. Eine detaillierte Auswertung der eingegangenen Anmerkungen aus der Bevölkerung sei erst in Monaten zu erwarten, sagt Baumann.

Eine IG will mehr Bauland

Über hundert unterzeichnete Briefe trafen alleine aus Busswil bei der Gemeindeverwaltung ein. Das in den vergangenen Jahren rasant gewachsene Dorf brauche eine Verschnaufpause, sind sich dort grosse Teile der Dorfbevölkerung einig. Die Busswiler wehren sich mit den Protestbriefen gegen erneute Einzonungen von Landwirtschaftsland in dreigeschossiger Wohnzone, wo weitere Wohnblöcke entstehen sollen. Sirnach wachse auf dem Buckel des ländlichen Busswils, lautet der Vorwurf (Wiler Zeitung vom 17. Oktober).

In ein anderes Horn als die Busswiler bläst eine Interessengemeinschaft aus Wiezikon, einem weiteren Dorf innerhalb der politischen Gemeinde Sirnach. Während die Busswiler das Wachstum stoppen möchten, will es auf der anderen Seite der Hochwacht die IG Schule Egg in Wiezikon ankurbeln. «Uns geht es um den Erhalt der Schule im Dorf», sagt Katharina Hensel-Koch, Präsidentin der Interessengemeinschaft. Der Vorstand der IG verfasste deshalb eine Stellungnahme an die Gemeinde und macht darauf aufmerksam, dass auch Wiezikon ein «gesundes Wachstum» brauche, damit der Erhalt der Primarschule Egg längerfristig gewährleistet sei. Denn im Ort mit seinen 500 Einwohnern ist im neuen Zonenplan nur eine für tatsächliches Wachstum unbedeutend kleine Umzonung in neues Bauland vorgesehen. Man brauche aber mehr Bauland für junge Familien mit Kindern, findet die IG.

Derzeit besuchen noch 52 Kinder die Primarschule und den Kindergarten Wiezikon-Egg. Auch hier können die Schülerzahlen langfristig wohl nur mit einem Bevölkerungswachstum gehalten werden. «Mit unserer Stellungnahme wollen wir auf unsere Schule aufmerksam machen», sagt Katharina Hensel-Koch.

Bereits im Jahr 2008 wurde in Egg laut über die Schliessung der Schule nachgedacht. Damals gründete sich die IG Schule Egg und setzt sich seither für den Erhalt des Schulhauses ein. Kinder aus den Dörfern Wiezikon, Horben und Büfelden gehen hier zur Schule. Das Schulhaus wurde kürzlich renoviert.

Viele Abklärungen stehen an

Die Beispiele aus den Dörfern Busswil und Wiezikon zeigen, wie unterschiedlich die Interessen bezüglich Sirnacher Ortsplanung liegen. Der Ball liegt nun nach der öffentlichen Vernehmlassung wieder bei der Gemeinde. «Die Stellungnahmen werten wir nun seriös aus, das braucht Zeit», sagt Baumann. Ausserdem wird auch das Amt für Raumplanung des Kantons den von der Gemeinde eingereichten Zonenplanentwurf prüfen und Anmerkungen anbringen.

Viele substanzielle Gespräche und technische Abklärungen würden noch anstehen, sagt Baumann. Noch sei es derzeit viel zu früh, zu den einzelnen Anmerkungen der Bürger von Seiten der Gemeinde Stellung zu beziehen.

Die vielen eingegangenen Meinungen aus der Bevölkerung zeigen aber schon heute, dass die Sirnacher Zonenplanrevision bei den Einwohnern auf spürbares Interesse stösst.