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«Für Kunden eine Zumutung und für die Fahrer gewerbeschädigend»: Die Neugestaltung des Wiler Bahnhofplatzes ist schlecht fürs Taxi-Geschäft

Wiler Taxifahrer empfinden das Siegerprojekt Amici als gewerbeschädigend. Kürzlich haben sie eine Unterschriftenaktion gestartet, mit der sie Wils Bürger gegen die Pläne der Stadt mobilisieren wollen.
Rosa Schmitz
Pius Schwendimann wurde zum Sprecher der Taxifahrer bestimmt. Der 62-Jährige ist seit 23 Jahren im Geschäft und führt in Wil ein eigenes Taxiunternehmen. (Bild: Rosa Schmitz)

Pius Schwendimann wurde zum Sprecher der Taxifahrer bestimmt. Der 62-Jährige ist seit 23 Jahren im Geschäft und führt in Wil ein eigenes Taxiunternehmen. (Bild: Rosa Schmitz)

Der Konflikt schwelt schon länger. Kürzlich haben Taxifahrer eine Unterschriftenaktion gestartet, mit der sie Wils Bürger gegen die Pläne der Stadt mobilisieren wollen. Die Neugestaltung des Bahnhofplatz Wil ist eines der grössten Bauvorhaben der Stadt in den kommenden Jahren. Im April 2018 wurde das Siegerprojekt Amici vorgestellt. Dieses befindet sich derzeit in der Vorprojektphase. Der wichtige Dreh- und Angelpunkt für Pendler soll nicht nur attraktiver gestaltet werden, auch die Abläufe des öffentlichen Verkehrs sollen verbessert werden. Doch die Taxifahrer argumentieren, das neue Konzept mit neuem Standort für die Fahrer sei schlecht für ihr Geschäft und bereite Taxi-Kunden unzumutbare Mühen.

Laut Masterplan werden die Taxistände um einige hundert Meter entfernt von den Personenunterführungen verlegt. Für Kunden, klagen die Fahrer, seien Wagen schwer zu finden. Ausserdem würden die Wege zu den Ständen extrem lang.

Verschiebung weiter Richtung Westen

«Es ist etwas vom Schlimmsten, wenn man ein Taxi suchen muss», sagt Pius Schwendimann. «Vor allem, wenn man Gepäck zu schleppen hat oder körperlich beeinträchtigt ist.» Den 62-Jährigen haben die Taxifahrer zu ihrem Sprecher bestimmt, um einheitlich aufzutreten. «Sie stehen hinter mir und vertrauen darauf, dass ich ihre Interessen vertrete», sagt Schwendimann. Er ist seit 23 Jahren im Geschäft und führt in Wil ein eigenes Taxiunternehmen. Für seine Berufsgattung sei es wichtig, dass unmittelbar an den Personenaufgängen beim Bahnhof Taxistände verfügbar seien. Doch genau diese sollen mit dem Siegerprojekt der Bahnhofsneugestaltung weiter Richtung Westen verschoben werden, bis auf Höhe der Verlängerung Winkelriedstrasse. Für Kunden sei das eine Zumutung und für die Taxifahrer gewerbeschädigend, findet Schwendimann.

Der Taxistand, argumentieren er und seine Kollegen, dürfe nicht von den Aufgängen verschwinden. «Wenn keine telefonischen Aufträge mehr eingehen, kommen die Taxifahrer an den Bahnhof, um Laufkundschaft zu transportieren», sagt Schwendimann. Das sei ein wichtiger Geschäftsanteil, denn er generiere neue Stammkundschaft. Hierfür sei es aber wichtig, dass potenzielle Kunden nicht weit laufen müssten.

Die Situation für die Taxis verschlechtert sich

Um auf politischer Ebene etwas zu bewegen, spannte er mit Erika Häusermann zusammen. Die Grünliberale Stadtparlamentarierin – die seit einiger Zeit eine Kundin von Schwendimanns Taxis ist – will dem Gewerbe Rückendeckung geben. Sie hat im Juli eine Anfrage an den Stadtrat mit dem Titel «Die Neugestaltung des Bahnhofplatzes ohne Rücksicht auf Taxis und ihre Passagiere» eingereicht. In dieser kritisierte sie die Verschlechterung der Situation für die Taxis. Diese sei «offensichtlich und nicht akzeptabel».

Fünf Fragen hat die Politikerin in ihrem Vorstoss gestellt. Bereits bei der ersten geht sie auf ein zentrales Problem ein:

«Bereits heute halten Züge – von bis zu 400 Metern Länge – am Bahnhof Wil. Wenn die Taxistände nach Westen verschoben werden, müssen Zugreisende, die Richtung St.Gallen in den vorderen Wagen sitzen, mehrere hundert Meter zu Fuss zurücklegen, bis sie die Taxistände am westlichen Ende des Bahnhofs erreichen. Ist der Stadtrat bereit, zusammen mit dem Projektteam eine Lösung für dieses Problem zu finden?»

Der Wiler Stadtrat zeigt sich allerdings unbeeindruckt. Er meint, bei einem grossen und wichtigen Knoten wie Wil sei es nicht zu vermeiden, dass teilweise längere Wege in Kauf genommen werden müssen. «Das gilt genauso für Fussgänger, Velofahrer, Bus- und Bahnreisende als auch für Taxikunden», führt der Stadtrat in seinem Schreiben weiter aus. Ausserdem: Erfahrene ÖV- und Taxinutzer würden wissen, wo sie in den Zug einsteigen müssen, um möglichst kurze Umsteigewege zu gehen. Es sei vorgesehen, zu gegebener Zeit den Taxifahrern die geplanten Massnahmen vorzustellen.

Immerhin verspricht der Stadtrat: «Bei der Standortevaluation werden die Taxistandplätze genauso miteinbezogen wie die anderen Verkehrsträger.» So sollen die Taxis auch für unerfahrene Reisende gut aufzufinden sein. «Momentan ist das Vorprojekt für die Umgestaltung des Bahnhofplatzes und der Allee noch in der Bearbeitung. Doch bereits zum heutigen Zeitpunkt kann darauf hingewiesen werden, dass die Taxistandplätze an prominenter Lage platziert werden.» Ein neu gestalteter Aufgang der Personenunterführung West mit grosszügigem Dach und guter Beleuchtung werde sogar dafür sorgen, dass für die wartende Taxi-Kundschaft auch die soziale Sicherheit gewährleistet werden kann.

Stadtrat redet von «einer prominenten Lage»

Schwendimann findet diese Antworten unzureichend, sie gehe an dem monierten Problem vorbei. Er kontert: «Auf dem Masterplan, der öffentlich ist, ist ersichtlich, dass die geplanten Taxistandplätze ganz westlich platziert und damit sehr abgelegen sein werden.» Auf den aktuellen Plänen würden sich diese hinter den Parkplätzen befinden. «Fakt ist: Wer im vordersten Wagen aussteigt, muss eine riesige Strecke zurücklegen», sagt Schwendimann. Der Stadtrat könne daher nicht von «einer prominenten Lage» reden.

Der Bauplan, meint er, müsse noch einmal gründlich überdacht werden. «Ich möchte zunächst zwei Taxihalteplätze bei der Personenunterführung Ost einleiten lassen», sagt Schwendimann. Das sei etwas, das sofort implementiert werden und über eine Testperiode laufen könnte. «Um unsere Kunden richtig zu bedienen, müssen wir wissen, wofür Bedarf besteht.» Je nach Ergebnis, könne man dann die nächsten Schritte entscheiden.

«Ich finde das bisherige Vorgehen schon fast unverschämt», sagt Pius Schwendimann. So wie bisher geplant, könnten Kunden nicht gut bedient werden und Taxifahrern werde das Geschäft eingeschränkt.

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