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Die neue Landeshymne gefällt nicht allen

Die auf der Einladung zur Wiler Bundesfeier abgedruckte «Schweizerstrophe» wirft bei SVP-Stadtparlamentarierin Ursula Egli Fragen auf. Vom Stadtrat will sie nun wissen, warum dieser Text dem Schweizerpsalm vorgezogen wurde.
Claudio Weder
An der Wiler Bundesfeier setzte man auf eine Mischung aus Tradition und Moderne – ebenso bei der Gestaltung der Einladung. (Bild: Jörg Roth)

An der Wiler Bundesfeier setzte man auf eine Mischung aus Tradition und Moderne – ebenso bei der Gestaltung der Einladung. (Bild: Jörg Roth)

Irgendetwas geht immer schief am Nationalfeiertag. Wenn nicht gerade der Gasgrill im Garten den Geist aufgibt oder der Korken in der Champagnerflasche stecken bleibt, so ist es bestimmt die Schweizerfahne am Säntis, die dem Unwetter zum wiederholten Mal nicht standhalten kann. Für Ärger sorgte am diesjährigen Bundesfeiertag aber noch etwas anderes: die offizielle Einladung zur Wiler Bundesfeier.

Alle Verehrer und Verfechter der Schweizer Nationalhymne staunten wohl nicht schlecht, als sie anstelle des Schweizerpsalms eine neue, fremd anmutende Hymnenstrophe auf der Einladung zu lesen bekamen: «Weisses Kreuz auf rotem Grund, unser Zeichen für den Bund», lautet die erste Zeile. Es handelt sich dabei um die «Schweizerstrophe», einen von Werner Widmer verfassten Kurztext, der im Jahr 2015 im Rahmen eines Wettbewerbs vom privaten Verein Schweizerische gemeinnützige Gesellschaft (SGG) inoffiziell zur neuen Landeshymne «gekürt» wurde. Der neue Hymnentext basiert auf dem Einleitungstext der Bundesverfassung und enthält Werte wie Frieden, Freiheit, Unabhängigkeit und Schutz der Schwachen.

Die alte Hymne hat noch nicht ausgedient

Nicht bei allen stösst der neue Text auf Anklang. Für SVP-Stadtparlamentarierin Ursula Egli ist es ein No-Go, dass der Wiler Stadtrat die Variante der SGG dem Schweizerpsalm vorzieht, und reichte deshalb eine entsprechende Anfrage beim Stadtrat ein. «Es ist nicht das erste Mal, dass die Schweizerstrophe anstelle der offiziellen Hymne auf der Einladung abgedruckt wurde. Das geht einfach zu weit», sagt Egli. Sie versteht nicht, warum der Liedertext der SGG auf der Einladung zur Wiler 1.-August-Feier einen derart prominenten Platz einnimmt, obwohl er im Gegensatz zum Schweizerpsalm keinerlei breit abgestützte Legitimität habe. Es sei seitens eines privaten Vereins wie der SGG eine Anmassung, über den Inhalt der Landeshymne verfügen zu wollen, sagt Ursula Egli. Das sei Aufgabe des Parlaments oder des Bundesrates.

Eine Landeshymne müsse von der Bevölkerung geschätzt und angenommen werden, damit sie die Funktion einer Hymne erfüllen kann. Bei dem SGG-Text sei das fragwürdig, zumal das Lied vergangenes Jahr auf Einladung der SGG nur gerade von 20 Gemeinden gesungen wurde. Zudem brauche es laut Ursula Egli gar keine neue Hymne, die alte hätte noch lange nicht ausgedient. «Jedes Mal, wenn ich die Schweizer Nationalhymne höre, ‹tschuddert› es mich.» Morgenrot, Strahlenmeer, Alpenfirn – die zu Beginn des Schweizerpsalms aufgerufenen Landschaftsbilder würden Assoziationen an den geografischen Ursprung der Schweiz wecken. Als Ganzes betrachtet würde die Hymne aber auch das zeigen, was die Schweizer Bevölkerung ausmacht: ihren Zusammenhalt.

Die Strophe der SGG wird Egli hingegen keine Gänsehaut bescheren. Die «neue» Landeshymne bestehe nur aus Allgemeinplätzen und gleiche mehr einem politischen Parteiprogramm denn einer richtigen Hymne. Zudem handle es sich nur um eine Strophe, es sei ein Fragment, nichts Fertiges also.

Ob die Schweizerstrophe das Zeug zur offiziellen Landeshymne hat, wird sich zeigen. Aber vorerst geht es um die Frage der «stadträtlichen Zwängerei» , wie Egli ihre Anfrage betitelt: Wie steht der Stadtrat zur aktuellen Hymne? Ist er nicht auch der Meinung, dass der Schweizerpsalm eine würdige Landeshymne ist?

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