Die Natur mitregieren lassen

Wil Wie viel Grün verträgt eine Stadt wie Wil? Mit dieser Frage befasste sich am Freitagabend der Event «Stadtoasen», der im Rahmen des europäischen Tags des Denkmals stattfand.

Christof Lampart
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Ein solcher Tag solle «nicht nur ans Vergangene erinnern, sondern auch für die Zukunft anregen», sagte Stadtpräsidentin Susanne Hartmann vor rund 60 Personen im Gewölbekeller des Hofs zu Wil. Geschehe dies mit einem Verständnis für das Vorhandene und das historisch Gewachsene, so könnten «Veränderungen in Gang gesetzt werden», die der Gesellschaft etwas nutzten.

Gewollte Unordnung

Der kantonale Denkmalpfleger, Michael Niedermann, freute sich, dass Wil sich mit dem Thema «Stadtoase» auseinandersetzte. Schliesslich sei es ja nicht selbstverständlich, dass in einer historischen Altstadt, die im Normalfall als schön renoviertes, touristisches Ausrufezeichen diene, ein gewisses Mass an grüner Unordnung zugelassen werde. Dabei sei es höchst interessant und spannend, herauszufinden, wo «der öffentliche Aussenraum aufhört und der private Raum anfängt».

Diese Bemerkung diente dem Landschaftsarchitekten Martin Klauser als Steilvorlage. Man tue als Stadtbehörde gut daran, nicht einfach alles durchgestalten zu wollen, sondern einfach auch mal «etwas passieren zu lassen». Das fange bei einer banalen Frage wie «Muss man das wachsende Grün zwischen den Pflästerungssteinen radikal entfernen oder nicht?» an und lasse sich auf verschiedenste Bereiche übertragen. Klauser merkte an, dass es in der Wiler Altstadt viele Orte gebe, die besonders attraktiv seien, weil die Liegenschaftsbesitzer den Dingen Raum gäben. Kleinigkeiten wie Klettergewächse an Häusern, Lavendel in Mauerspalten oder ein schon halb auf die Strasse gesetzter Blumentrog (womit der private quasi in den öffentlichen Bereich hineinreiche und umgekehrt) schüfen Kontraste, die (zu) homogene Szenerien belebten.

Bewusst Kontraste setzen

Das gelte aber auch fürs Gegenteil: dem «Grau im Grünen». Eine rote Sitzbank am Stadtweier belebe die Szenerie genauso wie die Wasserfontäne oder die Holzplattform am gleichen Gewässer, die sich ans Gestade anschmiege. Oft komme es gut, wenn man «ohne Gestalter und Planer» einfach die Natur machen lasse – diese jedoch stets im Auge behalte. «Dann besetzen meist kleine Pflanzen, fast wie «Minimal Art», die Lücken und bereichern die Umgebung aufs Schönste», so Klauser. Und sollte die Natur doch stärker in die Bausubstanz eingreifen als gewünscht, so könne man immer noch «flicken», ohne durch den vorherigen Versuch viel verloren zu haben.