«Die Musik bedeutet mir alles»

Am St. Galler Fest rockte er die Bühnen, an den Wiler Kulthurnetz-Tagen will er vor heimischem Publikum Vollgas geben: Dario Tinner ist Songwriter, Produzent und Sänger. Seit gut drei Jahren arbeitet der 17-Jährige an sich und seiner Musik.

Andrea Häusler
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Strömender Regen vor der St. Galler Festbühne am vergangenen Samstag: Dario Tinner liess sich die Freude am Auftritt nicht verderben. (Bild: Dennis R. Häusler)

Strömender Regen vor der St. Galler Festbühne am vergangenen Samstag: Dario Tinner liess sich die Freude am Auftritt nicht verderben. (Bild: Dennis R. Häusler)

ZÜBERWANGEN. Typähnlichkeit und Justin-Bieber-Locke machen ihn zum probaten Girlie-Idol, seine Stimme und sein Repertoire zu einem Nachwuchskünstler, der es durchaus ganz nach oben schaffen könnte. Dahin möchte er auch, Dario Tinner, der 17jährige Hochbauzeichnerlehrling aus Züberwangen. Davon träumt er und daran arbeitet er: täglich, konzentriert und fokussiert. Wissend, dass Ausstrahlung, Stimme und Technik gute Voraussetzungen, jedoch kein Garant für den durchschlagenden Erfolg sind, und nüchtern genug, um einen Plan B im Kopf zu haben.

Schlagzeug reicht nicht aus

«Musik», sagt er, «bedeutet mir alles.» Schon als Kleinkind habe er seinen Vater – selbst ehemaliger Militärmusikant – beim Spielen auf der Bongo-Trommel mit einem offenbar aussergewöhnlichen Taktgefühl verblüfft. Als Dreijähriger erhielt Klein-Dario ein Kinderschlagzeug, als Erstklässler das erste «richtige» Schlagzeug und einen Unterrichtsplatz an der Musikschule Wil-Land. Heute spielt er danebst Klavier und Gitarre. Nicht zufällig. «Als Oberstufen-Abschlussprojekt plante ich die Produktion eines Songs, stellte dann aber fest, dass hierfür ein Schlagzeug nicht ausreicht», erinnert er sich. Diese Schulproduktion war gleichsam die Initialzündung für seine musikalische Entwicklung. Sukzessive baute er sein Tonstudio im Untergeschoss des Elternhauses aus, schrieb Texte, komponierte Melodien, mischte die Songs. «Ich verbringe täglich mehrere Stunden im Studio, an Wochenenden können es auch sieben oder acht sein», sagt Dario Tinner und ergänzt: «Nebst meiner Berufsausbildung gibt es einige Kollegen, hin und wieder einen Ausgeh-Abend und die Musik.»

Auftritte in St. Gallen und Zürich

Einem besonderen Stil fühlte er sich nie verpflichtet. In seinem Repertoire, das inzwischen um die 80 fertige und halbfertige Songs umfasst, finden sich Balladen, aber auch Hip-Hop-, R'n'B-, Pop- oder gar Rap-Titel. «All meine Songs erzählen Geschichten, die auf eigenen Erlebnissen basieren, sind Spiegel meiner Erfahrungen, zuweilen auch meiner Gefühle», sagt Dario Tinner.

Am vergangenen Wochenende rockte der Züberwanger Newcomer am St. Galler Fest zweimal die Marktplatz-Bühne und trat einmal am Gallusplatz auf. Es war nicht das erste Mal, dass er dieses Jahr live vor Publikum sang. Im Februar stand er mit Marc Sway gar neben einem ganz Grossen der Szene im Rampenlicht: an der «Open Mic Show» im Zürcher Plaza, einer Plattform für talentierten Künstler. Und auch im St. Galler Club «Kugl» ist er kein Unbekannter. Nervosität auf der Bühne kennt Dario Tinner nicht: «Das ist wie bei Prüfungen: Wenn man gelernt hat, gibt es keinen Grund, nervös zu sein.» Stehe er vor Publikum, sei er einfach nur glücklich, freue sich singen zu dürfen. Sein nächster Auftritt steht übrigens am 5. September an den Kulthurnetz-Tagen in der Wiler Lokremise an.

Tonmeister-Studium

«Mein Ziel ist es, einst von der Musik leben zu können», sagt Dario Tinner, «als Sänger, Produzent oder als Tonmeister.» Dario hat Träume, ohne ein Träumer zu sein, ist Visionär und Realist zugleich. «Ich brauche mindestens ein Berufsziel, das zu erreichen nicht von Glück und Fügung abhängig ist.» Deshalb will er im Sommer, nach Abschluss der Hochbauzeichnerlehre, die Aufnahmeprüfung an der Zürcher Hochschule der Künste absolvieren. Gerade einmal fünf Studienplätze für Tonmeister stehen pro Jahr zur Verfügung. Ein Fakt, der Dario weniger schreckt, denn anspornt.

Seine Songs produziert der 17-Jährige in seinem Homestudio im Kellergeschoss des Elternhauses in Züberwangen. (Bild: Andrea Häusler)

Seine Songs produziert der 17-Jährige in seinem Homestudio im Kellergeschoss des Elternhauses in Züberwangen. (Bild: Andrea Häusler)

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