Die Moschee nimmt Gestalt an

WIL. Fast vier Jahre lang dauerte der juristische Spiessrutenlauf um den Bau des Islamischen Begegnungszentrums im Wiler Südquartier. Seit dem Spatenstich Ende Juni ist dieses in Entstehung. Ein Besuch auf der Baustelle.

Ursula Ammann
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Zulbear Zejneli, Baupolier bei der Mahler AG, und Imam Bekim Alimi vor der Baustelle. (Bild: Ursula Ammann)

Zulbear Zejneli, Baupolier bei der Mahler AG, und Imam Bekim Alimi vor der Baustelle. (Bild: Ursula Ammann)

Während draussen auf der Baustelle gerade ein Armierungseisen nach dem anderen gelegt wird, findet im Baucontainer nebenan eine Sitzung statt. Mit dabei sind der Ingenieur und der Architekt. Auf dem Tisch liegen die Pläne des neuen Islamischen Begegnungszentrums. Als sakraler Bau birgt dieses viele Besonderheiten. Die Akustik muss stimmen, es sollten keine Säulen im Raum stehen, die das Gebet stören könnten, und auch die orientalischen Bogenformen sind etwas Spezielles und deshalb öfters Gegenstand des Gesprächs. Nicht alltäglich ist das Projekt auch für Zulbear Zejneli. Der Baupolier der Firma Mahler AG, Niederuzwil, ist gleichzeitig Mitglied der Islamischen Gemeinschaft, die den Moscheebau initiiert hat. «Für mich ist diese Baustelle mit vielen Emotionen verbunden», sagt er.

Freiwillige helfen mit

Zulbear Zejneli ist jeden Tag vor Ort und koordiniert die Abläufe. Jeden zweiten Tag schaut Imam und Projektleiter Bekim Alimi vorbei. «Wir haben es hier mit einer internationalen und interkonfessionellen Baustelle zu tun», erklärt er. «Es haben schon viele Leute mit unterschiedlichen Nationalitäten und Glaubensrichtungen freiwillig mitgeholfen.» Zum Beispiel ein katholischer Albaner. «Ab und zu bringen Mitglieder der Islamischen Gemeinschaft auch Essen und Trinken vorbei», erzählt Zulbear Zejneli.

Als die Islamische Gemeinschaft vor vier Jahren das Baugesuch für das Islamische Begegnungszentrum einreichte, stiess sie damit nicht auf viel Gegenliebe. 300 Einsprachen gingen dagegen ein. Die Stadt wies alle ab. Der Fall wurde anschliessend bis vors Verwaltungsgericht weitergezogen.

Die Gegner des Bauprojekts argumentierten unter anderem, durch den Bau drohe dem Quartier eine höhere Verkehrsbelastung. Das Verwaltungsgericht stützte jedoch den Entscheid der Vorinstanzen und die Rekurrenten verzichteten auf einen Weiterzug ans Bundesgericht. Die Baubewilligung konnte erteilt werden.

Bis jetzt planmässig verlaufen

Zum Spatenstich Ende Juni waren nebst Vertreterinnen und Vertretern der Wiler Politik und der Kirchen auch die Bevölkerung – insbesondere die Nachbarn – eingeladen. Vier Monate sind seither vergangen.

Von negativen Begegnungen in dieser Zeit können weder Zejneli noch Alimi berichten. Im Gegenteil: Einmal sei er sogar von einer Nachbarin zum Kaffee eingeladen worden und habe ihre Fragen zum Islam beantwortet, berichtet Bekim Alimi.

Derzeit ist vom Bau vor allem die Tiefgarage sichtbar. In fünf bis sechs Monaten wird der Rohbau stehen, wenn das Wetter mitmacht. Bis anhin sei alles planmässig verlaufen, sagt Baupolier Zulbear Zejneli. «Und glücklicherweise unfallfrei.»