Die Moschee ist schon «adoptiert»

Die Moslems bilden in Wil die drittgrösste Glaubensgemeinschaft. Eine kleine Gruppe überzeugter Christen, die dem Netzwerk «Christen begegnen Muslimen» angehört, möchte den Dialog suchen. Um Bekehrung gehe es auf keinen Fall.

Ursula Ammann
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Das europaweit tätige Netzwerk «Christen begegnen Muslimen» (CM) sucht den Austausch mit der moslemischen Bevölkerung. In Wil entstehen diese Kontakte häufig durch den Deutschunterricht, welche die CM-Ortsgruppe Migrantinnen und Migranten anbietet. (Symbolbild: ap/Thomas Kienzle)

Das europaweit tätige Netzwerk «Christen begegnen Muslimen» (CM) sucht den Austausch mit der moslemischen Bevölkerung. In Wil entstehen diese Kontakte häufig durch den Deutschunterricht, welche die CM-Ortsgruppe Migrantinnen und Migranten anbietet. (Symbolbild: ap/Thomas Kienzle)

WIL. Seit rund zwei Jahren ist das Netzwerk «Christen begegnen Muslimen» (CM) in Wil vertreten. Die Ortsgruppe besteht aus vier bis sieben Personen, es sind überzeugte Christen aus evangelischen Landes- und Freikirchen. «Unser Ziel ist die Friedensförderung und der Dialog zwischen Christen und Moslems», sagt Stefan Wunderli, Theologe und Leiter von CM Wil. Dies geschehe, in dem man gemeinsam für Menschen bete und sich interkulturell engagiere. So bietet die Gruppe praktische Hilfe wie beispielsweise Deutschunterricht für Migrantinnen und Migranten an. «Auf diese Weise entstehen automatisch Kontakte und Beziehungen mit Andersgläubigen», so Wunderli. Selbstverständlich sei man offen für alle Glaubensrichtungen. Der Fokus liege aber auf den Moslems, weil dieser Dialog wohl am schwierigsten sei. «Viele sind bezüglich dem christlichen Glauben nicht oder falsch informiert oder haben gegenüber uns Christen einfach grosse Vorurteile, denken zum Beispiel, dass alle moralisch sehr freizügig sind», erklärt er. «Wir wollen ihnen ein anderes Bild zeigen, indem wir unseren Glauben leben und davon erzählen.» Die Idee sei aber auch, von den Moslems etwas über den Islam zu erfahren. «Uns interessieren vor allem die Gemeinsamkeiten«, so Wunderli.

Adoption gleich enger Kontakt

Um den Austausch zu suchen, besuchen die Mitglieder der Ortsgruppe auch regelmässig Moscheen. «Die meisten Leute haben jeweils Freude, wenn wir kommen», erzählt Stefan Wunderli. Das Netzwerk «Christen begegnen Muslimen» hat sogar eine Aktion ins Leben gerufen unter dem Titel «Adopt a mosque». Auch eine Moschee in Wil ist bereits «adoptiert». «Adoptieren» heisse in diesem Fall «religiöse Grenzen überwinden und den engen Kontakt zu den Menschen suchen», erklärt Stefan Wunderli.

Kurse und Events

Imam Bekim Alimi kennt die Gruppe nicht. «Ich habe bisher leider noch nie etwas davon gehört», sagt er auf Anfrage der Wiler Zeitung.

Bisher habe sich das Engagement der Wiler CM-Gruppe vor allem auf natürliche Begegnungen beschränkt, sagt Stefan Wunderli. «Wir können uns auch vorstellen, in Wil den Dialog mit geistlichen Führern zu pflegen», fügt er an.

Das Netzwerk «Christen begegnen Muslimen» veranstaltet auch immer wieder Events und Kurse. Ein Beispiel ist «Sharing Lives», wo es darum geht, «Angst vor dem Islam und Berührungsängste und Vorurteile gegenüber Moslems» abzubauen. CM beteiligt sich auch an der Aktion «Salamu Aleikum in Interlaken», deren Ziel es ist, moslemischen Touristen aus den Golfstaaten das Evangelium zu erklären (Ostschweiz am Sonntag vom 26. Juli).

Dialog braucht diverse Träger

Doch was genau bedeutet Dialog? Im Kanton St. Gallen findet jedes zweite Jahr die Interreligiöse Dialog- und Aktionswoche IDA statt. Auch Moslems und Christen aus Wil haben sich schon gemeinsam daran beteiligt. Etwa mit dem Respect Camp im Herbst 2013. Für Projekte unter dem Label IDA und IDA-Veranstaltungen müsse aber eine gemischte Trägerschaft gegeben sein, am besten bestehend aus Personen mit unterschiedlichem religiösem Hintergrund, sagt Ann-Katrin Gässlein, externe Projektleitung der IDA 2015. «Nur so ist der interreligiöse Dialog wirklich gegeben, sind der gemeinsame Austausch und die Begegnung sichergestellt.» Interreligiöser Dialog basiere auf gegenseitigem Kennenlernen, Zuhören und Toleranz. «Es geht um die gemeinsame Mitwirkung an einer friedlichen Gesellschaft; Missionierung kann dabei viel Vertrauen zerstören.» Das Netzwerk «Christen begegnen Muslimen» kennt Ann-Katrin Gässlein jedoch nicht.

Glauben nicht aufdrücken

«Unser Ziel ist sicher nicht, dass Moslems konvertieren», betont Stefan Wunderli.

«Wir sind alles mündige Menschen und niemand soll dem anderen seine Religion aufdrücken.» Der gegenseitige Respekt sei sehr wichtig.