Die montägliche Therapiestunde

Am Montag startet die Konzertreihe Monday Night Music in ihre fünfte Saison. Der organisierende Verein Night Music feiert im nächsten März seinen 5. Geburtstag. Die Wiler Zeitung blickt zurück.

Mario Fuchs
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Alexia Gardner und das Offbeat Trio, Gewinner des Swiss Jazz Award 2011 (im Bild 2008, Nef's Rössli), werden 2012 wieder in Flawil gastieren. (Archivbild: Bernard Marks)

Alexia Gardner und das Offbeat Trio, Gewinner des Swiss Jazz Award 2011 (im Bild 2008, Nef's Rössli), werden 2012 wieder in Flawil gastieren. (Archivbild: Bernard Marks)

FLAWIL. Es ist der 5. März 2007. Gegen acht Uhr füllt sich die Lounge in «Nefs Rössli». Wenig später füllen sich die Unterschriftenbögen. Unterschriften, welche eine neue Institution in Flawils Kulturszene gebären: den Verein Night Music.

Ideell und praktisch

Zweck Nummer eins ist ideeller Natur. Die Gründer stehen ein für «die Pflege der Musik aus verschiedenen Kulturen, insbesondere im Bereich des Jazz und artverwandter Musik». Sie wollen talentierte junge Musikerinnen und Musiker fördern, indem der Verein «eine Plattform bietet für öffentliche Konzertveranstaltungen». Zweck Nummer zwei ist ganz praktischer Natur. Urs C. Eigenmann, selbst Jazzmusiker und treibende Kraft bei der Gründung, schämt sich, den auftretenden Künstlern keine Gage zahlen zu können. Mit Vereinsmitgliedern, Jahresbeiträgen und der Kollekte, die gesammelt werden kann, soll sich dies ändern.

«Den Leuten die Angst nehmen»

Die Plattform, eine Konzertreihe, wird in Anlehnung an den Vereinsnamen und an den Wochentag der Durchführung auf «Monday Night Music» getauft. Eine erste Heimat finden die Organisatoren in der Lounge des «Nefs Rössli». Doch benötigen die Flawilerinnen und Flawiler einige Zeit, um dem Montag in ihren Köpfen und Agenden als salonfähigen Tag für einen abendlichen Konzertbesuch aufzunehmen. Intime Konzerte mit einer Zuhörerschaft, die an einer Hand abgezählt werden kann, sind keine Seltenheit. Nicht unschuldig an der Skepsis der Dorfbevölkerung: Das Wort «Jazz». Pop, Blues oder Rock ziehen, der Jazz aber hat ein Problem. Der Verein weiss das und ist bestrebt, «den Leuten die Angst vor dem Begriff Jazz zu nehmen». Er tut dies mit musikalischer Offenheit, mit Künstlern auch aus anderen Genres.

Das Erfolgsrezept spricht sich schnell herum. Die montägliche Therapiestunde zur Heilung der Jazzphobie wird für viele, auch von ausserhalb der Gemeindegrenzen, zum gesellschaftlichen Anlass, wo man sich trifft, anstösst, eben am Montag statt am Wochenende. Wahre Glücksmomente sind die Folge. Wer kommt, erlebt unvergessliche Konzerte aufstrebender Talente.

Letztes Puzzleteil gefunden

Das macht Mut – Mut für einen wichtigen Entscheid. 2009 zügelt Monday Night Music nach zwei Saisons vom «Rössli» in den neu umgebauten Keller des Restaurants Park. Wo zuvor noch Frauen um eine Stange tanzten, tanzten fortan Musikfreunde um eine Band. Die Wirtefamilie Ismaili fügt sich ein wie ein letztes Puzzleteil, das lange unauffindbar war, plötzlich auftaucht und für eine neue Art der Harmonie sorgt. Ein Glücksfall, ein Gespann mit Zukunft. Eine Gastfreundlichkeit, die bei Musikern und Gästen auf viel Gegenliebe und Lob stösst.

Schottisches Geschenk

Abseits des Montags, einmal 2008 und zuletzt im September dieses Jahres, organisiert der Verein zweimal ein nationales Festival, das Jazzin. Eigenmann, seit diesem Sommer pensioniert, aber keineswegs im Ruhestand, kämpft weiter für seinen Jazz, für und mit dem Verein. Am nächsten Montag nun startet die fünfte Saison der «Monday Night Music» (20 Uhr, Altstadt Ramblers). Das eigentliche Geburtstagsgeschenk kommt aus Schottland. Jim Hunter und Graham Flett werden am 5. März 2012, auf den Tag genau fünf Jahre nach der Vereinsgründung, im Kulturkeller auftreten. Weitere Höhepunkte versprechen Michael Neff und Peter Waters (12.12.), Changes mit Malcolm Green und Eigenmann (26.12.). 2012 werden etwa Christina Jaccard (30.1.), Baye Magatte (afrikanisch, 12.3.) oder die Nopkings mit der Wienerin Natascha Flamisch (30.4.) gastieren. Mit Alexia Gardner samt dem Offbeat Trio (19.3.) wird auch die Preisträgerin des Swiss Jazz Award 2011 die Flawiler beehren.

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