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Die monetäre Revolution steht bevor

Kryptowährungen gehört die Zukunft, da ist sich die Finanzwelt einig. Für Laien ist die Digitalisierung von Zahlungsmitteln aber noch zu abstrakt. Ein Unternehmen mit Standort in Wil will eine Annäherung zu den neusten Technologien auf dem Finanzmarkt schaffen.
Nicola Ryser
Ist wirklich alles Gold, was glänzt? Der Bitcoin ist die wohl bekannteste Kryptowährung, doch der Kurs schwankt stark. (Bild: Jens Kalaene/Keystone)

Ist wirklich alles Gold, was glänzt? Der Bitcoin ist die wohl bekannteste Kryptowährung, doch der Kurs schwankt stark. (Bild: Jens Kalaene/Keystone)

Seit vergangenem Jahr macht eine digitale Währung regelmässig Schlagzeilen auf den Wirtschaftsseiten der Zeitungen: der Bitcoin. Plötzlich wollte jeder die Kryptowährung, die seit 2009 existiert und jahrelang kaum beachtet wurde, kaufen, damit handeln, digital das grosse Geld verdienen. Durch die Begeisterung stieg der Kurs zwischenzeitlich auf 19000 Franken pro Coin an. Dieses Hoch ist nun wieder abgeflacht, in den letzten Tagen sank der Kurs rapide und liegt aktuell bei rund 4000 Franken.

Dennoch hat der Wirbel um die Bitcoins gezeigt, dass Kryptowährungen sukzessive auf mehr Aufmerksamkeit in der Gesellschaft stossen und sich die Menschen damit befassen wollen. Das haben auch einige Interessierte aus der Finanz- und Versicherungsbranche realisiert und sich in den vergangenen Jahren mit den digitalen Währungen auseinandergesetzt. Einer von ihnen, Herolind Krrakaj, gründete daraus das Unternehmen Life Quality Management AG (LQM). Remo Zingg, aktuell Head of Sales bei LQM, erläutert: «Ziel unseres CEO ist es, dass wir für jedermann einen einfachen und unkomplizierten Zugang zu den digitalen Währungen schaffen können.» Hierbei bietet das
Unternehmen den Kunden das Produkt «Interstellar» an.

Kunde hat nichts mit den komplexen Aufgaben zu tun

Der Clou des Produkts sei es, dass sich Interessenten in das Geschäft mit Kryptowährungen einbringen können, ohne sich um das Sachliche zu kümmern, das einiges an Fachwissen erfordert. «95 Prozent der Interessenten wollen mitmachen, aber mit den diversen Aufgaben nichts zu tun haben. Denn nur schon die Herstellung von Coins ist technisch äusserst komplex», erklärt Zingg. Darum funktioniere «Interstellar» auch sehr gut.

Das Produkt sei keineswegs kompliziert aufgebaut: Ab 10 000 Franken verkauft das Unternehmen seiner Kundschaft Mining Hardware, welche Kryptowährungen herstellt. Die LQM AG betreibt die IT-Hardware ausschliesslich an Standorten in der Schweiz, dort werden sie von Technikern unterhalten. Über komplexe Algorithmen werden Kryptowährungen wie Bitcoins, Ethereum oder Litecoins hergestellt. Das Unternehmen kauft den Kunden die Coins ab, indem es ihnen monatlich einen fixen Betrag überweist. «Nach einem Jahr hat der Kunde erstmals das Recht, der LQM die Hardware zu mindestens 80 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises zurück zu verkaufen.»

Eine gewisse Skepsis ist zu spüren

«Unsere Kundschaft hat somit nichts mit den Währungen zu tun und partizipiert trotzdem an der Technologie», sagt Zingg. Der monatliche Pauschalbetrag, welcher bei Vertragsbeginn fixiert wird, hänge einerseits von der Höhe der Kaufsumme der Hardware, anderseits vom Kurs der betroffenen Kryptowährungen ab. Das Risiko sei für den Kunden eigentlich gering, fügt Zingg an: «Ein tiefer Kurs ist nur für uns nicht profitabel. Im schlimmsten Fall verbleibt die gekaufte Hardware so oder so im Eigentum unserer Kunden.»

«Wir wissen nicht mal, welche Währung den Platz der Weltwährung einnehmen könnte. Aktuell gibt es einfach sehr viele, und es fehlt noch an Regulierung und Akzeptanz.»

Remo Zingg, Head of Sales LQM

Remo Zingg, Head of Sales LQM

Nichtsdestotrotz spürt Zingg bei den Kunden eine gewisse Skepsis, wenn nicht gleich eine Verunsicherung gegenüber dem Geschäft mit den digitalen Zahlungsmitteln. Die Gründe sind schnell gefunden: «Aktuell ist es ein offener Markt, es gibt viele Freiheiten und den Leuten ist das nicht geheuer.» Generell seien die Kunden jedoch zufrieden, nachdem sie in den ersten Monaten erkannt haben, dass das Produkt funktioniere. Wertvoll seien zudem die Standorte Wil und Weinfelden. «Unsere Kunden haben so Anlaufstellen und eine Ansprechperson in ihrer Region.»

Die passende Analogie zum Internet

Die Verunsicherung spürt auch das Unternehmen selbst, vieles ist beim Thema Kryptowährungen noch vage. «Wir wissen nicht mal, welche Währung den Platz der Weltwährung einnehmen könnte. Aktuell gibt es einfach sehr viele, und es fehlt noch an Regulierung und Akzeptanz.» Zingg ist jedoch überzeugt, dass digitale Zahlungsmittel und die Blockchain, sprich die Datenbank, auf welcher die Transaktionen beispielsweise mit Coins stattfinden, die Zukunft sind.

Vor allem in der Blockchain, die sich noch selbst reguliert (siehe letzter Abschnitt), erkennt Zingg Potenzial. «Kryptowährungen nutzen die Blockchain für Transaktionen, die über den Zahlungsverkehr hinausgehen. Die Wirtschaft und Industrie arbeiten bereits an diversen Lösungen. Beispielsweise könnten in Zukunft Energieversorgungen von ganzen Städten über die Blockchain genutzt werden. Hat ein Haushalt kein Öl, wird automatisch eine Ölbestellung gemacht», erklärt Zingg. Für die Zukunft sei dabei von enormer Wichtigkeit, wie sich Staaten und Banken gegenüber dem Thema positionieren. Essenziell sei auch, dass sich die Leute mit den digitalen Zahlungsmitteln befassten.

Remo Zingg zeigt eine passende Analogie auf: «Als 1995 das Internet aufkam, konnte man nur chatten und surfen. Jetzt, 23 Jahre später, ist das Internet integriert in unserem Alltag, wir wickeln Zahlungen darin ab oder kaufen ein.» Diese Revolution werde auch mit der Blockchain und den Kryptowährungen kommen. «Nur stehen wir hier noch ganz am Anfang.»

Die Welt von Blockchain und Kryptowährungen

Sie sind nicht fassbar und doch real. Über 2000 gelistete Kryptowährungen gibt es zurzeit im Internet. Dabei handelt es sich nicht um physisches Geld, sondern kryptografisch verschlüsselte Währungen, bei welchem der Nutzen weit über den Zahlungsverkehr hinausgeht. Abgehandelt werden die Transaktionen mit den Kryptowährungen über die Blockchain, eine digitale Datenbank, welche alle Netzwerkteilnehmer aktuell halten. Im Gegensatz zur Bank ist die Blockchain dezentral und verlangt keine bis wenig Gebühren für Transaktionen.

Ein Beispiel: Paul will eine Transaktion an Heidi senden. Diese Transaktion wird geprüft und verschlüsselt an alle Netzwerkteilnehmer weitergeleitet. Als validierte Zahlung wird diese nun gemeinsam mit den anderen Zahlungen in einen Block ein- und an die Blockchain angefügt, Heidi bekommt die Transaktion. In der Blockchain sind also die gesamten Transaktionen, welche jemals getätigt wurden, unwiderruflich gespeichert. Somit ist die Fälschungs- und Manipulationssicherheit gewährleistet, die Blockchain reguliert sich selbst.

Neben Zahlungen können auch «Smart Contracts», also intelligente Verträge, abgewickelt werden. Mit diesen lässt sich beispielsweise ein Häuserkauf in der Blockchain speichern. Dank der Selbstkontrolle braucht es für die Eigentumsübertragung keinen Notar mehr, welcher die Bücher zu seinen Gunsten fälschen könnte. Während das in der Schweiz eher undenkbar ist, stellt diese Lösung für Bewohner anderer Länder, in welchen Landenteignungen häufig geschehen, ein Lichtblick dar.
Coins sind ein Teil der Blockchain und hinterlegen einen gewissen Wert. Der Bitcoin ist die älteste und bekannteste unter ihnen. Bei diesem werden die Transaktionen über das «Mining» bestätigt, was einen riesigen Rechenaufwand benötigt, da es hochkomplexe Rechnungen zu lösen gilt. (nir)

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