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Die Mikro-Biermanufaktur 518

Wegen einer Achillessehnenverletzung ans Spitalbett gebunden, reifte in Christian Schneider eine verrückte Idee heran: Selber Bier brauen, das wär's.
Fränzi Göggel
Christian Schneider und seine Partnerin Sylvia Kahdemann mit selbst gebrautem Bier in fröhlicher Runde. (Bild: Fränzi Göggel)

Christian Schneider und seine Partnerin Sylvia Kahdemann mit selbst gebrautem Bier in fröhlicher Runde. (Bild: Fränzi Göggel)

Im elterlichen Restaurant aufgewachsen, bekam Christian Schneider schon als Bub einen kleinen Bierhumpen mit Deckel geschenkt. Da konnte er am Stammtisch mit denen, die vor sich einen grossen Humpen mit Deckel stehen hatten, endlich mithalten.

Am 26. Dezember vor vier Jahren, nach der Genesung von einer Achillessehnenverletzung, braute der einstige Hobby-Marathonläufer Christian Schneider mit Freunden die ersten 50 Liter Bier in seinem Wintergarten. Bis auf das geschrotete Malz, welches er zugekauft hatte, war alles Handarbeit. «Wir rührten das jungfräuliche Bier stundenlang von Hand. Eine Militärkochkiste, in der ein Sieb am Boden montiert war, diente als Läuterbottich. Mittels Thermometer kontrollierten wir die Temperatur, schöpften die Bierwürze nach dem Hopfenkochen in kleine Chromstahlfässer und liessen den Trunk gären, bis dieser im Februar trinkreif war. Das «cheibe Bier isch huere guet gsi», schwärmt der Brauer vom ersten Versuch. Der Verein Bierbrauer Kirchberg war geboren.

Rund 1500 Liter Bier pro Jahr

Mittlerweile hat der Hobbybrauer mehrere Sorten Hopfen und Malz an Lager. Er braut rund 1500 Liter Bier im Jahr; immer noch in Handarbeit. Ab mehr als 400 Liter im Jahr, oder wenn das Bier die Brauerei verlässt, muss der Brauer eine Brauereinummer lösen. «Wir haben die 518. Das heisst, dass in der Schweiz fast so viele Brauereien wie Nummern existieren. Wird eine Brauerei aufgelöst, wird die Nummer nicht mehr vergeben. Die Biersteuer wird anhand der Stammwürze, also dem Zuckeranteil eingezogen. Diese wird unterteilt in Leicht-, Voll- und Starkbier. Wir brauen Vollbier und zahlen 26 Franken pro 100 Liter Bier an den Staat. 400 Liter sind für den Privatgebrauch und daher von der Steuer befreit», plaudert Christian Schneider von seinen Pflichten.

Das Tüüfelsbräu ist (k)ein Fasnachtsbier

An der Fasnacht kam das Bier zu seinem Namen. Dieser wurde vom Verein Bierbrauer Kirchberg einstimmig angenommen. Anlässlich einer Familienparty entstand die Idee, das Bier auch für Gäste zu zapfen. Die Vereinsmitglieder richteten einen Raum mit separatem Eingang, gleich hinter dem eigentlichen Braubereich in der ehemaligen Küchenfabrik Mondo in Kirchberg ein. Dort ist jeden Freitagabend ab 17 Uhr Rampenverkauf mit Tüüfelsbräu vom Fass. «Gerne lasse ich Bierkenner an meinem Hobby teilhaben», umschreibt Christian Schneider seine Lieblingsarbeit. Während der Umbauphase musste er sein «Tüüfelsbräu» auswärts geben zum Brauen. «Die Nachfrage hätte sonst nicht gedeckt werden können», lacht er fröhlich.

Er hat sich alles selber beigebracht

Missgeschicke passierten wenig. Zum Karrierebeginn vergor ein Sud aus unbekannten Gründen nicht richtig und mundete süsslich. Da hätten ihn weibliche Gäste gefragt, ob er dieses Bier nicht gleich in Flaschen abfüllen und die Rezeptur in sein Bierrepertoire aufnehmen könne. «Leider ging das nicht, es gab ja gar kein Rezept für dieses Fehlgebräu. Und einmal kamen beim Belüften der Bierwürze fremde Bakterien über die Luft dazu. Dieser Sud schmeckte wie Essig, den musste ich ausleeren. Das waren 15 Stunden Arbeit für nix», erzählt er. Sein Handwerk lernte er von seinem Freund, Bierbrauer Sascha Guntli in Vilters. «Zusätzlich machte ich mich im Internet schlau, las Brauliteratur und fachsimpelte mit Zubehör-Lieferanten», beschreibt er seinen Werdegang. Der Einfachheit halber baute ein Vereinsmitglied ein Rührwerk, angetrieben von einem Mercedes-Scheibenwischermotor. Um keine Idee verlegen verrät Schneider, dass er im nächsten Jahr Brau- und Wurstkurse anlässlich von «Kirchberg bewegt» anbieten will.

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