Die Macht der Musik

Mit Georg Friedrich Händels «Alexanderfest» boten Chor und Orchester von Cantores Corde unter der Leitung von Karl Paller in der Kreuzkirche in Wil ein bemerkenswertes Konzerterlebnis.

Carola Nadler
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Emotionen wie Freude, Trauer und Liebe setzten Chor und Orchester direkt um. (Bild: Carola Nadler)

Emotionen wie Freude, Trauer und Liebe setzten Chor und Orchester direkt um. (Bild: Carola Nadler)

Man scheint als Veranstalter in der Versuchung, sich für den schwülstigen, kaum noch zeitgemässen Text des «Alexanderfestes» zu entschuldigen, der daherkommt wie ein üppiges Barockgemälde in seinem überladenen Goldrahmen: «Bacchus, ewig schön und jung, lehret uns den Reihentrunk» oder «Den stillen Trupp entzückt das hohe Lied». Wie ganz anders kommen da die schlichten Zeilen des «Messias-Oratoriums» daher. Der dieser Ode zugrunde liegende Text mit dem Titel «Alexander's Feast or the Power of Music» über die Heldentaten Alexanders des Grossen erfreute sich zu Händels Zeiten grösster Beliebtheit und war eine Huldigung an die heilige Cäcilia, die Schutzpatronin der Musik.

Karl Paller hat in seiner Interpretation mit seinem Cantores- Corde-Ensemble den Spagat geschafft und genau das nach Wil gebracht, was Händels Ode ist: Ein üppiges, kraftvolles Klangbild voller Heldengeschichten, Tod und Liebe. Eine ganzheitliche Würdigung – als würde man an einem nebligen Sonntag in ein Museum gehen und barocke «Historienschinken» auf sich wirken lassen, sie geniessen. Genussvoll war das Konzert am Samstagabend in der Kreuzkirche über die Massen.

Krieg, Liebe und Verlust

Mit selbstbewusster Direktheit und einer transparenten Eleganz setzten Orchester, Chor und Solisten die Musiksprache Händels in einer homogenen Meisterleistung um. Emotionen wie Freude, Trauer und Liebe, damals wie heute aktuell, wurden direkt umgesetzt, mit einem bemerkenswerten Mut, zu diesen Emotionen zu stehen, ohne ins Kitschige abzugleiten. Der vollkommen organische Gesamteindruck ist sicher auch der Probenwoche zuzurechnen, die das Cantores- Corde-Ensemble jährlich im Herbst im Südtirol verbringt – ein konzentriertes Erarbeiten fernab der wöchentlichen Abendproben im Alltagstrott.

Die Solisten Stefanie Steger, Sopran, Jakob Pilgram, Tenor, und Peter Brechtbühler, Bass, ergänzten Chor und Orchester mit ihren kraftvollen und direkten Stimmen, die von Krieg, Liebe und Verlust sangen. Die Macht der Musik – das auszudrücken, wofür der moderne Mensch seine Sprache zu verlieren scheint? Gut, gibt es die Musik und solche ehrlichen, direkten Interpretationen.