Die lokale Hanf-Branche trotzt der Krise

Der Boom um das CBD-Hanf sei verflogen, glauben Branchenkenner. Hersteller aus der Region sagen, dass sie von der Krise wenig spüren.

Lara Wüest
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Je länger eine Hanfpflanze wachsen kann, desto mehr CBD und weniger THC enthält sie bei der Ernte. (Bild: Andrea Stalder)

Je länger eine Hanfpflanze wachsen kann, desto mehr CBD und weniger THC enthält sie bei der Ernte. (Bild: Andrea Stalder)

Als das Bundesamt für Gesundheit (BAG) den Verkauf von Hanf mit einem tiefen THC-Gehalt, im Volksmund CBD-Hanf, vor gut drei Jahren legalisierte, witterten viele das grosse Geschäft. Zahlreiche Indoor-Hanfanlagen, Hanf-Gewächshäuser und Outdoorplantagen schossen wie Pilze aus dem Boden. Immer mehr Hersteller drängten auf den Markt. Gemäss der eidgenössischen Zollverwaltung stieg deren Anzahl im Jahr 2017 von 5 auf 490.

Doch Anfang Jahr folgte die Ernüchterung, die Anzahl Hersteller begann wieder zu sinken. Das Angebot von CBD-Hanf wurde zu gross, die Produzenten fanden nicht mehr genügend Abnehmer. Als Folge sanken die Preise massiv. Marco Kuhn vom Schweizer Cannabis-Verband IG-Hanf sagt:

«2017 lag der Marktpreis für ein Kilo legalen Indoor-Hanfs bei 6000 bis 7000 Franken. Heute liegt er ungefähr bei 1500 Franken.»

Viele Hanf-Hersteller bringt das in Bedrängnis.

Bruno Rutishauser  CEO Galenus AG

Bruno Rutishauser
CEO Galenus AG

In der Region zeigt sich allerdings ein anderes Bild, die hiesigen CBD-Hanf-Produzenten spüren von dieser «Katerstimmung» wenig, wie sie sagen. «Auch wir merken, dass die Konkurrenz grösser geworden ist. In dieser Branche muss man aber Rückschläge verkraften können, da vieles neu am Entstehen ist», sagt etwa Bruno Rutishauser. «Doch für uns ist der medizinische Cannabis ein wichtiges Standbein, das wir weiterentwickeln wollen.» Rutishauser ist Geschäftsführer der Galenus AG, einem Tochterunternehmen des Blumenproduzenten Rutishauer AG in Züberwangen. Seit 2017 baut die Firma legalen Hanf an.

Zahlreiche CBD-Produkte auf Markt erhältlich

CBD ist einer von zahlreichen Wirkstoffen, der im Hanf vorkommt. Auf dem Markt sind verschiedene Produkte mit diesem Wirkstoff erhältlich. Darunter: Arzneimittel, Kosmetika, Nahrungsergänzungsmittel und Tabakersatzprodukte.

Was ist CBD?

CBD ist eines von rund 120 Cannabinoiden, das im Hanf vorkommt. Ihm wird eine beruhigende Wirkung zugeschrieben, weshalb es oft als Arzneimittel beworben wird. Wissenschaftliche Belege für die gesundheitsfördernde Wirkung fehlen bisher aber. Im Gegensatz zum THC hat CBD keine bewusstseinsverändernde Wirkung und fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Seit 2016 dürfen in der Schweiz CBD-Produkte verkauft werden. Da es für den CBD-Gehalt aber keinen gesetzlich festgelegten Grenzwert gibt, ist der THC-Gehalt im Hanf ausschlaggebend. Dieser muss unter 1 Prozent liegen. (law)

Die Galenus AG selbst konzentriert sich allerdings auf die «Rohstoffproduktion», wie Bruno Rutishauser sagt. Sie pflanzt also den Hanf an.

Im Gegensatz zu vielen anderen Hanf-Anbauern verkauft die Firma ihren Rohstoff vor allem an Abnehmer in der Medizin- und Kosmetikbranche und nicht in der Tabakbranche. Und deshalb, vermutet Rutishauser, sei die Firma vom Konkurrenzkampf in der Branche weniger betroffen.

«Wir sind in einer Nische tätig. Unsere Abnehmer verlangen spezifische Inhaltsstoffe bei den Pflanzen.»

Einer von Rutishausers Abnehmern ist die Firma Medropharm AG aus dem Kanton Thurgau, die selber CBD-Hanf anbaut und zudem CBD-Extrakte für den Arzneimittel- und Nahrungsmittelmarkt verkauft. Auch dort spürt man, «dass sich der Markt derzeit reguliert», wie Unternehmenspartner Peter Külling sagt. Doch auch er betont:

«Der CBD-Markt für Arzneimittel oder auch Nahrungsergänzungsmittel hat nach wie vor viel Potenzial.»

Tabakersatzprodukte sind härter Umkämpft

Medropharm ist jedoch auch im Bereich der Tabakersatzprodukte tätig. Und dort sieht die Situation anders aus: «In dieser Sparte ist der Preis für den CBD-Hanf massiv gesunken. Heute ist es schwierig, damit noch ein Geschäft zu machen, auch wir kämpfen um unsere Margen», sagt Külling. Er ist sich sicher: «Hier werden nur die Grossen überleben.»

Doch nicht allen kleinen Hanf-Anbauern scheint es schlecht zu gehen. Einer, der seinen CBD-Hanf ausschliesslich im Tabakersatzbereich verkauft, ist Benjamin Böni. Er betreibt die Gärtnerei Böni in Obermörenau-Hasenloh. Erst vor acht Monaten ist er mit seinem Einmannbetrieb in das Geschäft mit dem legalen Hanf eingestiegen. Von der harten Konkurrenz spüre er nichts, wie er sagt. «Ich verkaufe meinen Hanf immer noch für 6000 Franken pro Kilo», sagt er. Was macht er also besser als anderen?

«Grossverteiler wie Coop und Denner drücken bei den Tabakersatzprodukten auf die Preise. Ich habe mich aber auf die regionalen Läden fokussiert.»