Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Glosse

Die Lemminge im Wiler Parlament

1,2 oder 3: Nicht nur eine Kindersendung, sondern auch im Wiler Stadtparlament beliebt
Gianni Amstutz
Die Wiler Parlamentarier stimmen elektronisch ab. (Bild: Nicolas Ryser )

Die Wiler Parlamentarier stimmen elektronisch ab. (Bild: Nicolas Ryser )

«So stimmen Sie richtig.» Mit diesen Worten helfen Parteien ihren Wählern dabei, den Stimmzettel richtig auszufüllen. Denn nicht immer ist das ganz einfach. Je nach Formulierung der Initiative oder des Referendums wissen manche Wähler nicht, ob sie «Ja» oder «Nein» stimmen müssen, um ihren Willen richtig zum Ausdruck zu bringen. Parteien sind ihren Stammwählern in dieser Hinsicht aber glücklicherweise gerne behilflich.

Gianni Amstutz

Gianni Amstutz

Dass das mit dem Abstimmen gar nicht so einfach ist, zeigt sich nicht nur beim einfachen Bürger, sondern auch im Wiler Stadtparlament des Öfteren. Dort stimmen die Politiker elektronisch ab. Drücken sie auf ihrem Gerät die 1, heisst das üblicherweise «Ja», die 2 steht für «Nein», die 3 schliesslich bedeutet «Enthaltung der Stimme». Das Prozedere ist offensichtlich simpel. Trotzdem überfordert es manche Parlamentarier.

Das liegt aber kaum daran, dass die Geräte schwierig zu bedienen wären oder unklar ist, welche Antwort welche Konsequenzen hätte. Letzteres kündigt Parlamentspräsident Marc Flückiger vor jeder Abstimmung an. Nein, manche Parlamentsmitglieder wissen schlicht nicht, was ihre Partei bei einer Abstimmung stimmt – und wollen trotzdem dem Parteikonsens treu bleiben. Bei bekannten Abstimmungen, die bereits im Vorfeld feststehen, lässt sich das an der Fraktionssitzung absprechen. Nicht so bei Anträgen, die erst an der Parlamentssitzung vorgetragen werden.

Rüffel statt Preise

Bei diesen müssen die Parlamentarier innert kürzester Zeit entscheiden, wie sie stimmen. Kommt es im Stadtparlament jeweils zu diesem Szenario, sieht man förmlich, wie sich bei einigen Parlamentariern Schweissperlen auf der Stirn bilden. Stirnrunzelnd blicken sie auf ihr Gerät und stellen sich die Frage, die früher in einer Kindersendung Programm war: «1, 2 oder 3?» Doch anstatt Preise zu gewinnen, erspielen sich die Politiker höchstens einen Rüffel des Fraktionspräsidenten, wenn sie von der Parteilinie abweichen. Doch so weit kommt es in der Regel nicht. Denn die gewieften Parlamentarier wissen sich zu helfen.

Dabei verlassen sie sich auf die «Lemming-Methode». Hilfe suchend schauen sie sich nach den Wortführern ihrer Partei um. Diese raunen ihnen dann jeweils die «richtige» Nummer auf dem Abstimmungsgerät zu. Dementsprechend wird dann auch abgestimmt.

Dass sowohl die Bürger als auch die Milizpolitiker des Wiler Stadtparlaments teilweise überfordert sind, selbstständig Entscheidungen zu treffen, zeigt, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht.

Den Fraktionskollegen nachhüpfen

Die Lösung – zumindest für die Parlamentarier – liefert wieder die Sendung «1, 2 oder 3». In dieser müssen die Kinder ihre Antworten jeweils geben, indem sie zuerst zwischen den Feldern hin- und herhüpfen, bevor sie auf dem ihren Gutdünken nach richtigen Antwortfeld zu stehen kommen. Sich dabei gegenseitig abzuschauen, ist dabei nicht unüblich.

Das Prozedere böte aber nicht nur den Parlamentariern den Vorteil, dass sie ihren Fraktionskollegen nachhüpfen könnten. Auch Unterhaltung wäre garantiert. Der Stadtrat könnte analog zum Publikum in der Kindersendung während der Abstimmungen jeweils seine gewünschte Antwort rufen. Ein herrliches Spektakel.

Die in der Sendung übliche Auflösung «Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht» müsste man hingegen wohl weglassen. Schliesslich liegt die Mehrheit nicht immer richtig.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.