Die Kunsthalle ist auch ein Labor

Am 7. Februar startet die Kunsthalle Wil mit «Modern Ruins» ins Jahr 2015. Im Programm werden insbesondere Künstler aus der Region und der Schweiz berücksichtigt. Es kommen aber auch immer wieder Anfragen aus dem Ausland.

Ursula Ammann
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Gabrielle Obrist, Leiterin und Co-Kuratorin, inmitten von Plastikbechern. Diese baut der Künstler Philippe Winninger für seine Ausstellung «Modern Ruins» zu architektonischen Kunstwerken auf. (Bild: Ursula Ammann)

Gabrielle Obrist, Leiterin und Co-Kuratorin, inmitten von Plastikbechern. Diese baut der Künstler Philippe Winninger für seine Ausstellung «Modern Ruins» zu architektonischen Kunstwerken auf. (Bild: Ursula Ammann)

WIL. Hunderte von 1-dl-Plastikbechern verteilen sich ringförmig aufeinander getürmt über den Boden der Kunsthalle. Noch ist die Installation von Philippe Winninger nicht ganz vollendet. Bis zum 7. Februar – dann findet die Vernissage statt – wird sie aber stehen. Der Künstler aus Zürich bildet mit «Modern Ruins» den Anfang des Jahresprogramms der Kunsthalle Wil. Bis im Dezember folgen vier weitere Ausstellungen (siehe Infobox).

Risiken eingehen

«Wir erwarten von den Künstlerinnen und Künstlern, dass sie auf den Raum reagieren und diesen in ihre Ausstellung mit einbeziehen», sagt Gabrielle Obrist, Leiterin und Co-Kuratorin der Kunsthalle Wil. Zusammen mit Co-Kuratorin Claudia Reeb betreut sie die Installationen. Grundsätzlich lasse man den Ausstellern aber viele Freiheiten. «Die Kunsthalle Wil soll eine Art Laboratorium sein, worin die Künstlerinnen und Künstler auch einmal ein Risiko eingehen können und damit persönlich einen Schritt weiterkommen», erklärt Gabrielle Obrist.

Region berücksichtigen

Bei der Zusammenstellung des Jahresprogramms sei es jeweils das Ziel, einen spannenden Mix zu erhalten, so Gabrielle Obrist. Das beschränkt sich nicht nur auf die Ausstellungsmaterialien, sondern auch auf die Kunstschaffenden selbst. «Wir achten darauf, dass verschiedene Generationen sowie Männer und Frauen gleichermassen vertreten sind», erklärte die Leiterin der Kunsthalle. Berücksichtigt werden insbesondere regionale Künstlerinnen und Künstler – sprich aus der Region Wil oder der Ostschweiz. Die Kunsthalle Wil geniesst aber eine internationale Ausstrahlung. «Wir haben auch Anfragen von Kunstschaffenden aus Österreich, Frankreich oder Deutschland», sagt Gabrielle Obrist. Auch künftig sollen internationale Aussteller einen Platz im Programm erhalten. Der Kunsthalle Wil ist es jedoch nicht möglich, den Kunstschaffenden eine Gage zu bezahlen. Sie erhalten jeweils eine Aufwandentschädigung. Gerade Aussteller aus dem Ausland müssen abwägen, ob für sie der Gang nach Wil finanzierbar ist.

Neugier und Entdeckungslust

Neben Besucherinnen und Besuchern aus Zürich, Winterthur und St. Gallen darf die Kunsthalle Wil auch auf eine Gruppe von Wiler Kunstliebhabern zählen, welche die Ausstellungen sowie die Künstlergespräche regelmässig besucht.

Gabrielle Obrist ist es wichtig, zu betonen, dass die Kunsthalle kein geschlossener elitärer Kreis ist. «Die Ausstellungsbesuche sind gratis, und wir sind offen für jeden», sagt sie. In den Köpfen vieler Leute gelte die zeitgenössische Kunst als etwas Kompliziertes. «Uns kommt es nicht darauf an, dass jemand die Installationen sogenannt <versteht>.» Vielmehr solle das Publikum seine Neugier und Entdeckungslust einbringen und eigene Sichtweisen anwenden dürfen, so Gabrielle Obrist. «Eine einzig richtige Interpretation gibt es ohnehin nicht.»