«Die Kuh – ein Klimakiller?»  Mit diesem Thema beschäftigte sich eine Zuzwiler Maturandin 

Die Nutztierhaltung hat den grössten Einfluss auf den Klimawandel. Dies ist laut der Maturaarbeit von Simone Zweipfenning kaum bekannt. Bereits ein teilweiser Verzicht auf Fleisch könne viel bewirken.

Dinah Hauser
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Simone Zweipfenning ist erstaunt, wie wenig die Nutztierhaltung thematisiert wird. (Bild: Dinah Hauser)

Simone Zweipfenning ist erstaunt, wie wenig die Nutztierhaltung thematisiert wird. (Bild: Dinah Hauser)

Die Nutztierhaltung hat einen massiv grösseren Einfluss auf den Klimawandel als alle anderen Emissionsquellen von Treibhausgasen wie etwa das Transportwesen. Diesem Thema ging die 18-jährige Simone Zweipfenning in ihrer Maturaarbeit «Die Kuh – ein Klima Killer?!» für die Kantonsschule Wil nach. Demnach besagt eine Studie des Worldwatch Institute (WI), dass die Nutztierhaltung für 51 Prozent aller klimaschädlichen Gase verantwortlich ist – einschliesslich Faktoren wie Futteranbau oder Waldrodungen für Weideflächen.

Die Zuzwilerin hat im Zuge ihrer Maturaarbeit Personen zu deren Wissensstand bezüglich des Klimawandels befragt. Dabei mussten vier Emissionssektoren von Treibhausgasen nach deren Einfluss auf den Klimawandel angeordnet werden. Landwirtschaft mit Schwerpunkt auf der Nutztierhaltung, Stromerzeugung, Industrielle Produktion und Transportwesen: In dieser Reihenfolge wären die Sektoren vom grössten zum geringsten Einfluss anzuordnen. Die Mehrheit der rund 80 Befragten ging aber davon aus, dass das Transportwesen den grössten Einfluss hat. Stromerzeugung wurde von ihnen mehrheitlich auf den letzten Platz gesetzt.

Auch Kenner liegen falsch

«Mich hat es sehr erstaunt, dass vielen Leuten nicht bewusst ist, wie sehr die Nutztierhaltung zum Klimawandel beiträgt», sagt Zweipfenning. Dies unabhängig vom Bildungsniveau, Alter und eigener Einschätzung.

«Selbst Personen, die angegeben haben, sich gut mit dem Klimawandel auszukennen, haben die Reihenfolge vertauscht.»

Simone Zweipfenning bezeichnet sich selbst nicht als Klimaaktivistin; sie nahm aber einmal an einem Klimastreik teil. «Sich für das Klima einzusetzen, finde ich eine gute Sache.» Auch ihr war der grosse Einfluss der Nutztierhaltung auf das Klima zuerst nicht bewusst. Sie sei dann auf den Dokumentarfilm «Cowspiracy: Das Geheimnis der Nachhaltigkeit» gestossen, welcher sich mit genau dieser Thematik auseinandersetzt. Der Filmtitel ist hierbei eine Wortkreuzung aus den englischen Wörtern cow (Kuh) und conspi­racy (Verschwörung). «Als es Zeit wurde, ein Thema für die Maturaarbeit auszuwählen, kam mir der Film in den Sinn», sagt die Zuzwilerin. Als naturwissenschaftlich interessierte Schülerin nahm sie sich dem Thema an.

Kleine Änderung grosser Effekt

Neben Futterzusätzen, welche die Bildung von Methangas um bis zu 30 Prozent reduzieren sollen, schlägt Zweipfenning auch einen anderen Lösungsweg vor: den (teilweisen) Verzicht auf Fleisch. Ein Schweizer konsumiert täglich durchschnittlich 135 Gramm davon. Begnügt man sich mit weniger als 50 Gram, so fällt die eigene CO2-Bilanz in diesem Bereich deutlich tiefer aus, wie die Maturandin recherchiert hat.

Zweipfenning selbst sei auch nicht perfekt, darum möchte sie nicht mit dem Finger auf andere zeigen. «Aber durch meine Arbeit weiss ich nun, dass man mit wenig Aufwand bereits viel erreichen kann.» Seit sie mit ihren Eltern die Auswirkungen der Nutztierhaltung auf das Klima bespricht, «essen sie auch viel bewusster Fleisch». So lande beispielsweise in einem Curry nicht automatisch Poulet.