Die Kontroverse nach dem Fest

RICKENBACH/GLOTEN. In Rickenbach gibt es dieses Jahr auch nach Weihnachten einen Sonntagsverkauf. Dass am 27. Dezember im Einkaufszentrum Breite die Türen öffnen, sorgt bei den Konsumenten für Freude, bei der Gewerkschaft Unia aber für rote Köpfe. Aldi Gloten bleibt an jenem Tag geschlossen.

Simon Dudle
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Im Gegensatz zur Stadt Wil wird man hier im Rickenbacher Einkaufszentrum Breite auch am 27. Dezember und 2. Januar einkaufen können. (Bild: Hans Suter)

Im Gegensatz zur Stadt Wil wird man hier im Rickenbacher Einkaufszentrum Breite auch am 27. Dezember und 2. Januar einkaufen können. (Bild: Hans Suter)

Die Weihnachtstage fallen heuer so, dass die meisten Läden drei Tage in Serie geschlossen sind. Am 25. und 26. Dezember ist dies gesetzlich verordnet, der 27. Dezember ein Sonntag. In der Region werden aber nicht alle Geschäfte am letzten Sonntag 2015 geschlossen sein. Eine Ausnahme bildet das Einkaufszentrum Breite in Rickenbach, wo die Läden zum nachweihnachtlichen Geldausgeben laden.

Umdenken gefordert

Während der Kanton St. Gallen dafür eine Bewilligung verweigert hat, sind im Kanton Thurgau die Gemeinden zuständig. Von Gesetzes wegen dürfen die Geschäfte vier Sonntagsverkäufe pro Jahr durchführen. Im Falle von Coop Rickenbach waren und sind diese im 2015 der 2. Januar, der 13. Dezember, der 20. Dezember – und eben der 27. Dezember. Nicht nur das: Am Samstag, 2. Januar 2016, werden im Einkaufszentrum Breite ebenfalls die Türen aufgesperrt. Heisst konkret: Rickenbach hat über die Feiertage zwei Einkaufstage mehr als etwa die Stadt Wil. «Die Erfahrungen zeigen, dass ein grosses Bedürfnis für ausgesuchte Sonntagsverkäufe besteht. Das gilt in diesem Jahr auch für den 27. Dezember. Nach zwei Festtagen sind die Kunden dankbar, neue Einkäufe tätigen zu können. Das gilt insbesondere für Frischprodukte», sagt Coop-Sprecher Markus Brunner.

Eine andere Sicht der Dinge hat die Gewerkschaft Unia. Sie kritisiert den Sonntagsverkauf am 27. Dezember scharf. «Die Angestellten im Verkauf sind in der Vorweihnachtszeit bereits doppelt gefordert. Es geht nicht an, dass ihnen auch noch der 27. Dezember genommen wird», ist in einer Stellungnahme zu lesen. Schuld daran seien die Grossverteiler Migros und Coop, die Interessen der Umsatzsteigerung über die Gesundheit der Mitarbeitenden stellten. Die Gewerkschaft fordert die Leitungen der Grossverteiler zu einem Umdenken auf.

Coop hält dagegen. «Selbstverständlich halten wir uns bei den Arbeits- und Ruhezeiten an die gesetzlichen Bestimmungen sowie an den Coop-Gesamtarbeitsvertrag. Viele Mitarbeitende schätzen es zudem enorm, nicht zuletzt wegen der Sonntagszuschläge, Arbeitseinsätze an Sonntagen zu leisten», sagt Sprecher Brunner.

Manor mit Schichtmodell

Bei Manor, der am 27. Dezember in Rickenbach ebenfalls öffnet, tönt es ähnlich. Manor-Sprecherin Elle Steinbrecher sagt: «Es kommt eine Art Schichtmodell zum Einsatz, bei dem die Ruhezeiten und freien Tage berücksichtigt werden. Es gibt durchaus Mitarbeitende, die diese Einsätze gerne übernehmen, weil sie an einem anderen Tag freinehmen können und die Stunden mit einem 50-Prozent-Zuschlag vergütet werden.» Auch Manor Rickenbach hat, wie Coop, am 2. Januar geöffnet und am 3. Januar geschlossen.

Aldi verzichtet

Anders ist die Situation bei Aldi. Das Unternehmen reichte für die Filiale in Gloten kein Gesuch für den Sonntagsverkauf am 27. Dezember ein – und wird es auch nicht tun. «Wir verzichten explizit darauf. Dies im Sinne einer Rücksichtnahme auf die Mitarbeitenden und deren Familien», sagt Aldi-Sprecher Philippe Vetterli. Ob man bei Aldi in Gloten am 2. Januar wird einkaufen können, hat das Unternehmen noch nicht entschieden.