Die Kommunikation als Puzzlespiel

Hören wir immer, was das Gegenüber sagt, oder nur das, was wir gerne hören möchten? Patrick Rohr sprach am Novemberanlass der Raiffeisenbanken über Kommunikation und ihre Tücken.

Ruth Bossert
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«Die Hälfte aller Interviews sind mir misslungen», sagt Patrick Rohr. (Bild: Ruth Bossert)

«Die Hälfte aller Interviews sind mir misslungen», sagt Patrick Rohr. (Bild: Ruth Bossert)

SIRNACH. «Nichts tun wir häufiger als reden – und trotzdem ist ein erfolgreiches Gespräch keine Selbstverständlichkeit.» Patrick Rohr, ehemaliger Fernsehjournalist und heutiger Kommunikationstrainer und Buchautor, kennt die Tücken des Kommunizierens. Er weiss aber auch, wie man in der passenden Sprache spricht und auch das Nichtgesagte versteht. Die gut 400 Gäste, die der Einladung der drei Raiffeisenbanken Sirnach, Rickenbach-Wilen und Dussnang-Fischingen zum diesjährigen Novemberanlass ins Gemeindezentrum Dreitannen gefolgt waren, kamen auf ihre Rechnung. Spritzig, witzig und charmant erklärte der frühere Redaktor und Moderator von «Quer» und der «Arena», wie man wirklich miteinander redet, ohne aneinander vorbei zu sprechen.

Keine Tabuthemen

In seiner Journalistenlaufbahn habe er ungefähr 2500 Menschen interviewt. «Mehr als die Hälfte der Interviews sind misslungen», sagt der Kommunikationscoach. Ein Gespräch finde immer mit mindestens zwei Personen statt, und genau da liege der wunde Punkt. Erst wenn wir in der Lage sind, wirklich das zu hören, was der andere ausdrücken will, laufe ein Gespräch gut, ist er überzeugt. Allzu gerne sagen wir nicht klar und deutlich, was wir meinen, und sind dann enttäuscht, wenn das Gegenüber etwas ganz anderes hört. Oft meinen wir auch, etwas gesagt zu haben, ohne dass wir überhaupt etwas gesagt haben. «Wir kommunizieren viel, aber wir reden immer weniger miteinander», sagt er augenzwinkernd. Rohr ist überzeugt, dass es keine Tabuthemen gibt, nur falsch geführte Gespräche. Deshalb spricht er auch von einem Puzzlespiel, wo alle Teile zusammenpassen müssen. «Wenn das gegenseitige Vertrauen fehlt, wird ein Gespräch schwierig», ist er überzeugt und rät zu einer einfachen Sprache auf Augenhöhe des Gegenübers. «Wenn ich mir Zeit nehme für mein Gegenüber, schenke ich ihm auch mein offenes Ohr und damit auch mein Vertrauen.»

Die gleiche Sprache sprechen

«Was wir sagen, ist nicht unbedingt massgebend, viel wichtiger ist das Wie», sagt Rohr und fügt an, dass wir mit unserer Körperhaltung, der Mimik und unseren Gesten viel mehr aussagen als mit unseren Worten. Auch in welcher Tonlage und mit welcher Stimme wir miteinander sprechen, sei von Bedeutung. Viele Unstimmigkeiten entstehen durch Missverständnisse. Deshalb bestehe die Kunst darin, herauszuhören, was der andere genau meint. «Wenn wir es schaffen, mit unserem Gegenüber in der gleichen Sprache zu kommunizieren, dann haben wir grosse Chancen, unsere Kommunikation erfolgreich zu meistern», sagt Rohr.

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