«Die Kinder sind das Wichtigste»

Gestern wurde die Leitung des Kinder Dörflis offiziell an den neuen Gesamtleiter Urs Gasser übergeben. Er freut sich auf die Arbeit im Sonderschulinternat, in welchem er bereits acht Jahre als Gruppenleiter tätig war.

Martina Signer
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Verwaltungskommissionspräsident Franz Müller und Otmar Dörflinger übergeben in einem symbolischen Akt den Schlüssel an Urs Gasser (von links). (Bild: Martina Signer)

Verwaltungskommissionspräsident Franz Müller und Otmar Dörflinger übergeben in einem symbolischen Akt den Schlüssel an Urs Gasser (von links). (Bild: Martina Signer)

LÜTISBURG. Otmar Dörflinger hat das Kinder Dörfli in den letzten acht Jahren geprägt. Da waren sich die Anwesenden an der offiziellen Übergabe der Gesamtleitung von gestern einig. «Wir hatten gute und weniger gute Zeiten und mussten Probleme lösen. Aber dank der guten Zusammenarbeit innerhalb des Dörflis konnte das Schiff von turbulenten Zeiten wieder in gemächlichere Fahrwasser gelenkt werden», begrüsste Franz Müller, Präsident der Verwaltungskommission die Teilnehmenden.

Kinder Dörfli bereits gekannt

Aus 55 Bewerbern wurde im letzten Jahr Urs Gasser aus Wattwil als Nachfolger von Otmar Dörflinger gewählt. Urs Gasser war bis ins Jahr 2000 Gruppenleiter im Kinder Dörfli. Ursprünglich kommt er als Konstruktionsschlosser aus dem handwerklichen Bereich, hat sich danach aber rasch für eine Ausbildung zum diplomierten Sozialpädagogen entschlossen. «Ich will die Zeit als Konstruktionsschlosser nicht missen, wollte aber mehr mit Menschen zusammenarbeiten», sagte er.

Besonders sei sicher, dass er nach rund 20 Jahren wieder ins Kinder Dörfli zurückkehre. Wenn auch in einer anderen Funktion. Er habe das Kinder Dörfli schon damals als innovative Institution kennengelernt und habe in den acht Jahren einiges im sozialpädagogischen Bereich gelernt. Danach arbeitete er in verschiedenen Institutionen wie im Littenheid, wo er als Bereichsleiter in der Kinder- und Jugendpsychiatrie tätig war. «Mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, die psychisch erkrankt sind, hat mir einiges beigebracht.»

Reiche Erfahrungen gesammelt

Kinder- und jugendpsychiatrische Krankheiten würden oft als Modeerscheinung angesehen, seien aber nun mal da. Sie stellen für die Kinder, ihre Angehörigen und auch für sozialpädagogische Einrichtungen wie das Kinder Dörfli eine grosse Herausforderung dar, erläuterte Gasser. In der Gesamtleitung der Sonderschule Friedheim in Bubikon konnte er einige Erfahrungen, die er im Littenheid gesammelt hat, einbringen. Es komme häufig vor, dass Kinder aus dem Littenheid Sonderschulen zugewiesen werden oder dass bei Kindern, die in eine Sonderschule kommen, plötzlich Probleme auftauchen, die im Kinder- und jugendpsychiatrischen Bereich anzusiedeln sind. Die im Littenheid gesammelten Erfahrungen würden dabei helfen, dies richtig einzuschätzen und entsprechend zu reagieren.

Die Kinder optimal unterstützen

Für Urs Gasser war es immer wichtig, dass das Wohl der Kinder im Vordergrund steht. «Es geht um die Kinder, und dafür sind wir da. Sie sind das Wichtigste», hielt er fest. Es gelte, den Kindern und Jugendlichen trotz Verhaltensauffälligkeiten Möglichkeiten und Chancen zu bieten. Sei dies der Übertritt in die normale Regelklasse oder eine entsprechende Lehrstelle zu finden. «Wir wollen sie auf diesem Weg begleiten und optimal unterstützen.» Eine ganz wichtige Aufgabe sei auch immer wieder die Zusammenarbeit mit den Eltern, die oft unsicher im Umgang mit ihren Kindern werden. Als ganz wesentlich sieht Urs Gasser im Kinder Dörfli, dass man durch die Grösse und die personellen Ressourcen optimal auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen eingehen könne. «Mir ist es wichtig, nun im Kinder Dörfli an die gute Arbeit von Otmar Dörflinger, die ich in den letzten Wochen bereits kennengelernt habe, anzuknüpfen.»

Die Herausforderungen, die unter anderem mit dem neuen Finanzierungsmodell anstünden, wolle er nun angehen. In diesem Zusammenhang habe er in der Sonderschule Friedheim bereits Erfahrungen gesammelt, die ihm bei der Umsetzung im Kinder Dörfli helfen würden. Im Kanton Zürich, wo das neue Finanzierungsmodell vor rund sieben Jahren bereits eingeführt wurde, habe er denselben Prozess bereits einmal miterlebt. Nochmal betonte Urs Gasser, dass er sich auf die Arbeit im Kinder Dörfli freue. Vor allem auf Begegnungen – sei dies mit Mitarbeitern oder mit den Kindern und Jugendlichen. «Sie sollen mich nicht nur als denjenigen wahrnehmen, zu dem sie ins Büro gehen müssen, wenn sie etwas angestellt haben, sondern als jemanden, mit dem sie auf dem Pausenplatz auch einmal ein paar Worte wechseln können.»