«Die Kanti schätzt unsere Unterstützung»: Der Wiler Kantiverein kämpft immer noch und sucht mehr Ehemalige

Der Kantiverein Wil existiert seit nunmehr 50 Jahren. Der eigentliche Vereinszweck – der Bau einer Kantonsschule – ist erfüllt. Dennoch wird der Verein weiterhin gebraucht. In Zukunft soll er von Ehemaligen der Kanti geleitet werden.

Livia Schmidt
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Das Ehemaligenfest des Kantivereins, das vor gut einem Jahr stattfand, wurde von über 400 Gästen besucht.

Das Ehemaligenfest des Kantivereins, das vor gut einem Jahr stattfand, wurde von über 400 Gästen besucht.

Bild: Kurt Zuberbühler

Es sind rund 50 Jahre vergangen, seit der Mittelschulverein Wil gegründet wurde, der sich daraufhin über Dekaden für den Bau einer Kantonsschule in Wil einsetzte. Mehrmals wurde der Antrag abgelehnt. Doch die politisch engagierten und sonstig interessierten Mitglieder kämpften mit Unterstützung von Firmen – ebenfalls Mitglieder des Vereins – weiter darum, bis das Ziel im Jahre 2004 erreicht wurde. Die Kanti Wil entstand.

Seit dem Bau der Kantonsschule verfolgen die Mitglieder des Mittelschulvereins, heute unter Kantiverein Wil bekannt, zwei grundlegende Ziele: Die Schule mit Sozialbeiträgen und Projekten zu unterstützen und die Verbindung von ehemaligen Schülerinnen und Schülern der Kanti zu fördern.

Unterstützung schenken

Von Möbelgarnituren und Sonnensegeln über Abschlussgeschenke bis hin zum Sponsoring eines Apéros an Schulveranstaltungen: Wo die Kantonsschule begrenzte Mittel hat, greift der Kantiverein ein. Vereinspräsident Hans-Peter Hutter sagt:

Hans-Peter Hutter, Präsident Kantiverein Wil

Hans-Peter Hutter, Präsident Kantiverein Wil

Bild: PD
«Die Kanti schätzt unsere Unterstützung. Der Nutzen des Vereins ist unbestritten.»

Auch in individuellen Fällen, wie beispielsweise einer Mitfinanzierung eines Laptops, werde auf Anfrage ein Betrag zur Verfügung gestellt. Eine langjährige Tradition hat die Geschenkübergabe am Maturaball. Dabei erhielten die Jahrgangsbesten jeweils ein Präsent in Form eines Gutscheines. Vor drei Jahren wurde entschieden, eine Urkunde zu erstellen und den Klassenbesten zusätzlich zu überreichen. «Im Gegensatz zum Gutschein ist die Urkunde etwas Bleibendes», meint Hutter dazu. Zudem mache sie sich gut in Bewerbungen.

Ehemaligenfest zog auch Inaktive an

Der Kantiverein sei keiner, in dem jeden Monat etwas laufe. Dass eigene Veranstaltungen umgesetzt werden, komme eher selten vor. Doch eines liegt dem Verein und dessen Präsidenten am Herzen: Das Ehemaligenfest. Erstmals durchgeführt wurde die Feier im vergangenen Jahr und war gleichzeitig das 50-Jahre-Jubiläum des Vereins.

Das Ehemaligenfest fand grossen Anklang, über 400 Gäste haben daran teilgenommen. Es gab viele verschiedene Darbietungen der Ehemaligen – Bandmusik, Poetry Slam oder eine Lesung. «Das Ehemaligenfest war ein sehr positives Erlebnis», so Hutter. Auch die für gewöhnlich inaktiven Mitglieder waren begeistert. In Zukunft soll das Fest alle fünf Jahre durchgeführt werden.

Aktuell zählt der Kantiverein knapp 400 Mitglieder. Mehr als die Hälfte davon machen die Absolventinnen und Absolventen der Wiler Mittelschule aus. Die anderen Mitglieder sind Eltern der Ehemaligen und auch Interessierte und Firmen, die sich ursprünglich für den Bau der Kanti eingesetzt haben. Der Kontakt zwischen Ehemaligen und Interessierten sei eine gute Gelegenheit, um sich für die Zukunft ein Netzwerk aufzubauen.

Umstellung zum Ehemaligenverein

Eltern der Ehemaligen und Mitglieder, die schon lange dabei sind und deren Rolle heute nicht mehr gross ersichtlich sei, ziehen sich zunehmend aus dem Kantiverein zurück. Damit sich der Verein in Richtung eines Ehemaligenvereins entwickelt, sollen mehr Absolventinnen und Absolventen mobil gemacht werden. Die Kanti werde dabei weiterhin unterstützt.

Auch ein Umbau des Vorstandes ist geplant. Dieser ist der Hauptakteur des Vereins und berichtet alljährlich in der Vereinsversammlung von den investierten Projekten. Zurzeit vertreten nur zwei Mitglieder des Vorstandes die ehemaligen Kantischülerinnen und Kantischüler. In den kommenden Jahren sollen sie aber eine grössere Rolle spielen und längerfristig das Präsidium übernehmen, damit der Ehemaligenverein zukünftig von Ehemaligen geleitet werden kann.

Gratis Mitgliedschaft für die ersten fünf Jahre

Den Verein den Schülerinnen und Schülern näherzubringen und neue Mitglieder zu gewinnen sei dabei eine Herausforderung. Jeweils zu Beginn des Schuljahres und am Ende der Schulzeit, am Maturaball, werde der Kantiverein vorgestellt und für eine Mitgliedschaft geworben.

Jedoch sei das Interesse der Ehemaligen in den ersten fünf Jahren nach der Matura weniger ausgeprägt. Danach sei es zusätzlich schwierig aufgrund von Adressänderungen mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Deshalb bietet der Verein für die ersten fünf Jahre eine Gratis-Mitgliedschaft an. Nicht selten würden auch Eltern ihren Kindern die lebenslange Vereinszugehörigkeit zum Abschluss schenken.

Die breite Öffentlichkeit bekommt nur wenig von den Aktivitäten des Vereins mit. Durch die eigene Website, die zum Jubiläumsjahr aufgeschaltet wurde, will der Vorstand vermehrt Werbung für den Kantiverein machen und über seine Projekte berichten. Allenfalls sogar mit dem einen oder anderen Beitrag von Ehemaligen.

www.kantivereinwil.ch