«Wir dürfen die jungen Menschen nicht aus den Augen verlieren»: Auch Jugendliche haben mit der Coronakrise zu kämpfen

Keine Risikogruppe, aber doch vom Virus betroffen: Für Jugendliche entsteht in Niederbüren, Oberbüren und Niederwil ein Netzwerk.

Tobias Söldi
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Die Einschränkung der sozialen Kontakte kann für Jugendliche eine grosse Herausforderung darstellen.

Die Einschränkung der sozialen Kontakte kann für Jugendliche eine grosse Herausforderung darstellen.

Bild: Getty Images

Der Fokus ist klar. Im öffentlichen Interesse stehen diejenigen Menschen, die der Risikogruppe angehören: Seniorinnen und Senioren, Menschen mit Vorerkrankungen. Und diejenigen, die an der vordersten Front gegen das Virus kämpfen, etwa das Pflegepersonal oder Arztpersonen.

Doch was ist mit der jüngeren Generation, die gesundheitlich vom Virus wenig zu befürchten hat und doch durch die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie massiv eingeschränkt ist? Wie gehen Jugendliche mit der ungewohnten Situation um in einer ohnehin schon turbulenten Phase ihres Lebens?

Ein Kanal zur Begleitung der Jugendlichen

Daniel Färber, der Leiter des Jugendtreffs On Air in Niederbüren, sagt:

«Noch gibt es kaum Probleme. Aber wenn die aktuelle Situation länger andauert, droht ihnen irgendwann die Decke auf den Kopf zu fallen.»
Daniel Färber, Leiter Jugendtreff

Daniel Färber, Leiter Jugendtreff

Bild: Peter Ruggle

Er betont denn auch: «Wir dürfen die jungen Menschen nicht aus den Augen verlieren.»

Das ist einer der Gründe dafür, dass derzeit unter Färbers Leitung in den Dörfern Niederbüren, Oberbüren und Niederwil ein entsprechendes Netzwerk aufgebaut wird. So will man auch den Bedürfnissen und Problemstellungen der Jugendlichen in der aktuellen Situation Rechnung tragen. Färber führt aus:

«Die Idee ist, bereits jetzt einen Kanal zur Begleitung der Jugendlichen aufzubauen, den wir, sollte es längerfristig nötig sein, einsetzen könnten.»

Dieser natürlich digitale Kanal soll den interaktiven Austausch mit den Jugendlichen ermöglichen – Färber erwähnt etwa kreative Challenges für die Freizeit, ausgetragen über die sozialen Medien –, aber auch die gegenseitige Kontaktaufnahme erleichtern. «Zum Beispiel, wenn es darum geht, Jugendliche für allfällige Hilfstätigkeiten anzufragen, sollte das notwendig werden», so Färber. In jedem der drei Dörfer wird dafür eine für die Bedürfnisse und Themen der Jugendlichen zuständige Person eingesetzt.

Das jugendliche Pendant zu «Senioren 80plus»

Initiiert wurde das Netzwerk von Caroline Bartholet, Gemeindepräsidentin von Niederbüren, und ihrem Oberbürer Amtskollegen Alexander Bommeli. Es ist sozusagen das jugendliche Pendant zu «Senioren 80plus», dem gemeinsamen Projekt der Gemeinden Oberbüren und Niederbüren, der Seelsorgeeinheit Oberbüren-Niederwil-Niederbüren sowie den Seniorenbetreuungsteams der Gemeinde, das vor zwei Wochen ins Leben gerufen wurde. «Senioren 80plus» bietet Einwohnerinnen und Einwohnern, die das 80.Altersjahr erreicht haben, Hilfeleistungen an, um die schwierige Situation durch die Coronavirus-Pandemie gut zu überstehen.

Doch auch die Schwierigkeiten, mit denen sich Jugendliche in der aktuellen Situation konfrontiert sehen, sind nicht ohne. «Die Einschränkung der sozialen Kontakte stellt für viele eine riesige Herausforderung dar», sagt Färber. Gerade im Jugendalter sei der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen besonders wichtig, auch mit Blick auf den Loslösungsprozess vom Elternhaus.

«Bei einer Ausgangssperre könnte der oder die eine oder andere einen Koller kriegen. Die psychische Belastung wäre gross.»

Dazu kommt: Das warme Wetter und die Sonnenstrahlen locken immer mehr nach draussen. «Da werden wir die Jugendlichen sensibilisieren müssen.»

Auswirkungen auf die schulische Laufbahn

Färber stellt aber auch klar: Die junge Generation nimmt die Massnahmen zum grössten Teil ernst und bleibt zu Hause. «Am Anfang sahen einige das Ganze noch relativ locker. Aber in den vergangenen ein bis zwei Wochen ist viel gegangen», ist er überzeugt. Viele seien auch bereit, einen Beitrag zur Unterstützung zu leisten, etwa in der Nachbarschaftshilfe.

Belastend kann für Jugendliche auch der Blick in die nähere Zukunft der kommenden paar Jahre sein. Denn je länger die Situation andauert, desto grösser sind ihre Auswirkungen auf die schulische Laufbahn und den Übertritt in die Berufswelt. Färber, der auch als Jobcoach tätig ist, fragt:

«Was machen Jugendliche der dritten Oberstufe, die noch ohne Anschlusslösung sind? Das kann zu einem Stolperstein werden.»

Doch noch ist es nicht so weit, und manch eine Jugendliche oder ein Jugendlicher freut sich wohl eher über die Schulschliessungen und die neugewonnene Freiheit, statt sich Gedanken um die Zukunft zu machen.

«Momenten ist es ruhig unter den Jugendlichen. Viele sind wohl stark mit sich selbst beschäftigt», sagt auch Färber. Und so verharrt denn das Netzwerk noch in seiner prophylaktischen Natur. Aber: «Wir wollen vorbereitet sein.»

Hinweis: Kontakt für Anliegen von Jugendlichen: Daniel Färber, Leiter Jugendtreff On Air Niederbüren, 079 697 22 44, dani.faerber@swissonline.ch