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Die Jagdgesellschaft Oberbüren zeigt, wie mit Drohnen Rehkitze im hohen Gras gesucht werden

Wenn die Wiesen gemäht werden, fallen zahlreiche Rehkitz dem Mähwerk zum Opfer. Die Jagdgesellschaft Oberbüren will das verhindern – mit dem Einsatz einer Drohne und der Zusammenarbeit mit den Landwirten.
Zita Meienhofer
Der kleine, rote Punkt auf dem Monitor stellt das von der Drohne gefundene Rehkitz dar. Roman Taiani, der die Leitung der Rehkitzrettung der Jagdgesellschaft Oberbüren übernommen hat, erläutert das Vorgehen. (Bild: Zita Meienhofer)

Der kleine, rote Punkt auf dem Monitor stellt das von der Drohne gefundene Rehkitz dar. Roman Taiani, der die Leitung der Rehkitzrettung der Jagdgesellschaft Oberbüren übernommen hat, erläutert das Vorgehen. (Bild: Zita Meienhofer)

«Das ist einmalig im Kanton St. Gallen», sagt Mirko Calderara, Wildhüter der Region. Damit meint er das Vorhaben der Jagdgesellschaft Oberbüren. Diese setzt nun zur Rettung von Rehkitzen eine Drohne mit Wärmebildkamera ein. Einmalig ist das Vorhaben auch, weil die Initiative auf privater Ebene erfolgt. Im Unterschied zu den Kantonen Graubünden und beider Appenzell wird im Kanton St. Gallen die Rehkitzenrettung nicht vom Kanton unterstützt.

Stefan Bodmer, Obmann Jagdgesellschaft Oberbüren

Stefan Bodmer, Obmann Jagdgesellschaft Oberbüren

Die Mitglieder der Oberbürer Jagdgesellschaft waren schon seit längerem von dieser Idee begeistert und sind erfreut, dass diese nun umgesetzt werden kann. Stefan Bodmer, seit 35 Jahren Obmann der Jagdgesellschaft Oberbüren, erklärt:

«Wir haben einen Spender gefunden, der für die Anschaffung der technischen Hilfsmittel aufkommt.»

Die Drohne samt Equipment kostet rund 20000 Franken. Da der Aufwand gross ist, werden – zumindest vorerst – nur die Wiesen innerhalb des Gemeindegebiets abgesucht.

Von Anfang Mai bis Mitte Juni im Einsatz

Die Jäger wissen jedoch auch, dass die Rehkitzrettung ohne die Zusammenarbeit mit den Landwirten nicht möglich ist. Deshalb wurden diese zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Roman Taiani, Jäger und Verantwortlicher der Rehkitzrettung, instruierte die anwesenden Landwirte über das detaillierte Vorgehen (siehe Kasten). Die drei ausgebildeten Drohnen-Piloten der Jagdgesellschaft Oberbüren werden jeweils, je nach Aufwand, ab drei Uhr bis spätestens acht Uhr morgens mit einer Wärmebildkamera die Wiesen nach Rehkitzen absuchen. Zwei Läufer retten die vom Piloten gesichteten Tiere, tragen diese mit Handschuhen zum Feldrand und legen sie dort unter den Harass, der mit einer Fahne gekennzeichnet und mit Ankern gesichert ist sowie im Schatten steht. Hat der Landwirt das entsprechende Land gemäht, soll er das Kitz freilassen, das zu seiner Mutter zurückfinden wird. Gemäss Taiani ist es kein Problem für die Tiere zwischen vier und fünf Stunden ohne Nahrung unter dem Harass zu bleiben.

Mirko Calderara, Wildhüter Region Fürstenland- St. Gallen-Bodensee-Rheintal

Mirko Calderara, Wildhüter Region Fürstenland-
St. Gallen-Bodensee-Rheintal

Taiani macht darauf aufmerksam, dass bei starkem Wind nicht geflogen werden kann. Ebenso ist die Suche nach acht Uhr morgens nicht mehr sinnvoll, da dann die Sonne die Erde schon entsprechend erwärmt hat und die Wärmebildkamera die Tiere nicht mehr erkennt. Die Rehkitzrettung ist vor allem von Anfang Mai bis Mitte Juni wichtig, da dann die jungen Tiere in den Wiesen geboren werden. Mirko Calderara macht darauf aufmerksam:

«Vergesst die extensiv bewirtschafteten Flächen nicht, die erst ab 15. Juni gemäht werden können und wegen der Höhe des Grases für die Rehkitzen interessant sind. »

Interesse der Landwirte ist vorhanden

Das Interesse der Landwirte ist vorhanden. 40 der 60 angeschriebenen Bauern waren anwesend. Das sei eine gute Sache, sagte ein Landwirt. Er selber hat etliche Wiesenflächen, die an den Wald grenzen. Ein Rehkitz habe er schon lange nicht mehr erwischt, erklärt er. Bislang setzte er auf herkömmliche Methoden wie die Verblendung (siehe Kasten). Er weiss auch, wo sich die Tiere meist verstecken und sucht vor Mähbeginn die entsprechenden Stellen ab. Es ist einerseits das Elend der Tiere, das die Landwirte verhindern möchten, anderseits ist es auch die Tatsache, dass im Heu kein Tierkadaver vorhanden sein soll.

Drei Jäger werden zu Drohne-Piloten geschult

Ueli Sager, Geschäftsleiter von Remote Vision GmbH in Herisau, erklärte den Anwesenden wie die Drohnen-Suche verläuft. Zu Demozwecken lagen im Gras zwei mit heissem Wasser gefüllte Petflaschen, die die Rehkitze darstellen sollten. Innerhalb von vier Minuten hatte er das ein Hektar grosse Grundstück abgesucht und die Läufer hatten die beiden Petflaschen aus dem Gras geholt.

Nächste Woche werden Felix Bodmer, Daniel Näf und Roman Taiani von Ueli Sager für das Drohnen-Fliegen geschult, damit sie Anfang Mai, wenn die Landwirte zu mähen beginnen, startbereit sind. Im 2018 hatte Ueli Sager im Appenzeller Ausserrhoden erstmals Drohnen für die Rehkitzrettung im Einsatz. «Das ist sehr interessant», sagt er. Ihn hat vor allem fasziniert, zu sehen, wie Mutter und Kitz miteinander kommunizieren.

Das Vorgehen der Landwirte

Am Vortrag, vor dem Mähen, haben sich die Landwirte bis 15 Uhr bei Roman Taiani, Chef Rehkitzrettung der Jagdgesellschaft Oberbüren, unter der Nummer 079 939 96 70 zu melden. Informiert werden muss Taiani über folgende Angaben:
- Name des Landwirts
- Zeitangabe des Mähbeginns
- Feldnummer (zu eruieren unter www.geoportal.ch/oberbueren)
Der Landwirt wird vom Jäger nach getaner Arbeit informiert, ob und wo Rehkitze im Feld gefunden wurden.
Ist das Feld gemäht, muss der Landwirt, falls Rehkitze gefunden und unter die Harassen gelegt wurden, diese freilassen. Wichtig ist, dass die Tiere nicht mit den Händen angefasst werden. Die leeren Harassen hat der Landwirt auf seinem Hof sichtbar bereitzustellen, damit sie die Jäger abholen können.
Herkömmliche Methoden zur Rehkitzrettung – in dieser Region ist das Verblenden üblich – sind ebenfalls, aber nicht immer, erfolgreich. Beim Verblenden werden Säcke, die an Stecken festgemacht wurden, in die Erde gesteckt. Durch das Geräusch, das der flatternde Sack verursacht, soll das Rehkitz vertrieben werden. Ausserdem suchen Landwirte die Orte in den Wiesen ab, in denen sie Rehkitze vermuten und bringen sie aus dem Feld. (zi)

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