Die historische Abstimmung

Die FDP-Ortspartei hat am Mittwochabend an der Parteiversammlung die Ja-Parole zum neuen Gemeindehaus Uzwil gefasst. Gemeindepräsident Lucas Keel sowie Jacques Matanovic, Vertreter des Gegenkomitees, beantworteten Fragen.

Vivien Steiger
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NIEDERUZWIL. «Es geht um eine historische Abstimmung für Uzwil.» Mit diesen Worten begrüsste FDP-Präsident Ralph Wyss die anwesenden Parteimitglieder im Restaurant Löwen in Niederuzwil. Und somit kam er schon zum einzigen Traktandum der Mitgliederversammlung: Die Parolenfassung der FDP zum neuen Gemeindehaus. Gemeindepräsident Lucas Keel und Jacques Matanovic, Vertreter des Bürgerkomitees, das dem Neubau kritisch gegenübersteht, erhielten die Möglichkeit, ihre Standpunkte zu vertreten sowie die Vor- und Nachteile eines Neubaus aufzuzeigen.

Probleme aufzeigen

Jacques Matanovic sagte gleich zu Beginn: «Die Aufgabe des Bürgerkomitees besteht hauptsächlich darin, die Probleme des neuen Gemeindehauses aufzuzeigen, wo es nicht so einfach laufen wird, wie ursprünglich gedacht.» Er ist überzeugt, dass in Zukunft immer mehr über das Internet und nicht über den persönlichen Kontakt laufen wird. Deshalb sei eine Investition von 19,3 Millionen Franken zu teuer, es gäbe sicher eine billigere Lösung. «Finanziell gehen wir mit einem neuen Gemeindehaus ein Risiko ein», sagt der Vertreter des Gegenkomitees weiter. «Wir sollten uns genau überlegen, ob wir in der jetzigen Wirtschaftslage für so viel Geld investieren wollen.» Ausserdem müsse man nicht alles zentralisieren, dezentral wie es jetzt ist, sei es auch gut und funktioniere.

Gemeindepräsident Lucas Keel ist sich hingegen sicher, dass der Kundenkontakt auch in Zukunft nicht abnehmen wird: «In den letzten zehn Jahren ist der Kundenkontakt trotz Onlineschalter immer mehr gestiegen, insbesondere bei älteren Menschen.» Fakt sei, dass täglich rund 200 Personen in den Verwaltungen ein- und ausgehen würden. Hinzu kommt, dass sich ältere Menschen bei einer dezentralen Verwaltung nicht so gut orientieren können.

Kosten werden steigen

Jacques Matanovic wies die Parteimitglieder darauf hin, dass in Zukunft noch mehr Kosten auf die Gemeinde zukommen werden: «Wir sollten unser Pulver nicht zu früh verschiessen.» Die voraussichtlichen Investitionskosten von rund 19,3 Mio. Franken für ein neues Gemeindehaus seien beträchtlich und würden die Gemeinde für 25 Jahre belasten. Allerdings rechne der Gemeinderat zu Recht vor, dass auch ein Verzicht auf ein neues Gemeindehaus mit ganz erheblichen Investitionen zu rechnen wäre. «Eine Mietlösung ist nur eine kurzfristige Lösung», sagte Keel. Für ihn sei klar, dass es Veränderungen geben müsse. «Ich denke, es ist vertretbar, in ein solches Objekt zu investieren. Langfristig wird es die günstigere Variante sein.» Ein Votant warf ein: «Wir müssen zwischen Wunschbedarf und Zwangsbedarf unterscheiden. Das Verhältnis stimmt meiner Meinung nach nicht.»

Gemeindeverwaltung ist alt

«Seid ihr nicht ein bisschen kurzfristig orientiert und vergesst die nächste Generation?», fragte Ralph Wyss Jacques Matanovic. «Wir werden uns technisch weiterentwickeln, mit einem neuen Gemeindehaus hätten wir eine grosse Lösung für immer weniger Personen, die es nutzen», antwortete er. Für ihn sei klar, dass man in einem bestehenden Haus nach Lösungen sollte. In diesem müsste man die Sicherheitsvorkehrungen auf den neusten Stand bringen und es für handicapierte oder ältere Menschen in Stand setzen.

Eines ist aber beiden klar, dem Gemeinderat und dem Bürgerkomitee: Die bestehende Gemeindeverwaltung ist alt und führt vermehrt zu Problemen, es besteht Handlungsbedarf.

Die FDP entschied sich am Ende mit acht Ja-Stimmen, zwei Enthaltungen und zwei Gegenstimmen für eine Ja-Parole zum neuen Gemeindehaus.

Die Urnenabstimmung über ein neues Gemeindehaus findet am 28. April statt.

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