Die Hausärzte in Flawil, Degersheim und Uzwil bündeln ihre Kräfte für den Notfall

Die Ärzteschaft organisiert den Notfalldienst neu. Der Grund: Es gibt immer weniger Ärzte, die diesen Dienst leisten.

Tobias Söldi
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Ausserhalb der Bürozeiten ist immer ein regionaler Notfallarzt einsatzbereit.

Ausserhalb der Bürozeiten ist immer ein regionaler Notfallarzt einsatzbereit.

Bild: Keystone

Die Problematik ist nicht neu: Hausärztinnen und Hausärzte werden immer älter und es mangelt an Nachwuchs. Besonders betroffen vom grassierenden Hausärztemangel sind die ländlicheren Regionen. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den Notfalldienst, mit dem Notfälle ausserhalb der Bürozeiten abgedeckt werden: In den Notfalldienstkreisen Uzwil sowie Flawil/Degersheim nimmt die Zahl der Hausärzte ab, die Notfalldienst leisten, wie die regionale Ärzteschaft kürzlich in einer Mitteilung schrieb.

«Ab 60 Jahren ist ein Hausarzt nicht mehr verpflichtet, Notfalldienst zu leisten», erklärt Tobias Gertsch, Arzt vom Ärztezentrum Niederuzwil. Verschärft wird die Lage dadurch, dass es immer mehr Ärzte gibt, die Teilzeit arbeiten – um Notfalldienst leisten zu können, muss das Pensum aber 100 Prozent betragen.

Notfalldienst schränkt die Lebensqualität ein

Nun reagiert die regionale Ärzteschaft und organisiert sich neu. Bis jetzt haben die beiden Notfalldienstkreise Uzwil und Flawil/Degersheim jeweils einen eigenen regionalen Notfallarzt gestellt; die Hausärzte des jeweiligen Kreises leisteten abwechselnd Dienst. Ab 2. Januar des kommenden Jahres wird neu nur noch ein Notfallarzt für die ganze Region zwischen Degersheim, Flawil und Uzwil zuständig sein.

«Die Dienstbelastung war schlicht zu gross», erklärt Tobias Gertsch. Er untermauert mit Zahlen: Im Kreis Uzwil haben sich 14 Ärzte den Notfalldienst untereinander aufgeteilt. «Das ergibt etwa 30 bis 36 Dienste im Jahr», rechnet er vor. In Flawil seien es sogar noch weniger Hausärzte, die entsprechend noch öfters Notfalldienst leisten mussten. Neu werden sich die 23 Ärzte der beiden Regionen den Notfalldienst gemeinsam aufteilen. Dadurch soll die Belastung für den einzelnen Arzt verringert werden. «Der Notfalldienst schränkt die Lebensqualität stark ein», so Gertsch.

Wer Notfalldienst hat, muss während 24 Stunden einsatzbereit sein. Zwar ist während der Bürozeiten grundsätzlich der jeweilige Hausarzt für Notfälle seiner Patienten zuständig, doch gebe es immer wieder Situationen, in denen der Notfallarzt zum Einsatz kommt, erklärt Gertsch. Während der Nacht nehmen die Notfälle ab – aber erreichbar muss der Notfallarzt trotzdem sein. Wie gross die Notfalldienstbelastung ist, sei eine Frage, die an Einstellungsgesprächen oft gestellt werden würde.

Für die Patienten ergeben sich längere Wege

Was für Konsequenzen hat die Neuorganisation? Patienten aus der Region Flawil müssen unter Umständen nach Uzwil zum Notfallarzt, während Patienten aus Uzwil gegebenenfalls in eine Flawiler Praxis zum Notfallarzt müssen. Auch für die Notfallärzte bedeutet die Umstellung entsprechend längere Wege bei Hausbesuchen.

Gleich bleiben die Notfallnummern (0900144914 in Flawil und 0900575955 in Uzwil). An Wochentagen ab 20 Uhr und am Wochenende ab Samstagmittag wird das Telefon weiterhin ins Spital Flawil beziehungsweise ins Spital Wil umgeleitet. Der dort zuständige Arzt leitet die nötigen Schritte ein: Er alarmiert je nach Schwere des Notfalls den Rettungsdienst, bestellt den Patienten in den Spital oder aktiviert den Hausarzt, der an diesem Tag Notfalldienst hat.

Letzteres kommt weniger vor, als auch schon. «Insgesamt hat die Anzahl Konsultationen im Notfalldienst abgenommen», sagt Gertsch. Das habe zum einen mit den neuen Telefonmodellen der Versicherung zu tun, anderseits aber auch damit, dass immer mehr Leute direkt die Notfallstation im Spital aufsuchen. Letzteres ist nicht unproblematisch, kann es dadurch doch zu Überbelastungen auf den Spital-Notfallstationen kommen. Wenn sich Bagatell-Notfälle häufen, ergeben sich Wartezeiten für schwere Notfallpatienten.

Dienst und Notfälle

Die Hausärzte im Kanton St. Gallen organisieren sich in Notfalldienstkreisen. Die Region ist in drei solche Kreise aufgeteilt: Wil und Umgebung (zwischen Braunau, Wuppenau, Rickenbach und Kirchberg, Telefon 0900 568 556), Flawil/Degersheim (Telefon 0900 144 914) und Uzwil (mit Uzwil, Nieder- und Oberuzwil, Niederwil, Niederstetten und Oberbüren, Telefon 0900 575 955).

Im medizinischen Sinn Notfälle sind Personen, die keine Antwort geben, verlegte Atemwege, eine behinderte Atmung oder eine ungenügende Zirkulation haben oder andere Defizite aufweisen. Personen mit den erwähnten Störungen brauchen medizinische Hilfe. Diese erhält man vom eigenen Hausarzt, dessen Stellvertreter, vom diensttuenden Notfallarzt oder über die Kantonale Notrufzentrale. Es wird empfohlen, sich
zuerst an die Hausärztin oder den Hausarzt zu wenden – er oder sie kennt den Patienten am besten. (pd/tos)