Die gute Seele im Dorf

Maria Keller-Bösch, genannt Mia Keller, feiert heute ihren 85. Geburtstag. Sie hat 15 Jahre lang die Gratulationen in der Wiler Zeitung geschrieben, schreibt heute noch immer gern Vereinsberichte und schickt sie dann per Fax an die Redaktion.

Annina Niedermann
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Mia Keller in ihrem Element. Schreiben gibt ihr Zufriedenheit – das sieht man ihr an. (Bild: ann.)

Mia Keller in ihrem Element. Schreiben gibt ihr Zufriedenheit – das sieht man ihr an. (Bild: ann.)

Flawil. Aufgestellt, fröhlich und immer für ein freundliches Gespräch zu haben, so kennt man die rüstige Seniorin Mia Keller. Sie hat sich für die Menschen in Flawil in ihrem Leben auf eine spezielle Art und Weise engagiert. Mia Keller hat nicht nur ein grosses Herz, sondern ein besonderes Gespür dafür, wie sie ihren Mitmenschen mit Kleinigkeiten grosse Freuden bereiten kann.

Denn mit ihrer zurückhaltenden Art nahm sie an zahllosen Anlässen im Dorf teil, um im Anschluss interessante Berichte darüber zu verfassen, die in der Wiler Zeitung veröffentlicht wurden.

Überraschung geplant

Heute vor 85 Jahren erblickte Mia Keller das Licht der Welt. Ihre Kindheit verbrachte sie im Rheintal. In Flawil zog sie gemeinsam mit ihrem Mann sechs Kinder gross, vier Jungen und zwei Mädchen. 45 Jahre lang wohnte die Jubilarin mit ihrer Familie im eigenen Haus im Oberen Botsberg.

Heute hat Mia Keller fünf Enkelkinder, die alle studieren. «Ich freue mich darüber, dass meine Enkel diese Möglichkeit haben. Als ich jung war, war dies noch nicht selbstverständlich», sagt sie.

Für ihren 85. Geburtstag haben ihre Kinder eine grosse Überraschung geplant. Mia Keller weiss allerdings nichts Genaues und findet das in Ordnung. «Man sollte sich nicht in die Angelegenheiten der erwachsenen Kinder einmischen, sondern lernen loszulassen.

So schwer das Müttern auch fallen kann», findet sie und ist gespannt, was sie an ihrem heutigen Geburtstag erwarten wird. Fünfzehn Jahre lang hat Mia Keller die Gratulationen für die Wiler Zeitung geschrieben. Auch heute schreibt sie noch Berichte über Anlässe und Reisen der «Beta» (ein Verein der Katholischen Kirchgemeinde, der Anlässe für ältere Leute organisiert). Schon in der Schule habe sie leidenschaftlich gern geschrieben, ihre Aufsätze wurden von ihren Lehrern sehr gelobt.

«Schreiben gibt mir Zufriedenheit, und Zufriedenheit ist das grösste Geschenk», erzählt Mia Keller. Sie sei froh, dass sie noch immer Berichte für den «Treff 60 Plus» und die «Beta» schreiben könne. Sie freue sich immer, wenn sie positive Rückmeldungen auf ihre Berichte bekäme. Ihre Leidenschaft wird sie so schnell nicht aufgeben. «Ich werde so lange schreiben, wie es meine Gesundheit zulässt, denn Schreiben erfüllt mich», sagt sie.

Fasziniert von fremden Kulturen

Reisen ist eine weitere Leidenschaft von Mia Keller. «Mich faszinieren fremde Kulturen. Wenn ich in einer Stadt unterwegs bin, halte ich die Augen immer offen und schaue mir ganz bewusst die imposanten Bauten an», sagt Mia Keller. Sie interessiere sich sehr für Baustile, denn in ihnen widerspiegle sich die Vergangenheit. Seit zweieinhalb Jahren wohnt Mia Keller in einer Mietwohnung an der Säntisstrasse. «Mir gefällt es hier. Es ist ruhig, und ich habe eine herrliche Aussicht», sagt die Jubilarin.

In ihrer Wohnanlage werden viele Anlässe für die Bewohner durchgeführt wie gemeinsame Mittagessen oder Kaffeekränzchen.

Mia Keller hat seit zwei Jahren ein Generalabonnement der SBB und reist oft durch die gesamte Schweiz. Auf ihren Ausflügen erlebt sie immer lustige Dinge. Einmal wollte sie mit dem Zug von St. Gallen nach Flawil fahren. Nichtsahnend stieg sie in einen Zug ohne Halt bis Winterthur, und die Tür ging nicht auf, als sie in Flawil aussteigen wollte. «Zum Glück sah ich einen Bekannten kommen, der ein richtiger <Bahn-Freak> ist.

Er verstand die Situation sofort und reagierte. Obwohl der Zug erst in Winterthur hätte halten sollen, hielt er in Uzwil, und ich wurde bereits vom Bahnpersonal erwartet» ergänzt Mia Keller schmunzelnd. «Mal schauen, wohin es mich heute verschlägt. Wahrscheinlich einmal raus aus dem Nebel, hinaus in die warme Frühlingssonne», erzählt sie in dem Gespräch mit der Wiler Zeitung.

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