«Die gute Seele geht verloren»

Die Umstrukturierung der städtischen Hausdienste sorgt für Unruhe. In den Augen der SP ist der Schaden grösser als der Nutzen. Sie sieht in der Neuorganisation eine Sparmassnahme und reagiert nun mit einer Interpellation.

Philipp Haag
Drucken
Teilen
Silvia Ammann Stadtparlamentarierin SP (Bild: pd)

Silvia Ammann Stadtparlamentarierin SP (Bild: pd)

WIL. Er ist die gute Seele des Schulhauses. Der Hauswart hält das Gebäude und den Umschwung sauber, einen Defekt repariert er umgehend, er steht dem Lehrerteam bei technischen Fragen zur Seite, er sorgt für Sicherheit auf dem Gelände und er tröstet die Kinder. Kurzum: Der Schulhauswart ist ein Multitalent, der ruhige Pol und eine Schlüsselfigur in einem lebendigen Mikrokosmos.

Einteilung in Rayons

Nun organisiert der Stadtrat den Hausdienst bei den städtischen Liegenschaften neu. Die Zuständigkeit eines Hauswarts für ein bestimmtes Schulhaus fällt weg. Der Hausdienst wird in Rayons eingeteilt (siehe Kasten). Die Umstrukturierung sorgt für Unruhe und Unsicherheit, bei den Hauswarten, der Lehrerschaft und den Parlamentsmitgliedern. Die SP vermutet im Schritt eine versteckte Sparmassnahme, «da einige der Hauswarte höchstwahrscheinlich in eine tiefere Lohnklasse eingeteilt werden sowie einen Kompetenzverlust erleiden», wie Fraktionschefin Silvia Ammann sagt. Sie weiss, dass einige Hauswarte unter Existenzangst leiden. «Es wird bei den Schwächsten gespart.» Die SP reicht darum an der Parlamentssitzung vom nächsten Donnerstag eine Interpellation ein. Silvia Ammann tritt als Erstunterzeichnerin auf. Für sie ist die Neuorganisation nicht nachvollziehbar. Die SP möchte vom Stadtrat wissen, ob an die sozialen Konsequenzen und an Härtefälle gedacht worden sei. Sie trauen der ausgesprochenen Besitzstandsgarantie nicht vollumfänglich. Und es nimmt die Sozialdemokraten wunder, weshalb ein System, «das gut funktioniert», geändert wird und worin der Nutzen liegt. Die Abwarte seien ein wichtiger Pfeiler in einem Schulhaus. Sie seien für die Lehrer und die Kinder eine Vertrauensperson, die unzählige kleine Aufgaben erledige. «Der gute Kontakt zu den Lehrern, Eltern und Kindern geht verloren.» Silvia Ammann erachtet die Umstrukturierung auch aus einem weiteren Grund als nicht zielführend. Die Hauswarte agieren nur noch als «mobile Einsatztruppe» und seien bei einem Schaden, der sofort repariert werden müsse, nicht mehr vor Ort.

Keine Wertschätzung

Die 22 Wiler Hauswarte hatten die Möglichkeit, sich als Rayonchef zu bewerben. Letzten Montag lief die Frist ab. In einem zweiten Verfahren werden die Stellvertreterposten besetzt. Der Start der neuen Organisation erfolgt gemäss Silvia Ammann im Sommer 2016. Es handelt sich um ein Tempo und ein Prozedere, das in ihren Augen Wertschätzung vermissen lässt. «So geht man mit Personal, das zum Teil seit vielen Jahren für die Stadt arbeitet, nicht um.» Sie befürchtet ausserdem, dass es nach Ablauf der Besitzstandsgarantie zu einem Stellenabbau kommt.

Jürgen Pfitzke und Seraina Supersaxo, Vorsitzende der Delegiertenversammlung der Wiler Lehrpersonen, bestätigen auf Anfrage, dass das Thema bei allen Schulteams in Wil relevant ist und diskutiert wird. Die DV hat am Dienstag beschlossen, sich inhaltlich nicht öffentlich zu äussern, ausser: «Den Lehrerinnen und Lehrern ist auch in Zukunft an einem tragfähigen und guten Verhältnis mit den Hauswarten gelegen. Sie sind weit mehr als Reinigungspersonal. Sie gehören zu den Schulhausteams und spielen für die Kultur im Schulhaus eine nicht zu unterschätzende Rolle, nicht zuletzt in den Beziehungen zur Lehrerschaft und den Schülern. Diese Beziehungsebene muss bei der zukünftigen Ausrichtung bedacht sein, denn Schulen sind ein lebendiger Lebensort. Dafür braucht es den Schulhauswart nicht nur als Dienstleister.»