Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die grösste Burganlage Europas

Mehrere hundert Personen dürften einst oberhalb von Dussnang auf der Burg Tannegg gewohnt haben. Wie viele es wirklich waren, lässt sich allerdings nicht genau sagen, da die Anlage bis heute archäologisch kaum erforscht ist.
Simon Dudle

TANNEGG. Sie ist die grösste noch erhaltene Ruine im Hinterthurgau, jene in Tannegg. Sie geht zurück auf das Jahr 1240, als der Konstanzer Bischof Heinrich von Tanne die Burganlage erbaute. «Ob es ein Neubau oder Ausbau war, ist offen», sagt Edgar Kopieczek. Der pensionierte Reallehrer hat schon seit Jahrzehnten die Geschichte der Gemeinden Fischingen und Bichelsee-Balterswil zu seinem Hobby gemacht. Obwohl sich die Unterlagen mittlerweile stapeln, muss Kopieczek feststellen, dass man über diese Burg bis heute nur sehr wenig weiss. «Der Ausbau der Anlage geht vermutlich auf die Fehde zwischen dem Bischof von Konstanz und dem Abt von St. Gallen zurück. Es geht also um Macht», sagt Kopieczek.

Keine Bilder des Städtchens

Ebenfalls nicht abschliessend geklärt ist, ob auf der Anlage einst ein kleines Städtchen existierte. Indizien gibt es einige. Neben dem Wall und dem Graben hätte es dafür genug Platz gehabt. Klar ist, dass das Städtchen nie von grosser Bedeutung war und bis heute sehr wenig Überreste menschlichen Daseins gefunden wurden. «Es gibt keine Bilder, kein Stadtrecht und kein Geld. Meine persönliche Meinung ist, dass es wohl eher kein Städtchen gegeben hat», sagt Kopieczek.

Dafür ist er überzeugt, dass es sich flächenmässig um die grösste Burganlage Europas handelt. Zwar ist schwierig zu bestimmen, wie gross die Fläche effektiv ist. Laut Kopieczek nehme es aber eine halbe Stunde Fussmarsch in Anspruch, um vom einen Ende ans andere zu kommen und die rund zwei Kilometer lange Strecke zurückzulegen. Im Westen des Tannegger-Grates bei Niederwies ist nämlich eine weitere Wehranlage sichtbar.

Erste Informationstafel

Die Anlage wurde im Jahr 1407 von den Appenzellern zerstört. Das Amt Tannegg – ein Verwaltungsbezirk des Bischofs von Konstanz – war nämlich verpfändet an Kunigunde von Toggenburg, die mit dem Grafen von Montfort (Vorarlberg) – ein erbitterter Gegner der Appenzeller – verheiratet war. Anschliessend wurde die Burganlage wieder aufgebaut, wenn auch mit Bestimmtheit ohne Städtchen.

Ein halbes Jahrhundert später wurde der Thurgau von den Eidgenossen erobert, und der Schutz lag in den Händen der Eidgenossen. Die Burganlage verlor fortan an Bedeutung. In den Jahren 1836 und 1837 wurde der Turm abgebrochen, um aus den Tuffsteinen Brücken in der Gemeinde Fischingen zu bauen.

Es zog viel Zeit ins Land, bis im Jahr 1997 Restaurierungsarbeiten an der Ruine nötig wurden, weil grosse Steine den Burghang hinunterrollten. Dies war gefährlich, weil sich unterhalb des Waldes Siedlungen befinden. Zwei Jahre später wurde eine Informationstafel errichtet. Es war die erste dieser Art im Kanton Thurgau.

Viele offene Fragen

Der grösste Teil der Anlage ist heute im Gelände nur noch schwach erkennbar. Lediglich die Steine der Südseite des Turmes sind erhalten geblieben. Zurück bleiben viele unbeantwortete Fragen: Gab es auf der westlichen Seite einen zweiten Turm? Wo stand der Pallas? Wo das Wohngebäude? Wie gross war die Anlage für die vierhundert Mann zu Kriegszeiten während der Untertanenzeit des Thurgaus? Edgar Kopieczek sagt: «Es wäre archäologische Forschung zu betreiben, um Antworten zu finden. Leider gibt bis heute keine zusammenhängende publizierte Geschichte der Tannegg.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.