«Die Grenzen des Respekts vor Mitmenschen wurden überschritten»

«Zum Einbürgerungsgesuch von Bekim Alimi»

Eliane Keller-Hollenstein, Oberuzwil
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Ich bin stolz darauf, in einem Land zu leben, das ein moderner Rechtsstaat ist. Unsere Rechtsordnung basiert unter anderem auf Grundrechten wie Menschenwürde, Schutz der Privatsphäre und auch Glaubens- und Gewissensfreiheit. Unsere Rechtsordnung gilt für alle Menschen gleichermassen und ist vorbehaltlos umzusetzen. Der Fragekatalog von Frau Erika Häusermann hat nichts mit unseren Vorgaben zu Einbürgerungen zu tun. Die Fragen halte ich für sehr respektlos und entwürdigend. Es ist nicht erkennbar, was Frau Häusermann mit diesem Fragekatalog bezwecken wollte. Obwohl sie überzeugt ist, dass Herr Bekim Alimi integriert ist und gegen keine Gesetze verstösst, würde sie bei der Abstimmung zur Einbürgerung Nein stimmen.

Die Massstäbe von Erika Häusermann stellen sich für mich als willkürlich dar. Dass auf «Hörensagen» basierend das Bürgerrecht an Herrn Bekim Alimi nicht erteilt werden soll, betrachte ich als eine sehr seltsame, intolerante Sichtweise und auch als eine gefährliche.

Ich habe Bekim Alimi an einigen Vorträgen, an Diskussionsrunden, als Übersetzer und Vermittler und an den Tagen der offenen Tür der Wiler Moschee erlebt und ich konnte bei keiner seiner Aussagen eine feindliche Haltung gegenüber unseren christlichen Werten erkennen. Im Gegenteil, Bekim Alimi äusserte sich jeweils bestimmt, offen und bejahend gegenüber unserer Schweizer Rechtsordnung und unseren christlichen Werten. Ein Imam darf nicht mit dem islamischen Terror gleichgesetzt werden, nur weil er Imam ist.

Ich bin stolz darauf, dass ich meine persönliche Weltanschauung als gebürtige Schweizerin vertreten darf, auch wenn Erika Häusermann wahrscheinlich einzelne Ansichten von mir nicht gutheissen würde.

Eliane Keller-Hollenstein, Oberuzwil

Wenn wir einem Mitmenschen mit Misstrauen und Vermutungen begegnen, wir ihn mit Verdächtigungen und Unterstellungen angreifen, wir ihn zur öffentlichen Beichte mit persönlichem «Sündenbekenntnis» herausfordern, wir seine Unschuldsbezeugung schon als lügenhaft kennen, bevor er sich geäussert hat, wir ihn in stammtischmässiger Manier pauschal verurteilen, ohne dass er eine Straftat begangen hat, dann haben wir die Grenzen des mitmenschlichen Respekts voreinander und die Achtsamkeit überschritten. Dann sind wir am Beginn der Volksaufwiegelung und der Volksverhetzung angelangt und haben die Voraussetzungen und Bemühungen um ein gemeinsames Zusammenleben in Frieden mit Füssen getreten. Die vergangene und aktuelle Weltgeschichte lassen grüssen.

Jetzt bin ich wohl ein naiver «Gutmensch» mit seinem «Wort zum Sonntag», aber das ist besser, als von menschenverachtender Angriffigkeit geprägt zu sein.

Toni Mathies, Wil