«Die Glut neu entfachen»

Am diesjährigen Besinnungstag der Franziskanischen Gemeinschaft Wil im katholischen Pfarreizentrum spürten die Mitglieder dem inneren Feuer nach.

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Der diesjährige Besinnungstag der Franziskanischen Gemeinschaft Wil galt dem Thema «Die Glut neu entfachen». Zwei Dutzend Interessierte konnte Rita Scherrer, Vorsteherin der Gemeinschaft dazu am vergangenen Sonntag im katholischen Pfarreizentrum begrüssen. Den Anlass leiteten Adèle Colombo, Co-Vorsteherin des Rates der Franziskanischen Gemeinschaft der deutschen Schweiz, und Bruder Paul Mathis, Vikar des Kapuzinerklosters Wil.

Erfahrungen ausgetauscht

Er verstehe sich weniger als Leiter denn als Begleiter und Moderator, meinte Bruder Paul als Jüngster der Anwesenden, die eigentlichen Referenten seien die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, könnten sie doch eine jahrzehntelange Erfahrung für den Austausch untereinander einbringen, um sich so gegenseitig zu bereichern.

So ging es denn im ersten Teil des Tages darum, sich einerseits Gedanken über die eigene Situation bezüglich des «inneren Feuers» zu machen, andererseits diese in kleinen Gesprächsgruppen mitzuteilen. Dabei stand die Frage «Wie war es denn damals, als das Feuer noch ungestüm loderte?» – und wie und unter welchen Umständen war es entstanden.

So unterschiedlich die Teilnehmenden, so unterschiedlich waren die Erfahrungen in diesem Bereich. War es bei den einen ein prägendes Erlebnis, das das franziskanische Feuer in ihnen entzündet hatte, war es bei andern das Ergebnis einer kürzeren oder längeren Entwicklung. Dies betraf sowohl die beiden Kapuziner wie auch die «Laien», die Mitglieder des Dritten Ordens.

Christus nachleben

Sinn des Besinnungstages war es, die Glut unter der im Laufe der Zeit angesammelten Asche wieder freizulegen oder einfach «Material» zu finden, um es weiterhin zu nähren. Dazu diente als Einstieg ein Ausschnitt aus dem zehnten Kapitel des Evangeliums nach Matthäus, das den heiligen Franz von Assisi auf Jesus von Nazarets Aussendung der Jünger aufmerksam gemacht und ihn dazu gebracht hatte, streng nach dem Vorbild Christi, der sogenannten Imitatio Christi zu leben: «Geht aber und predigt […] Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch.

Ihr sollt weder Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben, auch keine Reisetasche, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe, auch keinen Stecken.»

Die frühen Quellen berichten, dass Franziskus diese Worte der Evangelien nicht nur im übertragenen Sinne verstanden, sondern immer auch versucht habe, sie zunächst wörtlich und direkt anzuwenden.

So sei der Text für ihn eine Aufforderung gewesen, so zu leben und zu wirken, wie die zwölf von Jesus ausgeschickten Jünger, die Apostel, nämlich in Armut zu leben und das Evangelium zu verkünden.

Mittelalter und Moderne

Nach dem vorzüglichen, von Charlotte Feigl zubereiteten Mittagessen war der Nachmittag der Beschäftigung mit den sich auf das Evangelium abstützenden Regeln des Franziskus gewidmet.

Diejenigen bezüglich der Armut aus dem Mittelalter stammenden franziskanischen Vorschriften seien heute kaum mehr einzuhalten, meinte Bruder Paul, seien aber im übertragenen Sinn durchaus von Belang. Nebensächliches und Überflüssiges würden vielfach die Sicht auf das Wesentliche verdecken die einstige Glut zudecken.

Der heutige Sinn franziskanischer Armut liege eben nicht im Hungern und Darben, sondern vielmehr im Streben nach Befreiung von unnötig Belastendem,

um den Weg frei zu machen zur Glut, um das innere Feuer zu erhalten oder wieder entfachen zu können, und damit schliesslich zu einer bereichernden Spiritualität zu gelangen. (cho.)