«Die Gastronomie ist überall in der Krise, aber in Flawil ist die Situation extrem»

Das Restaurant Eschenhof in Flawil steht seit 50 Jahren am Dorfeingang. Seit 15 Jahren wirtet dort Lazer Ukgjini-Schriber mit seiner Familie. Die Zukunft der Gastronomie sieht er jedoch düster.

Tobias Bruggmann
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Der Holzofen ist das Markenzeichen des «Eschenhofs» mit seinem Wirt Lazer Ukgjini-Schreiber. (Bild: Tobias Bruggmann)

Der Holzofen ist das Markenzeichen des «Eschenhofs» mit seinem Wirt Lazer Ukgjini-Schreiber. (Bild: Tobias Bruggmann)

«Auch wenn ich täglich Pizzen sehe, esse ich sie immer noch gerne. Schliesslich ist es nur Brot mit unterschiedlichen Belägen», sagt Lazer Ukgjini-Schriber lachend. Seit 15 Jahren ist er Pächter auf dem «Eschenhof». Es ist nicht das einzige Jubiläum in diesem Jahr: Das Restaurant gibt es seit genau 50 Jahren in Flawil.

Ukgjini-Schriber war ein Quereinsteiger, als er das Restaurant an der St. Gallerstrasse übernahm. Er arbeitete vorher als Biologe in einem Labor.

«Kollegen haben mich auf die Idee gebracht. Sie haben gesagt, dass das Wirten zu mir passen könnte, da ich sehr kontaktfreudig bin.»

Er startete seine Gastrokarriere in Winkeln, aber dann folgte der Wechsel nach Flawil in den Eschenhof. «Als Wirt weiss man immer, was im Dorf läuft. Das muss man mögen.» So kenne er mittlerweile schon fast ganz Flawil. «Am schönsten ist es zu sehen, wenn früher der Vater mit seinen Kindern zum Essen kam und heute diese Kinder mit ihren Familien zu uns kommen.»

Gastronomie ist in der Krise


Doch es gibt auch traurige Momente:

«Es tut immer weh, wenn ein langjähriger Gast stirbt. Wenn jemand jede Woche mit seiner Frau zum Essen gekommen war und dann plötzlich alleine erscheint, dann schmerzt das»

Auch der «Eschenhof» hatte einige Krisen zu überstehen: «Es gab eine Zeit, da war das Restaurant immer voll – also habe ich ein zweites Restaurant in Flawil gekauft. Das hat aber nicht rentiert, weil die Gäste sich dann auf zwei Restaurants aufgeteilt haben und mehr Personal nötig war.»

Nicht reich aber «schön leben»

Die Gastroszene in Flawil wird immer kleiner. Die zweite Pizzeria im Dorf, das Restaurant Post, musste dem Neubau «Wohnen in der alten Post» am Bahnhofplatz weichen. Und auch das Restaurant Ochsen musste schliessen.

«Die Gastronomie ist überall in der Krise, aber in Flawil ist die Situation extrem»

Reich werde man mit Wirten nicht, doch er könne «schön leben».

Konkurrenz durch Imbiss- und Kebabbuden

«Die Essgewohnheiten haben sich verändert. Früher ging man einmal in der Woche mit der Familie essen, heutzutage macht man das nicht mehr.» Dazu kommt die Konkurrenz von Imbissbuden und Kebabständen. War die Pizza früher noch neu und unbekannt, ist sie heutzutage nichts Aussergewöhnliches mehr. Auch spüre man, dass Vereine und Firmen sparen müssten:

«Das klassische Weihnachtsessen gibt es kaum mehr und wenn, dann wird ein Catering organisiert»

Der «Eschenhof» ist grösstenteils ein Familienbetrieb, neben seiner Frau arbeitet auch der Sohn im Betrieb mit. Hinzu kommen noch drei Angestellte.

Lange Arbeitszeiten, kein freies Wochenende

Immer wieder reibt sich Ukgjini-Schriber die Augen. Die Arbeit in der Gastronomie sei anstrengend, sagt er. «Die Arbeitszeiten sind lang und es gibt fast keine freien Wochenenden.» Das macht auch die Nachfolgeregelung kompliziert.

«Meine Generation könnte die letzte sein, die noch wirtet.»

Auch für Ukgjini-Schriber wird die Nachfolgeregelung bald aktuell werden: Er ist 65 Jahre alt, könnte sich also pensionieren lassen. «Ich mache sicher noch etwas weiter.» Seine Frau müsse noch einige Jahre arbeiten, was danach komme, sei noch offen.

Eventuell übernehme der Sohn das Restaurant, doch sicher sei das noch nicht. Bis dahin wird der Wirt noch selber Hand anlegen. «Mir würde etwas fehlen, wenn ich die Gäste nicht mehr persönlich begrüssen könnte», sagt er und das Lachen ist zurück im Gesicht.