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Die Frau mit der gelben Schleife: Eine Uzwilerin kämpft für Katalonien

Sie trägt – fast ständig – die gelbe Schleife an ihrem Körper. Damit signalisiert Monika Diethelm-Knoepfel aus Uzwil Solidarität und Unterstützung für die Angehörigen der ehemaligen katalanischen Regierung, die in Gefangenheit oder im Exil leben.
Zita Meienhofer
Am «Diada suïssa» (Veranstaltung zum katalanischen Nationalfeiertag vom 11. September) traf Monika Diethelm-Knoepfel in Bern Marta Rovira (rechts), die Generalsekretärin der linksnationalistischen Partei ERC, die in Genf im Exil lebt. (Bilder: Privatarchiv)

Am «Diada suïssa» (Veranstaltung zum katalanischen Nationalfeiertag vom 11. September) traf Monika Diethelm-Knoepfel in Bern Marta Rovira (rechts), die Generalsekretärin der linksnationalistischen Partei ERC, die in Genf im Exil lebt. (Bilder: Privatarchiv)

Sie wollten ihre Unabhängigkeit, setzten sich dafür ein und fanden sich später im Gefängnis oder im Exil wieder. Die Rede ist von ehemaligen katalanischen Regierungsmitgliedern, die am 1. Oktober 2017 ein Unabhängigkeitsreferendum zur Abstimmung brachten, das zur Ausrufung einer unabhängigen Republik führte und letztlich die Entmachtung der Regierungsmitglieder durch die spanische Regierung brachte. Von der damaligen 14-köpfigen Regierung sitzen acht Personen immer noch im Gefängnis, der Präsident und vier weitere ehemalige Ratsmitglieder sind im Exil. Die spanische Regierung wirft ihnen Anstiftung zum Aufruhr und Rebellion vor, worauf bis zu 30 Jahre Haft stehen.

Monika Diethelm-Knoepfel aus Uzwil weilte im Oktober 2017 im Süden von Spanien, in Andalusien, in den Ferien. Aus den Medien erfuhr sie, was sich im Norden Spaniens, in Katalonien, ereignete. Da wurden katalanische Wähler von spanischen Polizisten verprügelt, wurden Urnen gestohlen, es herrschte Gewalt. «Diese Bilder waren für mich der Auslöser, mich für Katalonien zu engagieren», sagt sie rückblickend. Es sei inakzeptabel, so Monika Diethelm-Knoepfel weiter, dass Leute, die abstimmen gehen, von der Polizei verprügelt werden. Und das in einem Land, das der EU angehöre, das nur zwei Flugstunden von der Schweiz entfernt sei.

Im vergangenen April traf Monika Diethelm-Knoepfel in Lausanne einige Katalanen sowie Parlamentspräsident Roger Torrent (z.v.r).

Im vergangenen April traf Monika Diethelm-Knoepfel in Lausanne einige Katalanen sowie Parlamentspräsident Roger Torrent (z.v.r).

Von der Unabhängigkeit Kataloniens überzeugt

Seit jenem Oktober verfolgt die Uzwiler Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie die Geschehnisse in Katalonien sehr genau. Sie liest die katalanischen Zeitungen, ist auf dem sozialen Netzwerk Twitter aktiv und gehört deren Community «Foreign Friends of Catalania» an. Seit dem Frühling dieses Jahres ist sie Mitglied der ANC Schweiz (Assemblea Nacional Catalana), einer Bürgerinitiative, welche die Unabhängigkeit Kataloniens anstrebt und sich für dieses Ziel einsetzt. Monika Diethelm-Knoepfel ist klar der Überzeugung, dass Katalonien diese Unabhängigkeit erreichen wird, erhält ebenfalls Support von ihrem Gatten, Andreas. Während ihre drei erwachsenen Kinder dies als «Schnapsidee» erachten. Hingegen sind auch sie, wie ihre Mutter, der Auffassung, dass die Regierungsmitglieder freigelassen werden oder in ihre Heimat zurückkehren müssten. Doch sie weiss: «Madrid unternimmt alles, um eine Unabhängigkeit zu verhindern.» Weshalb? «Einerseits, weil die spanische Regierung der Ansicht ist, dass Spanien nicht teilbar ist – das sitzt in ihren Köpfen», sagt die Uzwiler Ärztin, «andererseits ist es die wirtschaftliche Situation, die Tatsache, dass Katalonien mehr Geld an Madrid liefert als es von Madrid bekommt.»

Täglich eine Stunde für die Katalanen

Etwa eine Stunde täglich wendet Monika Diethelm-Knoepfel für ihre Aktivitäten zu Gunsten der inhaftierten Katalanen auf. Sie liest die Neuigkeiten, schreibt Leserbriefe, Meinungen zu Artikeln, verfasst Texte auf Twitter und sendet Briefe an die gefangenen Regierungsmitglieder oder deren Angehörige. Inzwischen hat sie sich die katalanische Sprache angeeignet. Zudem nimmt sie immer wieder an Demonstrationen oder Treffen mit aktuellen katalanischen Regierungsvertretern oder anderen Aktivisten teil. Sie weilte im Frühling im Berlin auf einer Demonstration zur Freilassung der politischen Gefangenen sowie des Präsidenten Carles Puigdemont, ebenfalls im Frühling war sie für ein Treffen mit Parlamentspräsident Roger Torrent in Lausanne, im September traf sie in Bern die in Genf im Exil lebende Generalsekretärin der linksnationalistischen Partei ERC, Marta Rovira, und im Oktober weilte sie am Empfang für den aktuellen Präsidenten Kataloniens, Quim Torra, der in Genf an einer Konferenz teilnahm.

Antworten aus den Gefängnissen

Auf ihre Briefe, die sie den Gefangenen schreibt, bekommt sie auch immer wieder Antworten. «Briefe schreiben, das dürfen die Inhaftierten», erklärt Monika Diethelm-Knoepfel, «sie dürfen auch das Internet verwenden, allerdings nur sehr beschränkt. Es darf keine E-Mail versandt und es darf nichts ausgedruckt werden.» Auch die Besuchszeiten und der Kontakt zur Familie und zu den Angehörigen wird sehr kurz gehalten. Jordi Cuixart, 43-jährig, dessen Sohn bei seiner Verhaftung sechs Monate alt war, darf seine Frau und seinen Sohn pro Woche nur 40 Minuten, getrennt durch eine dicke Glasscheibe, sehen, gesprochen wird über eine Lautsprecheranlage. Für diesen Besuchstag, für den seine Frau Txell Bonet mit ihrem Sohn viele Monate von Barcelona nach Madrid reisen musste, war sie zwölf Stunden unterwegs. Zurzeit sind die Gefangenen, darunter auch die frühere Parlamentspräsidentin und zwei Aktivisten, in Katalonien inhaftiert, sodass die Besuchswege kürzer sind. Einer der eingesperrten Katalanen, Joaquim Forn, hat in einem Tagebuch seine Ereignisse in der Haft festgehalten und diese in Buchform publiziert – was wiederum erlaubt ist. Ebenfalls schrieben Forns Kinder sowie jene weiterer Gefangener ein Buch mit dem Titel «Früher sagte niemand, dass ich dich schätze» über die Gefühle, wenn der Vater, die Mutter inhaftiert ist.

Willkürliche Gründe, Verletzung der Menschenrechte

Mehr als ein Jahr sind nach der Gefangennahme dieser acht Personen vergangen und fast alle sind immer noch in Haft. Die Uzwiler Ärztin weiss, dass die Haft willkürlich erfolgte. Die spanische Regierung pocht jedoch darauf, dass Rebellion und Aufruhr die Gründe der
Inhaftierung seien. Monika Diethelm-Knoepfel und mit ihr etliche Strafrechtsexperten und Juristen aus verschiedenen europäischen Ländern sind da anderer Meinung. «Von katalanischer Seite wurde nie Gewalt angewendet, es war eine Abstimmung, wie sie in einem Land mit einer Rechtsordnung stattfinden soll», so die Aktivistin. Sie zieht einen schweizerischen Vergleich bei: «Es käme der Situation in Moutier gleich, wenn der Gemeinderat nach der Abstimmung über den Kantonswechsel inhaftiert worden wäre.»

Menschenrecht, Emigration und die Verfolgung von Menschen ist ein Thema, das Monika Diethelm-Knoepfel schon seit Kindheit bewegt, emigrierten doch ihre Mutter und Grossmutter – beide jüdischer Abstammung – während des Zweiten Weltkrieges in die Schweiz. Sie setzt mit ihrer Unterstützung zur Unabhängigkeit Kataloniens ein Zeichen, und trägt das Zeichen der Solidarität und Unterstützung täglich mit sich, der «Llaç groc» – die gelbe Schleife.

Geschehnisse in Katalonien

Am 1. Oktober 2017 wurde von der Regionalregierung Kataloniens ein umstrittenes Referendum über die Unabhängigkeit der Region zur Abstimmung gebracht. Nach der erfolglos gebliebenen Volksbefragung im 2014 verfolgte die Regionalregierung zum zweiten Mal ein Unabhängigkeitsreferendum. Das spanische Verfassungsgericht hatte die Abstimmung zuvor für rechtswidrig erklärt, da die spanische Verfassung keine Abstimmungen über die Unabhängigkeit einer autonomen Gemeinschaft vorsieht. Die Regierung in Madrid versuchte, die Befragung mit Berufung auf deren mangelnde Rechtsgrundlage zu verhindern. Die katalanische Unabhängigkeitsbewegung berief sich auf ein Gesetz, das vom Regionalparlament in einer umstrittenen Abstimmung knapp beschlossen wurde. Ein solches Referendum war ein zentrales Wahlversprechen der bei den Regionalwahlen von 2015 mit knapper Mehrheit gewählten katalanischen Regierungsfraktionen. Nach der Abstimmung meldeten die katalanischen Behörden eine Wahlbeteiligung von 42,3 Prozent sowie eine Zustimmung zur Unabhängigkeit von rund 90 Prozent. Die unabhängige Prüfung dieser Zahlen war wegen der Umstände nicht möglich. Das Referendum führte zu einer Verfassungskrise, der einige Wochen später erfolgten Ausrufung einer unabhängigen Republik und der anschliessenden Entmachtung der katalanischen Regierung durch die spanische Regierung sowie Neuwahlen des Regionalparlaments im Dezember 2017. Ende Januar/Anfang Februar– so die Vermutungen – sollten die Prozesse gegen die neun politischen Gefangenen (sechs Regierungsmitglieder, zwei Aktivisten sowie die ehemalige Parlamentspräsidentin) und drei weiteren Angeklagten (frühere Minister, die gegen Kaution und mit Passsperre auf freiem Fuss sind) stattfinden. Dieser wird etwa zwei bis drei Monate dauern. Ob das Urteil sofort verkündet wird oder erst nach den Europawahlen Ende Mai, ist noch unklar. (pd/zi)

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