Die FDP steht zum Projekt Bergholz

An einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung der FDP-Ortspartei Wil sind verschiedene Standpunkte zum Bergholz-Projekt diskutiert worden. Im Anschluss daran sprachen sich die Freisinnigen grossmehrheitlich für ein Ja zum geplanten Sportpark aus.

Silvan Meile
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Die Parteileitung der FDP lud Mitglieder und Sympathisanten am Mittwochabend im Restaurant Schwanen zu einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung ein. Der Abend stand ganz im Zeichen der bevorstehenden Volksabstimmung zur Bergholz-Vorlage. Als Befürworter traten Martin Schär, Co-Präsident des Komitees Pro Sportpark Bergholz, sowie Stadtparlamentarier Christoph Hürsch auf.

Ihnen gegenüber standen die beiden Vertreter «für ein bezahlbares neues Sportprojekt», Werner Anderegg und Alexander Schwarz.

Einleitend machte FDP-Ortsparteipräsident Jigme Shitsetsang klar, dass es sich bei der bevorstehenden Abstimmung nicht um einen Abstimmungskampf zwischen dem linken und dem rechten Lager handle. Seinen Mitgliedern dienten die Pro- und Kontra-Stellungnahmen zur Meinungsbildung.

Im Anschluss an die Erläuterungen der Referenten beteiligten sich die Freisinnigen an einer offenen Diskussion.

Aus der Sicht der Kommission

Christoph Hürsch sprach als Präsident der vorberatenden Kommission des Stadtparlaments zur 57,5 Millionen Franken teuren Bauvorlage. Im vorliegenden Projekt «werden die grundlegenden Anforderungen erfüllt – nicht mehr», so Hürsch. Auch die Finanzierung sei mit sechs Steuerprozenten zu bewerkstelligen.

Bei der Verwendung der 18 Millionen Eigenkapital der Stadt «in sinnvollen Raten» könne die Steuererhöhung auch tiefer ausfallen, erläuterte Hürsch. Auch müssten dadurch auf keine anderen Investitionen verzichtet werden. Der Vertrag mit dem zuständigen Totalunternehmer versichere, dass der Sportpark zum vereinbarten Preis gebaut werde.

Den Mitgliedern der FDP wurden in seinen Ausführungen die Vorteile des Minergie-Standards mit einem mit Biogas betriebenen Blockheizkraftwerk und der Solarenergie und den genutzten Synergien zwischen Eishalle und Hallenbad vor Augen geführt.

«Die Kosten sind explodiert»

«Wir wollen nicht etwas anderes, sondern sind skeptisch gegenüber dem Projektverlauf», sagte Alexander Schwarz einleitend zu seinen Erläuterungen.

Das Problem sei hauptsächlich die Finanzierung und die «Kostenexplosion», die in den vergangenen Jahren stattgefunden habe. Dazu zeigte er die Kostenentwicklung seit dem Jahr 2004 auf. Damals seien die finanziellen Aufwendungen für ein Projekt auf 31,45 Millionen Franken berechnet worden. Im 2007, «nachdem die Bedürfnisse erweitert wurden», seien die Kosten auf 46,7 Millionen Franken geschätzt worden, was ursprünglich als Kostendach definiert wurde. Das heute vorliegende Projekt mit Minergie-Standard beläuft sich auf 57,5 Millionen Franken.

«Selbst der Stadtrat erschrak aufgrund dieser Kostenentwicklung», so Schwarz. Alle drei Komponenten, Fussballstadion, Eishalle und Hallenbad, haben diesen Anstieg ausgelöst. «Die Kostensprünge sind nicht dort passiert, wo der Breitensport beteiligt ist», bemängelte Schwarz und verwies beispielsweise auf die seit 2004 um 50 Prozent gestiegenen Kosten für das Challenge-League-taugliche Fussballstadion; bei der Eishalle errechnete er sogar 63 Prozent Mehrkosten gegenüber den ersten Berechnungen.

«Unser Komitee vermisst es, dass diese Kostenexplosion nicht hinterfragt wurde. Aufgrund dieser Kostensteigerung hätte ein neues Finanzierungsmodell gemacht werden müssen», erklärte Schwarz weiter. Es gehe ihm nicht darum, das Projekt «zu Tode zu kürzen». Doch aufgrund Sachzwängen seien die Kosten ausser Acht gelassen worden. «Das grosse, komplexe Thema war wohl eine Überforderung für das Stadtparlament», so Schwarz. Für Werner Anderegg ist die lange Abschreibungsdauer von 35 Jahren «total absurd».

Er errechnete insgesamt rund 20 Millionen Franken an anfallenden Zinskosten, was dem Volk verschwiegen werde. Schwarz vermerkte, dass eine derart lange Abschreibungsdauer für einen solchen Bau unüblich sei und dadurch die nächste Generation das Projekt noch immer abbezahle.

FDP sagt grossmehrheitlich Ja

Christoph Hürsch erläuterte bereits zu Beginn seiner Ausführungen, dass sich der Aufwand an Abschreibungen der Stadt auch mit dem Projekt Bergholz im Vergleich zu jenen der letzten zehn Jahre bewege.

Die 35-jährige Abschreibungsdauer fände auf den Gebäuden statt. Bei Technik und Installationen seien es deren 20. Schär wies darauf hin, dass der prognostizierte Zinssatz von 2,6 Prozent aktuell um etwa 0,7 Prozent unterschritten werden könnte. Zur Kostenentwicklung fügte Hürsch an, dass beispielsweise im Projekt des Jahres 2004 mit der bestehenden Eisfläche gerechnet wurde. Das geplante Projekt sei ein Produkt, das auf Herz und Nieren geprüft wurde. Viel billiger werde es auch mit der Verkleinerung einzelner Komponenten nicht.

Ausserdem würde dies den Neubeginn der Planungsarbeiten bedeuten.

Bei der anschliessenden Parolenfassung der FDP-Mitglieder entschieden sich diese grossmehrheitlich, bei wenigen Enthaltungen, für ein Ja zur Abstimmungsvorlage vom 28. November.

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