«Die Expo steht für Aufbruch»

Die beiden St. Galler Ständeräte Karin Keller-Sutter (FDP) und Paul Rechsteiner (SP) stehen hinter der Expo 2027. Sie denken bereits weiter und können sich vorstellen, dass die Landesausstellung die Ostschweiz politisch verändert.

Philipp Haag
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Expo im Fokus: Die Ständeräte Karin Keller-Sutter (2. v. l.) und Paul Rechsteiner (r.) mit Architekt Markus Schaefer (l.) und Moderator Kaspar Surber. (Bild: Philipp Haag)

Expo im Fokus: Die Ständeräte Karin Keller-Sutter (2. v. l.) und Paul Rechsteiner (r.) mit Architekt Markus Schaefer (l.) und Moderator Kaspar Surber. (Bild: Philipp Haag)

WIL. Der Ostschweiz fehlt es an Selbstbewusstsein, es fehlt ihr an einer Identität, am verbindenden Element. Dieses Manko beseitigen kann die Expo 2027. Darin sind sich die Wiler Ständerätin Karin Keller-Sutter (FDP) und ihr St. Galler Amtskollege Paul Rechsteiner (SP) einig. «Die Expo ist eine Chance für die Ostschweiz», sagte Karin Keller-Sutter am Donnerstagabend im Gare de Lion in Wil. Eine Chance, die interkantonale Zusammenarbeit zu verbessern, «welche politische Konsequenzen haben kann». Ob sie einen Kanton Ostschweiz meinte, liess Karin Keller-Sutter offen.

Ostschweiz neu definieren

Dass die Expo nachhaltig nachwirken kann, ist auch die Meinung von Rechsteiner. «Sie steht für Aufbruch und kann Teil eines Programms sein, die Ostschweiz neu zu erfinden.» Die Bundesparlamentarier sind von einer raumübergreifenden Landesausstellung in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden überzeugt. Das vorliegende Konzept mit den drei Landschaften sowie den drei Bahnringen (siehe Kasten) sagt ihnen zu. «Es zeigt die Vielfalt der Ostschweiz auf», sagte Karin Keller-Sutter. Obwohl erst ein Grobkonzept steht, vermisst Rechsteiner den Einbezug der Kultur und der Wirtschaft. Auch wünschen sich die beiden Mitglieder der kleinen Bundeskammer, dass der Horizont etwas geöffnet wird, die (Landes-)Grenze überwunden und das Vorarlberg sowie der süddeutsche Raum – falls gewünscht – in die Planung einbezogen werden.

Bogen zu Metropolitanraum

Von der Expo schlugen die beiden Politiker den Bogen zu dem von ihnen lancierten Metropolitanraum St. Gallen-Bodensee, welcher in etwa das gleiche Gebiet wie die Expo umfassen soll, vom Kanton Thurgau allerdings abgelehnt wird. Rechsteiner gibt aber noch nicht auf: «Vielleicht schaffen wir es, den Thurgau über die Expo ins Boot zu holen.» Denn für die beiden Bundesparlamentarier ist der Metropolitanraum das Vehikel der Zukunft, um Bundesgelder abzuholen. «Die Mittel fliessen in Zukunft in funktionierende Räume», sagte Karin Keller-Sutter, «und die Mittel werden knapper.» Ähnlich wie bei der Expo ist für die Wiler Ständerätin der Metropolitanraum ein Instrument zur Bildung einer Ostschweizer Identität als auch eine Frage des Selbstbewusstseins. «Wir können doch nicht zufrieden sein, als Vorhof von Zürich betrachtet zu werden.»

«Eine charmante Idee»

Dass die Expo 2027 erst einer Vision gleicht, allerdings einer, welche zwar Traditionen der Ostschweiz aufnimmt, sich um Konventionen aber nicht kümmert und angeblich In-Stein-Gemeisseltes über Bord wirft, begrüssen die beiden Bundesparlamentarier. So kann sich Karin Keller-Sutter mit dem Expo-Zentrum in St. Gallen-Winkeln anfreunden, findet es gar eine spannende Idee. «Winkeln als zentraler Punkt ist eine charmante Lösung.» Auch Rechsteiner findet den Vorschlag gewagt, gar schräg, «aber charmant». Dass die Expo realisiert wird, dafür ist nun seitens der (kantonalen) Politik Überzeugungsarbeit gefordert. Im Kanton St. Gallen und im Thurgau stimmt das Volk im nächsten Jahr über den jeweiligen Anteil von fünf respektive drei Millionen Franken am Projektierungskredit ab. Wenn dieser Startschuss misslinge, sei die Expo 2027 ziemlich sicher erledigt, sagte Rechsteiner, «denn in Bern wartet niemand auf die Ostschweiz».

Die Expo 2027 soll durch die Bahn erschlossen werden. (Bild: pd)

Die Expo 2027 soll durch die Bahn erschlossen werden. (Bild: pd)

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