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Die Essenz des Seins – Leben!

An der Lesung bei «Sommer im Feld» in Flawil machten sich zwei Lyrikerinnen Gedanken zur Essenz des Seins.
Michael Hug
Margot Buchert (links) und Cornelia Buder zitierten am Freitagabend zur «Essenz des Seins». Bild: Michael Hug

Margot Buchert (links) und Cornelia Buder zitierten am Freitagabend zur «Essenz des Seins». Bild: Michael Hug

«Wer sind wir – was tun wir – wo wollen wir hin? Das sind die drei Fragen, die wegweisend sind für unsere gemeinsame Reise zu den Essenzen des Seins!» So begann der Leseabend beim «Sommer in Feld» am Freitagabend vor der evangelischen Kirche von Flawil. «Die Essenzen des Seins» wollte man also suchen, das Wahre am Leben, der Sinn ebendieses. Die Essenzen des Seins, das sei auch angemerkt, gibt es gemäss dem Ethnologen Alex Neuenfeld («Es ist nichts anderes als ein Spiel mit Worten») nicht wirklich.

«Noch einmal!»

Cornelia Buder und Margot Buchert versuchten es mit eigenen und geliehenen Texten trotzdem. Buder: «Bedenkenlos springen wir auf das Trittbrett der Zeitmaschine. Lassen uns mitreissen von dem Erlebnisrausch der Geschwindigkeit. Die Schmetterlinge im Bauch rufen: Noch einmal! Noch einmal!»

Margot Buchert zitierte die Lyrikerin Rose Ausländer (1901– 1988): «Wir drehen uns im Kreis, wir hasten, eilen, flitzen, rennen, sausen, bis wir, gleichgeworden, den Kater mit uns tanzen lassen. Ohne es zu merken, taumeln wir dem Ausgang zu – da war doch noch was – da war doch noch – da war doch – da war...»

Wie man einem Elch eine Gasmaske verkauft

Damit die Worte sich setzen lassen konnten, improvisierte Urs C.Eigenmann auf dem E-Piano zwischen den Erläuterungen der beiden Leserinnen. Zwischendurch plätscherte fröhlich das Brünnlein im Park vor dem Vorplatz der Kirche. Aus der Ferne hörte man Kinder spielen und das Odeur gebratener Würste wehte aus den Vorgärten der Häuser rund um den Platz. Es herrschte eine schöne, eine richtige Sommerabendstimmung im Feld, wenn auch etwas kühl.

Ebenso kühl und ohne bemerkbare Gefühlsregungen zitierten Margot Buchert und Cornelia Buder aus Selbst- und Fremdgeschriebenem. Buchert erzählte die Geschichte vom Verkäufer und vom Elch (Franz Hohler: «Wie man einem Elch eine Gasmaske verkauft»). Die Geschichte endet ziemlich tragisch für die finnischen Elche, müssen sie doch Gasmasken kaufen, und zwar genau von jener Firma, die beim Herstellen der Gasmasken derart viel Luft verpestet, dass es eben Gasmasken braucht zum Überleben.

«Das nennt man Demut»

Das kann bestimmt nicht die Essenz des Seins sein, denkt’s im Publikum, das mit seiner etwas spärlichen Aufwartung wohl nicht allzu viel erwartete vom Abend. Es folgte ein bluesiges Piano-Intermezzo von Eigenmann. Zeit, sich die Zynik der Geschichte durch den Kopf gehen zu lassen.

Dann zitierte Cornelia Buder aus dem berühmt gewordenen Gedicht der amerikanischen Autorin Kim McMillen («When I Loved Myself Enough»): «Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt: Das nennt man Demut.»

Für das Zuhause

Das letzte Epigramm aus diesem Gedicht nahmen die Zuhörenden mit nach Hause: «Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten, denn gar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten. Heute weiss ich: Das ist Leben!» Oder die Essenz des Seins – falls es sie gibt.

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