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Die erste Schweizerschule in China

Matthias Müller, Peking

Peking Zusammen mit Yvonne Gerig, die seit mehr als 20 Jahren in China lebt und fliessend Chinesisch spricht, baut Cécile Ottiger nun die Schweizerschule in Peking auf. Es ist die erste schweizerische Schule im Reich der Mitte, die vom Schweizer Staat finanziell unterstützt und anerkannt wird. Am 8. Dezember hat der Bundesrat die vorerst bis 2020 befristete Anerkennung beschlossen. Erstmals seit 50 Jahren, seit der Eröffnung der Schule in Singapur, wird damit eine Schweizerschule in einem Land eröffnet, in dem es bisher noch keine gegeben hat.

Patronatskanton ist Zürich, das für weitere fünf Schweizerschulen zuständig ist. Er hilft, den Lehrplan zu erstellen, Lehrkräfte einzustellen, deren Weiterbildung sowie die Qualitätssicherung der Schule zu sichern. Es gibt dabei ein Kuriosum: Die Schule in Peking unterrichtet bereits auf Basis des Lehrplans 21 und ist somit ihrem Patronatskanton voraus. Im Kanton Zürich wird der neue Lehrplan erst auf das kommende Schuljahr in Kraft treten.

Der Betrieb an der im Norden Pekings gelegenen Schule ist – noch – überschaubar. Derzeit betreuen Yvonne Gerig und Cécile Ottiger acht Kinder im Alter zwischen vier und neun Jahren. Sie kommen alle aus Familien, in denen ein Elternteil Chinesisch oder Taiwanisch ist. «In Deutsch haben sie Nachholbedarf», sagt Gerig, die zuvor unter anderem den deutschen Botschaftskindergarten in Peking geleitet hat. Da es in China üblich ist, dass sich auch die Grosseltern um die Enkelkinder kümmern und es oftmals ein Hausmädchen, gibt, sprechen die Kleinen fast nur Chinesisch.

Behutsam führen Yvonne Gerig und Cécile Ottiger die Buben und Mädchen an die deutsche Sprache heran. An der Wand hängen Bilder aus dem Büchlein «Adventskalender für Erstleser», in dem der Esel Muli die Weihnachtsgeschichte erlebt. So lernen die Kleinen Deutsch und werden in die christlich-abendländische Kultur eingeführt. Ein wenig Heimat ist im Klassenzimmer ebenfalls zu finden: Von der Decke baumeln selbst gebastelte Kuhglocken aus Packpapier herab.

Yvonne Gerig und Cécile Ottiger haben eine klare Strategie, wie sie die Kinder unterrichten. «Die Zeiten, als man den Schülern das Wissen eintrichterte, sind vorbei», erklärt Yvonne Gerig. Stattdessen legen sie Wert darauf, den Kindern Kompetenzen beizubringen. Sie sollen während des Unterrichts kritisch diskutieren und Hypothesen aufstellen. Die Fragen der Kinder seien jedoch manchmal so schwierig zu beantworten, dass sie sie auf den nächsten Tag vertrösten müsse, sagt Yvonne Gerig mit einem Augenzwinkern.

Angegliedert ist die Schweizerschule an die Western Academy Beijing (WAB) – eine von zwei nichtgewinnorientierten privaten Bildungseinrichtungen in Chinas Hauptstadt. Die Bedingungen sind ideal: Auf dem weitläufigen Gelände gibt es Sportplätze, ein Hallenbad, ein Theater, Labors, Bastel- und Tanzstudios, eine Lernküche sowie Spielplätze. Die Kleinen wachsen in einem internationalen Umfeld auf: Neben dem Klassenzimmer der Schweizerschule wird auf Englisch unterrichtet. Die Mädchen und Knaben kennen sich und spielen miteinander.

Yvonne Gerig ist optimistisch, dass sich immer mehr Eltern für die Schule erwärmen werden; das Schweizer Bildungssystem geniesst auch in China einen guten Ruf. Zudem können sie nun vorbeischauen, sich mit den Lehrerinnen unterhalten und die Räumlichkeiten inspizieren. Vor der Eröffnung hätten die Eltern quasi die Katze im Sack kaufen müssen, erklärt sie. Allerdings ist es Kindern ausschliesslich chinesischer Eltern verboten, die Schweizerschule zu besuchen, da diese eine internationale Schullizenz hat. Würde der Staat den Besuch erlauben, könnten sie sich vor Anfragen kaum noch retten, meint Yvonne Gerig. Das Verbot dürfte einen einfachen Grund haben: Die an Schweizerschulen gelebten Werte wie selbständiges Lernen, Eigeninitiative und Kreativität sind Chinas Machthabern suspekt.

Matthias Müller, Peking

Hinweis

Matthias Müller berichtet für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) aus Peking. Dieser Text ist ein Teil aus seinem Artikel «In Peking stehen Eigeninitiative und Kreativität im Lehrplan», erschienen am 6. Januar 2018.

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