Die Entwicklung der Regio Wil geht weiter: Das Zukunftsbild reicht bis ins Jahr 2040

Vom 16. September bis zum 4. Dezember 2020 ist das Agglomerationsprogramm 4 der Regio Wil in der Vernehmlassung. Mitte September 2021 geht es an den Bund. Die Zahl der neuen Massnahmen wird bewusst kleiner gehalten als bei den vorherigen Programmen.

Hans Suter
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Das Entwicklungsgebiet Wil West ist ein regionaler Schwerpunkt und liegt auf Gemeindegebiet von Münchwilen, Sirnach und der Stadt Wil.

Das Entwicklungsgebiet Wil West ist ein regionaler Schwerpunkt und liegt auf Gemeindegebiet von Münchwilen, Sirnach und der Stadt Wil.

Bild: Hanspeter Schiess
und Urs Bucher

Wie sieht es in den 22 Gemeinden der Regio Wil in 20 Jahren aus hinsichtlich Siedlung, Landschaft und Verkehr? Wie und wo leben, arbeiten und konsumieren wir dann? Wie steht das im Einklang mit Umwelt, Klima und Erholung? Wie wird sich unsere Mobilität gestalten in den Bereichen Motorisierter Individualverkehr (MIV), Öffentlicher Verkehr (ÖV) und Langsamverkehr (LV)?

Antworten darauf finden sich in den Agglomerationsprogrammen (AP) der 2. und 3.Generation. Und neu im Aggloprogramm 4.Generation (AP 4G). Am Montagabend wurde es vorgestellt von Anne Rombach-Jung, Geschäftsstellenleiterin der Regio Wil, sowie den Projektverfassern Markus Hofstetter und Milena Meier vom Planungsunternehmen Kontextplan. Das AP 4G ist ab heute bis zum 4. Dezember in der öffentlichen Vernehmlassung. Sein Einflussbereich reicht von Aadorf bis Oberbüren und von Lommis bis Lütisburg.

Agglomerationsprogramm 5 erscheint bereits am Horizont

Neben der Weiterführung der Agglomerationsprogramme 2. und 3. Generation hat die 4. Generation schon die nächste im Blick: Mit den Konzeptarbeiten zur kombinierten Mobilität oder den Velovorrangrouten werden bereits Grundlagenarbeiten für die 5. Generation geleistet. Die Massnahmen zum Thema Lokalklima und Biodiversität legen zudem erste Grundpfeiler zur zukünftigen Gestaltung der Siedlungen in der Region. Das Agglomerationsprogramm 5. Generation entfaltet seine Wirkung allerdings erst in etwa zehn Jahren. Das ist noch weit weg, unterstreicht aber genau damit, dass die harmonische Entwicklung der Region in ihren verschiedensten Facetten nur gemeinsam und vorausschauend angegangen werden kann. (hs)

Das AP 4G fokussiert sich in erster Linie auf die kontinuierliche Weiterführung der Vorgängerprogramme. In Stichworten bedeutet das konkret: Zentrumsstrukturen differenziert stärken, die Innenentwicklung fördern, den Arbeitsstandort etablieren, das Verkehrssystem effizient und sicher gestalten und nutzen sowie die landschaftlichen Strukturen gezielt schützen, vernetzen oder für den Langsamverkehr erschliessen.

Ein Grundpostulat der Raumplanung ist die Abstimmung von Siedlung und Verkehr. Beim AP2 und AP3 fokussierte man sich dabei räumlich auf die drei Schwerpunktgebiete Entwicklung Wil West (auf Landflächen in Münchwilen, Sirnach, Wil), Zentrumsentlastung Wil und die Entwicklung am Bahnhof Wil. Neu bildet auch das Zentrum Uzwil ein Schwerpunktgebiet.

27 A-Massnahmen vorgesehen mit Umsetzungsbeginn bis 2028

Insgesamt werden mit dem AP 4G 27 A-Massnahmen eingegeben, davon sind neun Langsamverkehr-Massnahmen. Die Umsetzung dieser Massnahmen muss bis im Jahr 2028 erfolgen. Weiter werden zehn B-Massnahmen (Umsetzungshorizont bis 2032) und elf C-Massnahmen (Umsetzungshorizont bis 2036) eingegeben. Zudem wurden die Kernmassnahmen aus dem AP 3 bezüglich Wirkung, Prozess und Umsetzung weiterentwickelt.

Neben den Infrastrukturmassnahmen werden mit dem AP 4G auch neue nicht infrastrukturelle Massnahmen eingegeben, welche konzeptionelle Grundlagenarbeiten in den Themen Freiraum- und Landschaftsplanung, Biodiversität, kombinierte Mobilität (Fokus Umsteigepunkte, E-Ladestationen, elektrobetriebene fahrzeugähnliche Geräte/Fahrzeugverleih) und Vorrangrouten Velo enthalten. Der Horizont für das Zukunftsbild ist nun bis auf das Jahr 2040 ausgerichtet und bildet alle relevanten Wirkungen ab.

Die Essenz der Handlungsfelder auf einen Blick

Aufgrund der Analyse und der Trendbeobachtungen in den Bereichen Siedlung und Versorgung, Landschaft sowie Mobilität und Verkehrssicherheit konnte im Abgleich mit einer Swot-Analyse (Stärken/Schwächen, Chancen/Risiken) in den nachstehenden Bereichen spezifischer Handlungsbedarf ausgemacht werden.

Siedlung: Leben, Arbeit und Konsum

Bild: PD
  •  Für die Agglomeration Wil wird für 2040 ein Bevölkerungszuwachs von 11000 bis 15000 Einwohnerinnen und Einwohnern prognostiziert. Aktuell hat die Region Bauzonenreserven für 9000 Personen. Mit dem Innenentwicklungspotenzial kann ein grosser Teil der Differenz abgefangen werden. Es werden rund 8000 zusätzliche Beschäftigte erwartet. Ungenutzte und unternutzte Flächen sowie Brachen können flächenmässig entsprechende Arbeitsstätten bereitstellen.
    Handlungsbedarf: Innenentwicklung, Arbeitszonenmanagement/ Ansiedlungsmanagement.
  • Die Verkehrsintensiven Einrichtungen (VE) für Publikum, Gewerbe und Beschäftigte liegen mal mehr (Uzwil) und mal weniger (Wil, Sirnach, Kirchberg, Jonschwil) zentral und sind grundsätzlich eher gut mit dem ÖV erreichbar. Insbesondere die Verkaufseinrichtungen sollten vermehrt in den Zentren konzentriert werden, um diese zu stärken. Dies fördert die lokale und regionale Wirtschaft, die Identität und damit auch die Lebensqualität der ganzen Region.
    Handlungsbedarf: Stärkung der Siedlungsstrukturen.

Landschaft: Umwelt, Klima und Erholung

Bild: Hanspeter Schiess
  • Die Landschaft steht unter Druck. Die strukturprägenden Landschaftskammern der Region sollen langfristig geschützt und ihre Funktion als Vernetzungselemente gestärkt werden.
    Handlungsbedarf: Siedlungsgebiet begrenzen, Vernetzung und Biodiversität fördern.
  • Die Umweltbelastung der Region konnte insbesondere im Bereich Lärm leicht reduziert werden, ist jedoch langfristig zu hoch. Handlungsbedarf: Mobilitätsmanagement, Verkehrsmanagement, Gestaltung Strassenräume, Biodiversität fördern, lokales Klima steuern.
  • Die Region verfügt im und ausserhalb des Siedlungsgebietes über eine grosse Vielfalt an Natur- und Naherholungsräumen.
    Handlungsbedarf: Gezielte Aufwertung, Erschliessung und Schutz.

Verkehr: Motorisierter Individualverkehr, ÖV und Langsamverkehr

Bild: PD
  • Die Region ist auf allen Hauptachsen sehr gut erschlossen. Grundsätzlich ist eine Überlastung des Verkehrssystems zu Hauptverkehrszeiten festzustellen.
    Handlungsbedarf: Mobilitätsmanagement, Verkehrsmanagement, Infrastrukturausbau.
  • Die Mobilität ist stark linear konzentriert. Ein grosses Potenzial liegt in der kombinierten Mobilität.
    Handlungsbedarf: Multimodale Drehscheiben und Reiseketten optimieren.
  • Die Sicherheit des Fuss- und Veloverkehrs konnte deutlich verbessert werden. Noch bestehen Lücken und Potenziale im regionalen Netz.
    Handlungsbedarf: Ausbau und Aufwertung der LV-Infrastruktur, Gestaltung von Strassenräumen.
  • Das ÖV-Angebot konnte an einigen Stellen wesentlich ausgebaut werden, an anderen sowie im Bereich Betriebsstabilität besteht noch Potenzial.
    Handlungsbedarf: Busbeschleunigung und Planung.

Als viertes Handlungsfeld wurde für Schwerpunkträume der spezifische Handlungsbedarf festgehalten.

Sämtliche Unterlagen sind einsehbar unter: www.regio-wil.ch/projekte