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Die eigenen Wurzeln kennen

WIL. Was heisst Schokolade auf russisch? Und wie feiert man in Russland Weihnachten? Im HSK-Russisch-Unterricht, der seit Januar in Wil angeboten wird, erhalten Kinder mit russischsprachiger Herkunft Antworten auf diese und andere Fragen.
Ursula Ammann
Lehrerin Anastasiia Mazza übt mit den Schülerinnen Janina Bischofberger (links) und Carmela Nocita (rechts) das Einkaufen auf Russisch.

Lehrerin Anastasiia Mazza übt mit den Schülerinnen Janina Bischofberger (links) und Carmela Nocita (rechts) das Einkaufen auf Russisch.

«Ja chatschu kupit schokolad (Ich möchte Schokolade kaufen)», sagt die 6jährige Janina, während sie das Kärtchen mit den kyrillischen Buchstaben und dem Schokoladebild in die Höhe hält und ihre 7jährige Kollegin Carmela zum Verkauf auffordert. Janina und Carmela sind zwei von neun Kindern, die jeweils am Mittwochnachmittag den HSK-Russisch-Unterricht (siehe Box) im Oberstufenschulhaus Sonnenhof besuchen. Der Unterricht ist seit Januar vom Bildungsdepartement anerkannt. Organisiert wird er vom Russischen Kulturverein Wil. Dieser freut sich über die Unterstützung vom Bildungsdepartement und der Stadt Wil bis hin zur Schulleitung und dem Hauswart. Das Geld für den Unterricht müssen die Eltern zwar selbst bezahlen (10 Franken pro Kind und Stunde), dafür wird der Unterrichtsraum kostenlos zur Verfügung gestellt. Zudem dürfen die Noten zweimal jährlich ins Zeugnis der Regelklasse eingetragen werden.

Gefühle besser ausdrücken

Das Unterrichtsangebot richtet sich an Kinder mit russischsprachigen Wurzeln. In der Stadt Wil gibt es rund 20 Familien, in denen mindestens ein Elternteil Russisch spricht. In der Region sind es noch mehr. Die Kinder sind fast alle hier geboren. Meist ist der Vater deutschsprachig und die Mutter russischsprachig (aus Russland, Weissrussland oder der Ukraine). Im Unterricht lernen die Kinder die russische Sprache und Kultur kennen. Das sei sehr wichtig, betont Natalia Weber, Präsidentin des Russischen Kulturvereins und Koordinatorin des HSK-Russisch-Unterrichts. «Die Kinder müssen im Umgang mit ihren Wurzeln ein Selbstvertrauen entwickeln.» Oft würden sie sich nicht trauen, russisch zu sprechen: Unter anderem, weil sie nicht geübt sind darin. Zudem anerkennen die Kinder die Sprache in der Gemeinschaft besser als alleine von der Mutter. Im Russisch-Unterricht lernen Schüler und Schülerinnen ganz offiziell in der russischen Sprache zu lesen und zu schreiben. Wohlverstanden nach dem kyrillischen Alphabet, das für die Kinder schon deshalb aufregend ist, weil es ein bisschen nach Geheimsprache aussieht. Dass die Kinder Russisch lernen, habe auch einen emotionalen Wert, erklärt Natalia Weber. Gerade was die Kommunikation in der Familie betrifft. Denn auch wenn eine Mutter gut Deutsch spricht, fällt es ihr leichter, ihre Gefühle gegenüber dem Kind in der eigenen Muttersprache auszudrücken. Nicht zuletzt bildet die Mehrsprachigkeit aber auch ein Potenzial, das die Schüler später beispielsweise bei der Stellensuche nutzen können.

Frag die Kosmonauten

Teils werde den Kindern schon etwas Disziplin abverlangt, sagt Natalia Weber: Der Unterricht findet nämlich am schulfreien Mittwochnachmittag statt. Trotzdem mache es den Kindern Spass. Und diese können nun nicht nur mit den Grosseltern in Russland telefonieren, sondern werden mit etwas Glück auch im Weltall gehört. Im Rahmen des Projekts «Stell den Kosmonauten eine Frage» können Russisch-Schülerinnen und -Schüler aus der ganzen Welt mit den russischen Kosmonauten Anton Schkaplerov, Oleg Kanonenko und Anatolij Ivanischin Kontakt aufnehmen. Die besten Fragen werden beantwortet. Direkt aus dem All.

Natalia Weber, Präsidentin des Russischen Kulturvereins Wil (Mitte, sitzend), mit Eltern, Schülern und Lehrkräften. (Bilder: uam.)

Natalia Weber, Präsidentin des Russischen Kulturvereins Wil (Mitte, sitzend), mit Eltern, Schülern und Lehrkräften. (Bilder: uam.)

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