Die eigenen vier Wände im Heim: Die Thurvita passt ihr Angebot den veränderten Bedürfnissen an

Die Thurvita setzt auf Alterswohnungen als Zukunftsmodell. Die Pflegewohnung Thurhof wird deshalb geschlossen.

Gianni Amstutz
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Das Alterszentrum Sonnenhof soll saniert und umgebaut werden.Bild: Urs Bucher

Das Alterszentrum Sonnenhof soll saniert und umgebaut werden.Bild: Urs Bucher

«Die Leute wollen heutzutage möglichst lange selbstbestimmt leben», sagt Alard du Bois-Reymond, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Thurvita AG. Konkret äussert sich dieses Bedürfnis darin, dass klassische Heimplätze weniger stark gefragt sind.

Rund 10 bis 15 solcher Plätze konnten bei der Thurvita seit mehreren Jahren jeweils nicht mehr belegt werden. Jetzt reagiert das Unternehmen und passt sein Angebot den veränderten Bedürfnissen an.

13 klassische Heimplätze verschwinden

Die Pflegewohnung Flurhof mit ihren 13 Heimplätzen wird im Laufe des ersten Halbjahres 2020 geschlossen. Der Mietvertrag mit der Genossenschaft für Alterswohnungen (GAW), der Eigentümerin der Liegenschaft «Flurhofstrasse 5», wird nicht über das Jahr 2020 hinaus verlängert. Für die zehn Kunden sowie die 14 Mitarbeiter des Flurhofs würden Lösungen in anderen Betrieben der Thurvita gesucht, heisst es in der Mitteilung. Der genaue Zeitplan für die Schliessung der Pflegewohnung stehe noch nicht fest. Thurvita nehme sich bewusst Zeit und lege Wert darauf, dass die Umsetzung gut gelingt.

Mit diesem Schritt verkleinert sich das Angebot der Thurvita an klassischen Heimplätzen von 242 auf 229. Eine Tendenz, die sich gemäss du Bois-Reymond noch weiter verstärken wird. Ganz verschwinden würden klassische Heimplätze zwar nicht, da ein Grundbedarf an solchen bestehe. Aber: «Wir werden nicht weiter in diesen Bereich investieren.»

Die Zukunft der Altersversorgung verortet Alard du Bois-Reymond andernorts: einerseits in spezialisierten Pflegeeinrichtungen beispielsweise für Demenzkranke, anderseits in Alterswohnungen.

Investitionen in die Zukunft

Diese bieten Menschen mit Pflegebedarf, bei denen das Leben im eigenen Haushalt auch mit Spitex-Dienstleistungen nicht mehr oder nur schwer möglich ist, eine sinnvolle Lösung. Die Selbstständigkeit muss nur geringfügig aufgegeben werden und trotzdem erhalten die Personen Hilfestellungen und Pflege, wenn sie solche benötigen. Heutzutage sei das Leben in Alterswohnungen sogar für Menschen mit der höchsten Pflegestufe möglich, sagt Alard du Bois-Reymond. In diesen Bereich will die Thurvita nun noch stärker investieren.

Und sie tut dies gleich mit mehreren Projekten. Da wäre einerseits die geplante Überbauung «Älter werden im Quartier» in Bronschhofen. Dort sollen 34 altersgerechte Wohnungen der Thurvita AG sowie 44 normale Mietwohnungen der Katholischen Kirchgemeinde entstehen. Der Baurechtsvertrag wurde unlängst vom Wiler Stadtparlament genehmigt. Nun beginnen bereits weitere Planungen zum Ausbau der Kapazitäten an Alterswohnungen im Alterszentrum Sonnenhof in Wil.

770000 Franken investiert die Thurvita in die Planung der Sanierung und Erweiterung des Sonnenhofs. Neben der baulichen Ertüchtigung des in die Jahre gekommenen Gebäudes soll beim Umbau auch der Anteil Alterswohnungen zu Gunsten klassischer Heimplätze zunehmen. In welchem Verhältnis dies künftig stehen wird, wird die Planung zeigen. An der Gesamtkapazität des Sonnenhofs ändert sich wenig: Insgesamt wird es weiterhin Wohnraum für zirka 100 Personen geben.