Die dunkle Materie in jeder Bürste

Alles ist eine Bürste, sagte Peter Spielbauer am Samstagabend im «Rössli».
Sogar die Sonne ist eine Bürste, und wenn man lange sucht, findet man es ohnehin nicht.

Michael Hug
Merken
Drucken
Teilen
Spielbauer improvisierte während seines Auftritts konstant. (Bild: Michael Hug)

Spielbauer improvisierte während seines Auftritts konstant. (Bild: Michael Hug)

«Wenn man etwas sucht, dann ist es eigentlich wurscht, was man findet, denn es ist ja praktisch nie alles da.» Bevor man sich den Satz zurechtlegen kann, ist Peter Spielbauer schon eine Erkenntnisstufe weiter: «Das nie nachlassende Streben ist vielleicht das Wichtigste: Hoch ist der Berg, weit ist das Tal, ein langer Fisch ist oft ein Aal.» Das ist Spielbauer live: tiefschürfend, irrwitzig, wohlüberlegt, durcheinanderbringend. In seinem Kopf stürmen ständig Gedanken, nicht mal wenn er die Augen schliesse, hört es auf, im Gegenteil. Bei Kultur in Mogelsberg hat sich der bayrische Sinnierer zum zweiten Mal Gedanken gemacht.

Bürsten im Allgemeinen und im Besonderen

Diesmal über Bürsten. Über Bürsten im Allgemeinen, über Bürsten im Besonderen. Über die dunkle Materie in Bürsten. Die Sonne ist eine Bürste, des Leben und die Welt sowieso und eine Duschbrause auch. Dabei hält er die ganze Zeit die einzige Bürste mit nur einer Borste in seinen Händen, den «Einborst». Eigentlich ist der «Einborst» auch ein Stiel, einer mit Stil auf jeden Fall. Aus dem Stiel holt er nacheinander kleine gelbe Zettelchen, von denen er dann weise Sprüche abliest, wie: «Aal dich bitte mal, einmal vor aal den Leuten.» «Wissen sie, warum ihr Schal so lasch runterhängt?», fragt er eine Zuschauerin. «Weil’s kein Aal ist», wiederholt er ihre Antwort. «Wenn man die Sachen von weit herholt, dann werden sie auch naheliegend», grinst er dann. Dabei weiss man nie, ob er ernst meint, was er sagt, oder was einstudiert ist und was improvisiert.

Von Anfang bis Ende eine einzige Improvisation

Peter Spielbauers Performance scheint eine einzige Improvisation. Er kann laut denken, dabei verworren, er kann nach Sinnen suchen und den Dingen Sinn geben und beruft sich dabei auch auf wichtige Zeitzeugen vor seiner Zeit: «Man muss das Leben nicht verstehen, man muss sich nur darin zurechtfinden können.» Wer hat’s gesagt? Albert Einstein. Einer der den Nobelpreis bekommen hat, den er, Spielbauer, im Übrigen längst auch schon verdient hätte. Doch der Nobelpreis lebt von den Zinsen eines gestifteten Kapitals und jetzt bekommt die Sache einen Haken: die Zinsen. Eine Erfindung der Banken, der Wirtschaftskiller, die hat Spielbauer auf der Bürste. Jetzt wird er ernst und erklärt die Welt der Wirtschaft. Es gibt Kapital und Zinsen, die einen, die schon haben, nehmen es von denen, die immer weniger haben, aber immer mehr arbeiten müssen dafür. Spielbauer, der Weltenkritiker.

Parallele Strahlen auf die Welten senden

Der Kabarettist sieht das grosse Ganze, zweifelt zwar, ob es auch ihn sieht. Natürlich sieht es ihn nicht, denn es gibt 200 Milliarden Welten im Kosmos und ebenso viele Sonnen, die ihre Strahlen parallel auf ihre Welten senden. Parallele Strahlen sind auch nichts anderes als Borsten, deshalb ist die Sonne eine Bürste. Peter Spielbauer sagt nichts ohne Grund. Selbst sein Grinsen, das oft in einem stummen Grunzen erstickt, ist mit Bedacht gesetzt und wenn er sich ob seiner struben Gedanken die Hände vors Gesicht hält, erschrickt er ob dem Gedachten: «Im Vergleich zu einem Vergleich ist ein Beispiel doch ziemlich einsam.» Auf so etwas muss man erst mal kommen. Unrecht hat er nicht, aber so hat es noch niemand ausgedrückt.