Die «Doppelhundevergiftungsmaschine»

FLAWIL. Seine Maschinen können vieles, auch Hunde vergiften. Jedenfalls Hunde aus Holz. Dreht Peter Maurer am Handrad und bringt damit die Maschine in Bewegung, stürzt sich der Hund auf den bereitgestellten Napf, schleckt ihn leer und fällt augenblicklich tot um.

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«Hai nomol» heisst diese Maschine: Ein Zirkusakt über dem Haifischbecken, dazu spielt die eingebaute Drehleier. (Bild: mhu.)

«Hai nomol» heisst diese Maschine: Ein Zirkusakt über dem Haifischbecken, dazu spielt die eingebaute Drehleier. (Bild: mhu.)

Flawil. Seine Maschinen können vieles, auch Hunde vergiften. Jedenfalls Hunde aus Holz. Dreht Peter Maurer am Handrad und bringt damit die Maschine in Bewegung, stürzt sich der Hund auf den bereitgestellten Napf, schleckt ihn leer und fällt augenblicklich tot um. Maurer dreht seelenruhig am Handrad weiter und lächelt auf den Stockzähnen. Da regt sich der eben noch tote Hund und richtet sich auf, als wär nichts geschehen. Und bricht noch einmal zusammen. Solange wie Maurer weiterdreht: Hund schleckt, Hund fällt tot um.

Man kennt das von einem Kinderspielzeug aus Vor-Wii-Zeiten: Da steht ein Hündchen auf einem Sockel, wenn man von unten drückt, fällt das Hündchen um.

Mit zwei Hunden geht's auch

«Warum soll ich es nicht auch mit zwei Hunden machen, wenn es mit einem funktioniert?», fragt Peter Maurer das Publikum und nimmt eine zweite Maschine hervor – eine Doppelhundevergiftungsmaschine! Maurer hat sich den Zusammenfall-Effekt vom Kinderspielzeug abgeschaut und ihn mit einem Getriebe verbunden, an dessen Hauptachse ein Handrad montiert ist.

Über Zähnräder, Schneckengetriebe und Kurvenscheiben werden die beiden Hunde auf einem Drehteller unvorhersehbar zum Zusammenbrechen gebracht – und zum Wiederaufstehen. Dass Maurer dabei von beidem begeistert ist, vom Bau raffinierter Antriebe wie vom damit erzeugten Effekt, ist ihm aus seinen listigen Augen abzulesen.

Mehr als 70 solcher handgetriebener Maschinchen mit Spontangrins- und manchmal auch mit Nachdenk-Effekt hat der Bastler aus Grub schon gebaut. Mit den ausgesuchtesten geht er ab und zu unters Publikum. Sei's in Schulklassen oder, wie am Wochenende, zu Kleinkunstveranstaltern wie dem «Touch», der ihn für zwei Vorstellungen eingeladen hat. Der «Touch», bekannt für ausgefallene Veranstaltungen und Aufführungsorte wählte diesmal passend zum Thema eine Maschinenfabrik.

In einer Lagerhalle des Flawiler Maschinenbauers Högger AG fand die Präsentation statt, umgeben von Industrieambiente, CNC-Maschinen und Prototypen. Auch Maurers Maschinen sind Prototypen. Einzelstücke, liebevoll ausgedacht und gebaut in etlichen Arbeitsstunden. «Manchmal suche ich nach einem verzwickten Antrieb, baue ihn und erst nachher kommen die Effekte dazu», sagt Maurer.

Aber manchmal sei es auch umgekehrt, da habe er eine Aussage im Kopf und versuche sie zu konstruieren. Seine Maschinen sind denn auch zumeist bewegte Karikaturen mit einer gesellschaftspolitischen Aussage. Das «Wunder von Bern» ist so eine stereotype Maschine: Sieben Holzköpfe, die fortwährend quasseln, während hinter ihnen das Bundeshaus zusammenfällt.

Nur das Fähnlein der sieben Aufrechten richtet sich auf, daran klebt eine Goldmünze – wenn alles zusammenfällt, Geld und Patriotismus bleiben.

Verbastelte Gedanken

«Der Teufel scheisst immer auf den selben Haufen», heisst eine andere Maschine, auch hier dreht sich das Geld und sammelt sich immer wieder am selben Ort.

Nicht in die Kategorie der politischen Satire gehört die Maschine «Himmel und Hölle»: Acht Mal duckt sich der Todeskandidat vor der Henkersschere, beim neunten Mal erwischt es seinen Kopf. Makaber, aber ohne Hintersinn, dennoch zum Schmunzeln. Er sei kein Satiriker, sagt Maurer, er wolle auch nicht provozieren. Er baue einfach gerne Maschinen und verbastle darin seine Gedanken, so der hauptberufliche Heilpädagoge.

Reich werden will er damit nicht, seine Maschinen sind unverkäuflich, und seine Gage geht jeweils an die Organisation Médecins sans Frontières. Michael Hug

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