Die «Bühne am Gleis» hat ein schambehaftetes Thema auf witzige Art enttabuisiert

Mit dem Stück «Thek it easy» zeigen Laienschauspieler auf, dass auch Tabuthemen wie Burn Out auf äusserst unterhaltsame Art und Weise wiedergegeben werden können.

Christoph Heer
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Die «Bühne am Gleis» zeigte «Thek it easy». (Bild: Christoph Heer)

Die «Bühne am Gleis» zeigte «Thek it easy». (Bild: Christoph Heer)

«Thek it easy» heisst das Programm, welches am Samstagabend die Bühne am Gleis, bis auf den letzten Platz – und darüber hinaus – zu füllen vermochte. Ja, es ist witzig und unterhaltsam, kurzweilig und zuweilen auch spannend. Ja, es handelt von Burn-out, also einem enorm schambehafteten Thema. Und noch einmal: Ja, Satire darf bekanntlich alles, doch bei «Thek it easy» wird der Bogen keinesfalls überspannt.

Ganz im Gegenteil, es regt zum Nachdenken an. Und das ist auch das Ziel der sechs Laienschauspieler, die im echten Leben als Pädagogen arbeiten. Ausgebrannt im Schulzimmer sitzen, um dann später in einer Burn-out-Klinik wieder gesund zu werden – wie es für eine Lehrperson überhaupt soweit kommen kann, daran scheiden sich die Geister. Ob allenfalls auch der neue Lehrplan 21 seine Schuld mitträgt?

Die Klinik profitiert

Mit grossen Portionen Witz, Musik und Ironie trifft das Bühnenstück haargenau den Nerv der Zeit. Gruppendruck, Mobbing, Überstunden, Stress und was noch alles dazu gehört, trifft auch auf die Lehrer zu. So wird davon ausgegangen, dass rund ein Drittel aller Lehrpersonen Burn-out gefährdet sind.

Aber wo Schatten ist, da ist auch Licht. Wenn Lehrpersonen, wie in diesem knapp zweistündigen Stück, an ihre Grenzen stossen und in eine Klinik überwiesen werden, dann ist das tragisch für die Betroffenen. Aber erfreulich für die Klinik.

Der Besuch hat sich gelohnt

Madeleine Bölsterli, Sibylle Frick, Karin Grimm, Irene Ramseier, Anja Kositz und Pius Larcher, beruflich allesamt im Kanton Zürich tätig, bringen es von der ersten Sekunde an fertig, grosses Theater auf die Bühne zu bringen. Das Publikum, rund 100 Personen, steigt von der ersten Minute an mit auf den Zug, der in diesem Fall gezogen wird von viel Witz und Ironie. Die «Bühne am Gleis» hat es geschafft, eine Inszenierung nach Wil zu bringen, die zwar amüsant ist, aber auch zum Nachdenken anregt.

«Wunderbar lustig, obschon das Stück von einem ernsten Thema handelt», sagt eine Besucherin und steht mit ihrer Meinung nicht alleine da. Beim geselligen Austausch und beim Genuss von feinen Leckerbissen nach dem Theater fanden engagierte Gespräche statt, wobei man sich einig ist: Dieser Besuch bei der «Bühne am Gleis» hat sich gelohnt.