Die «Bravo» und die Ungeküsste

Dornröschen, Kopfhörer und Smartphone. Die Schülerinnen und Schüler der Kirchberger Oberstufe Lerchenfeld haben zusammengebracht, was eigentlich nicht zusammengehört. Oder doch? Die Bühnenshow zum Schulende überraschte.

Andrea Häusler
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Wachgeküsst. Nach 100 Jahren Tiefschlaf ist die schöne Prinzessin Rosa im Leben der Neuzeit angelangt. (Bild: :)

Wachgeküsst. Nach 100 Jahren Tiefschlaf ist die schöne Prinzessin Rosa im Leben der Neuzeit angelangt. (Bild: :)

KIRCHBERG. ... und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. «Dornröschen» scheint tatsächlich überlebt zu haben. 317 Jahre nach seiner literarischen Geburt in Charles Perraults «La belle au bois dormant» und knapp 200 Jahre nach der Publikation seiner Geschichte in Grimms «Kinder und Hausmärchen» hat das Schicksal der behüteten Königstochter kaum an Aktualität eingebüsst. Noch heute können Eltern das Erwachsenwerden ihrer Kinder nicht bremsen, sie nicht vor sämtlichen Risiken des Lebens, vor allem vor Leid oder dem Einfluss der Gesellschaft, bewahren. Erst recht nicht durch Isolation, die wohl die elterliche Angst zu mindern vermag, die Jugendlichen aber der Chance beraubt, ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln. 100 Jahre Schlaf, 100 Jahre Stillstand. Dann erlöst der Prinz sein Dornröschen aus der Erstarrung und damit aus der elterlichen Vereinnahmung: der Kuss als Anfang einer Paarbeziehung und gemeinsamen Entwicklung.

Strom statt Spindel

Um die Gegenwartsnähe des Märchens zu verdeutlichen, hatten die Kirchberger Oberstufenklassen die alten Sinnbilder für ihr Bühnenstück zum Ende der Schulzeit ganz einfach durch zeitgenössische Gefahrensymbole ersetzt. So war es nicht die Spindel, die «Röschen» verletzte und in einen Tiefschlaf versetzte, sondern der elektrische Strom. Zu gross war die Verlockung von Computern, Smartphones, Instrumenten und Radio, als dass die Königstochter der Versuchung hätte widerstehen können. Die (böse) 13. Fee, die vom Königspaar ausgeschlossen worden war, hatte ein leichtes Spiel. Weniger einfach war die Aufgabe der abenteuerlustigen jungen Männer, die sich vom Unkrautvertilger bis zum Bunsenbrenner einiges hatten einfallen lassen, um durch die Dornenranken zur Königstochter vorzudringen. Der eine schaffte es – zumindest bis zum Lager der schlafenden Prinzessin. Dort aber verliessen ihn Heldenmut und Selbstvertrauen: Wie geht es denn nun mit dem Kuss?

Wertvolle Anleitung

Da sass er nun, rat- und hilflos, die «Bravo» in der Hand; blätternd, lesend, staunend darüber, wie viele Kussvarianten es gibt. Einen Handkuss? Tatsächlich erwachte die Prinzessin (die der Pennerei eh nichts abgewinnen konnte) aus dem Tiefschlaf. «Dornröschen», aktualisiert, parodiert und mit zahlreichen Showelementen gespickt: dem Publikum im Lerchenfeldschulhaus gefiel, was es sah – der anhaltende Applaus zeugte davon.

Beim Haarewaschen eingedöst. (Bilder: Andrea Häusler)

Beim Haarewaschen eingedöst. (Bilder: Andrea Häusler)

Gezeichnet vom Versuch, durch die Dornen ins Schloss zu gelangen.

Gezeichnet vom Versuch, durch die Dornen ins Schloss zu gelangen.

Alles im Schloss erstarrte.

Alles im Schloss erstarrte.

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