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Die Botsberger Mühle klappert schon lange nicht mehr

Am Buebentalerbach stand über 500 Jahre eine Mühle. Diese prägte das Dorfbild des Weilers Botsberg.
Johannes Rutz
Die Botsberger Mühle, wie sie viele Jahrhunderte bis 1972 bestand. (Bilder: Johannes Rutz)

Die Botsberger Mühle, wie sie viele Jahrhunderte bis 1972 bestand. (Bilder: Johannes Rutz)

Der Buebentalerbach wird bald nicht mehr durch den Weiler Botsberg ins Dorf fliessen, sondern auf der Höhe der Bogenstrasse 95 nach Norden an der Garage Neff AG vorbei unter der Wiler Strasse hindurch ins Lehmtobel geleitet. Diese Umleitung ist Voraussetzung dafür, dass das grosse Gebiet zwischen der Wiler Strasse und der Toggenburgerstrasse in den nächsten Jahren überbaut werden kann. Das wird dem Botsberg-Quartier erneut ein völlig neues Gesicht geben.

Die Bachumlegung soll auch daran erinnern, dass während vieler Jahrhunderte am Buebentalerbach eine Mühle ihren ausdauernden Dienst tat. Es war die Botsberger Mühle, die im Zentrum des alten Kerns des Weilers Botsberg stand.

Schon zahlreiche 
Besitzerwechsel erlebt

Erinnerungsstück: Der Mahlstein der ehemaligen Mühle.

Erinnerungsstück: Der Mahlstein der ehemaligen Mühle.

Die Mühle existierte bereits im 15. Jahrhundert. Im Laufe ihrer fünfhundertjährigen Geschichte erlebte die Mühle viele Besitzerwechsel. Unter anderem war auch das Kloster Magdenau einmal Eigentümer. Der ehemalige Dorfchronist Gustav Bänziger hat in grosser Fleissarbeit sämtliche Besitzer seit 1810 zusammengestellt. Der letzte erfolgreiche Müller war Jean Diethelm, der die Mühle 1861 in einem verlotterten Zustand kaufte und bis 1904 betrieb.

Zur Mühle gehörten ein Wohnhaus, eine Bäckerei, eine Scheune und eine Säge, zudem der Weiher in der Weiherwies und das Wasserrecht am Bach. Als initiativer Müller erneuerte Diethelm die Mühle, schaffte neue Maschinen an und erstellte 1883 eine neue Scheune mit Stall für die Müllerei-Pferde. Diese steht noch heute und dürfte eines der ältesten Gebäude im Botsberg sein.

Zudem betrieb Diethelm einen Landwirtschaftsbetrieb mit «schönem Viehbestand» und eine Geflügelzucht. Dieser blühende Mühle-, Säge-, Bäckerei- und Landwirtschaftsbetrieb war das markante Kennzeichen des Botsbergs, wie es der ehemalige Dorfchronist Alfred Hofmann in seinem Büchlein «Die Botsberger-Mühle im toggenburgischen Unteramt» beschrieb.

Das Ende 
der Dorfmühlen

Allerdings nahte das Ende der Dorfmühlen. Zum einen führte der Bau der Eisenbahnlinie Zürich – St. Gallen um das Jahr 1856 dazu, dass billiges Getreide aus dem Ausland in die Ostschweiz importiert werden konnte. Es lohnte sich immer weniger, in unserer Region Getreide wie Weizen, Roggen und Dinkel anzupflanzen. Die ehemalige Kornkammer wurde zusehends durch die Milch- und Viehwirtschaft verdrängt. Jean Diethelm reagierte auf diese neue Entwicklung, indem er sich auf das Mais- und Griessmahlen spezialisierte. Dies auch, weil die gesteigerten Anforderungen an Weissmehl die Mühle nicht mehr zu erfüllen vermochte. Ein weiterer Grund des Verschwindens der Dorfmühlen war das Aufkommen dampfbetriebener Grossmühlen.

Weil die beiden Söhne von Diethelm die Mühle nicht übernehmen wollten, verkaufte er sie 1904. Nach mehreren Handänderungen, bei denen auch Spekulanten die Hände im Spiel hatten, kaufte die Textilfirma Habis im Jahre 1917 die Liegenschaft der Botsberger Mühle.

Am Wasserrecht
interessiert

Der Grund für diesen Kauf erklärt der langjährige Nachbar der Mühle, der 79-jährige Walter Hungerbühler und heutiger Besitzer der leer stehenden Mühlenscheune, wie folgt:

«Die Firma war in erster Linie interessiert am Wasserrecht. Denn die Habis benötigte für das Bleichen und Färben ihrer Stoffe viel Wasser. Zum andern diente das Wohnhaus als Unterkunft für ihre Mitarbeiter. Die 15 Parteien waren alle mit Webern aus Italien belegt.»

Als weitere Reminiszenz weiss Hungerbühler zu berichten, dass das Wasser des Buebentalerbaches im Winter für das Erstellen der Eisfläche am Eisbahnweg diente. Auch habe man immer gewusst, wann in der Sägerei beim Kloster Magdenau gesägt wurde: «Dann kam plötzlich viel Wasser den Buebentalerbach herab.»

Mühle und Weiher 
sind verschwunden

Wo sich heute der Wohnblock befindet, stand einst die Mühle.

Wo sich heute der Wohnblock befindet, stand einst die Mühle.

Die Botsberger Mühle fiel 1972 der Spitzhacke zum Opfer. An deren Stelle entstand ein gesichtsloser Wohnblock, wie man ihn in den 1970er-Jahren überall baute. Damit verlor der Weiler Botsberg ein wesentliches identitätsstiftendes Gebäude. Ebenfalls verschwunden ist der Mühleweiher, den man auf alten Karten noch eingezeichnet findet. Er wurde zum Teil mit Schutt aufgefüllt. Andeutungsweise erkennt man noch heute den mit Schilf umgebenden Rand des ehemaligen Weihers.

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