Die Bevölkerung miteinbeziehen

Der in Wil aufgewachsene Moritz Wandeler, Dozent am Institut für Betriebs- und Regionalökonomie der Hochschule Luzern, referierte bei den Grünen Prowil über Siedlungsentwicklung und Verdichtung.

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Guido Wick bedankt sich bei Moritz Wandeler. (Bild: pd)

Guido Wick bedankt sich bei Moritz Wandeler. (Bild: pd)

WIL. Verdichtung schaffe nur lebenswerten Wohnraum, wenn dies im Prozess mit der Bevölkerung und mit gestalterischen Vorgaben erfolge, sagte der Referent Moritz Wandeler im Hof zu Wil anlässlich der Jahresversammlung der Grünen Prowil. Moritz Wandeler ist in Wil aufgewachsen, war Mitglied des Stadtparlaments und ist heute Dozent am Institut für Betriebs- und Regionalökonomie der Hochschule Luzern.

Ein Krebsgeschwür

Wie ein Krebsgeschwür wuchere die Siedlungsfläche entlang der Ballungszentren der Schweiz immer weiter in die Landschaft hinaus. Jede Sekunde gehe mehr als ein Quadratmeter Kulturland verloren, wovon 55 Prozent für Siedlungsfläche gebraucht werden und 45 Prozent durch Verbuschung verloren gehen. Und dies, obwohl schon das erste Raumplanungsgesetz in den Siebzigerjahren den haushälterischen Umgang mit dem Boden vorschreibe. Das neue Raumplanungsgesetz des Bundes mache weitere Vorgaben, die den haushälterischen Umgang mit dem Boden fördern sollen. Die Umsetzung sei nicht unproblematisch, würde doch die Entschädigung für Rückzonungen Unsummen verschlingen, die angesichts der angespannten Finanzsituation nicht verfügbar seien. Zudem liege die Verantwortung für die Umsetzung bei den Kantonen und Gemeinden.

Verdichtung allein genügt nicht

Anhand eines Beispiels aus Altstätten bei Zürich zeigte Wandeler, dass eine bauliche Verdichtung nicht zwingend mehr Bewohner bringe. Die Wohnfläche eines Neubaus war grösser, weil aber die Wohnungen ebenfalls grösser wurden, wohnen heute nicht mehr Leute im Gebäude als vorher. Auch wenn mit einer baulichen Verdichtung die Anzahl der Bewohner ansteige, bedeute dies nicht, dass das Quartier wohnlicher werde.

Was braucht es also, damit sich Bewohner trotz Verdichtung wohl fühlen? «Es braucht eine optimale Planung, den Einbezug der Bevölkerung und Leitplanken im Baugesetz», sagte Wandeler. «Dabei gibt es kein Patentrezept.» Dass solche Prozesse aufwendiger seien, verstehe sich von selbst, doch sie seien ein Gewinn für ein lebenswertes Wohnen. «Es gibt gute Beispiele, die zeigen, dass dies möglich ist.» Die Gemeinde Haldenstein habe die Ortsplanrevision mit Einbezug der Bevölkerung realisiert. Gemeinsam wurde zum Beispiel festgelegt, was den Charakter der Gemeinde ausmacht und unbedingt erhalten bleiben soll.

Vielversprechendes in Wil

Das Referat regte eine längere Diskussion an. Auch in Wil gibt es vielversprechende Planungsprozesse, beispielsweise für das Zeughausareal, welche in einem intensiven Austausch mit der Stadt und drei eingeladenen Architekturbüros durchgeführt wurden. (pd)

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