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Die Arroganz des Bären

Fritz Studli

Fritz Studli schnaubt; die halbabgebrannte Villiger Krumme im linken Mundwinkel, die Hände auf der Laptop-Tastatur, den Blick auf den Bildschirm gerichtet, lässt er seinen wohltemperierten Zorn in die Fingerspitzen fliessen. Wäre das schön, eine alte Tastenschreibmaschine zu haben, wie früher, in der Redaktion, denkt er: eine «Hermes Kalaschnikow Baby», wie der grosse Niklaus Meienberg einst frotzelte. Da könnte man die Worte reinhämmern!

«Hochverehrter Uzwiler Gemeinderat, geschätzter Herr Kulturverantwortlicher Baer», hat er seine E-Mail begonnen, «es sei Ihnen und Ihrem selbstgegebenen Kulturauftrag unbenommen, mit einem Online-Portal wie ‹Uzgang.ch› alle Sport- und Kulturveranstalt­ungen der Region sammeln zu wollen, aber …» So weit ist Studli gekommen. Nun stockt er. Worüber zürne ich denn so, fragt er sich. Über Marketing-Sprache wie «Streuverlust» oder «Wiederkennungswert» in der Pressemitteilung, die selbst sein altes Leib- und Magenblatt unkritisiert und unkommentiert übernommen hat? Über die Idee selbst, so ein Online-Portal aufzusetzen? Auch nicht wirklich; sie hat ja was für sich.

Nein, denkt Fritz Studli, der seine ganze Existenz als Journalist und letztlich sein Leben dem vom Internet bedrohten Modell Regionalzeitung verdankt – nein, denkt er, es ist etwas anderes: Es ist die Geringschätzung, ja Arroganz gegenüber den «regionalen Printmedien», die er in der Verlautbarung des Uzwiler «Kulturbären» – was für ein lahmes Wortspiel! – zu erkennen meint.

Diese selbstherrliche Perspektive: Im Zentrum das neue, kostenlose, staatsfinanzierte Online-Portal «Uzgang.ch», und drum herum, eilfertig und stets zu Diensten, die Regional- und Lokalzeitungen, die publizistische Zulieferindustrie für Uzgang.ch. Wie heisst es doch wörtlich? «Zudem sollen in den wichtigsten regionalen Printmedien Abdrucke von Programmdetails, Künstlerinterviews und Veranstaltungstipps gemacht werden.» Aha!, ruft Fritz Studli innerlich auf, Uzgang veranlasst «Abdrucke» in den Regionalzeitungen, was diese unter Selbstaufgabe ihres journalistischen Anspruchs natürlich gerne und kostenlos tun – alles fürs Portal, hopp hopp, wer will denn da nicht freiwillig «abdrucken» und den Uzgang-«Content» freudig übernehmen. Und müssten die Zeitungen sich nicht auch noch freuen, dass von Uzgang auch noch eine Printausgabe kostenlos den kostenlosen Gemeindeblättchen beigelegt wird? Dem eigenen Untergang auch noch applaudieren? Ade, Geschäftsmodell Zeitung, aber hey, es geht doch um Kultur und Sport! Fritz Studlis Gedanken rasen. Die Krumme ist erloschen. Der Cursor seines Laptops blinkt.

Fritz Studli ist Journalist im Ruhestand und kommentiert das Lokalgeschehen.

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